Es begann alles 1998, als James A. Thomson und seinen Mitarbeitern von der Universität von Wisconsin in Madison ein großer Coup gelang: die kontinuierliche Vermehrung humaner embryonaler Stammzellen. Sein Erfolg bedeutete nicht nur einen großen wissenschaftlichen Fortschritt; er setzte auch eine heftige Diskussion über das Selbstverständnis des Menschen in Gang. Sie zieht nicht bloß Wissenschaftler und Ärzte in ihren Bann, sondern große Teile der Gesellschaft insgesamt – nicht zuletzt, weil weit reichende politische Grundsatzentscheidungen abverlangt werden. Noch bis vor wenigen Jahren in der Öffentlichkeit nahezu unbeachtet, wurde die jahrzehntelange Stammzellforschung somit plötzlich zum medienwirksamen Schauplatz von Politikern, Ethikern, Theologen und selbst zahlreichen Wissenschaftlern. Schreckensvisionen von "Embryonentötung" und geklonten Menschen wechseln sich seither ab mit manch unseriösen Heilungsversprechen und vermeintlichen Einzelfallsensationen diverser Forschergruppen.

So umstritten sie auch sein mag – die Forschung an menschlichen embryonalen wie auch adulten Stammzellen bleibt einer der vielversprechendsten Wege in der Medizin des 21. Jahrhunderts. Denn wenn es gelingt, regenerative Zellen zur Reparatur von Geweben und Organen zu züchten, könnte dies für Millionen schwer kranker Menschen zu einer echten Heilungschance werden. Weltweit befassen sich inzwischen etliche Forscherteams mit der Stammzelltechnologie und versuchen dabei fieberhaft, der Natur ein Geheimnis des Lebens abzuringen: die Gesetze der Zellentwicklung von der einfachen befruchteten Eizelle zu den vielfältigen Gewebetypen eines Organismus. Denn genau das ist Voraussetzung, um gezielt neue Therapien entwickeln zu können. Eben solchen Forschungszwecken dient der Import humaner Stammzellen, den das Robert Koch-Institut bis Anfang April 2003 drei deutschen Arbeitsgruppen erlaubt hat – darunter uns am Neurophysiologischen Institut der Universität zu Köln.

Doch was