Was sind Ihre Beweggründe?
Die Säuberung und Freilassung von verölten Wildvögeln hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun. In vielen Ländern ist sie mittlerweile nicht nur selbstverständlich, sondern unter Berücksichtigung des Tierschutzrechts sogar Pflicht. In Europa zeigt sich der deutliche Trend, dass die Rettung ölverschmutzter Wildtiere mehr und mehr Bestandteil der nationalen Notfallpläne wird. Da eine Ölpest durch menschliches Verschulden hervorgerufen wird, sehen wir es als unsere Pflicht an, den betroffenen Tieren bestmöglich zu helfen. Dies besagt auch das deutsche Tierschutzgesetz.
Gereinigte Eiderenten auf einem Außenpool: Die Tiere wurden nach einer Ölpest 2009 in Südnorwegen aufgegriffen und erfolgreich behandelt.
Dieses Argument wird leider oft von Personen vorgebracht, die sich ihren Lebensunterhalt auch von Spenden finanzieren lassen, mit denen Menschen eigentlich etwas Gutes für Tier- und Natur tun möchten. Und gemessen an den Gesamtkosten für die Beseitigung der Ölverschmutzungen auf See und an der Küste sind die Kosten für die Rettung der Tiere durchschnittlich bei etwa 0,5 Prozent der Ausgaben anzusiedeln.
Claude Velter aus Belgien (links) und Sascha Regmann (rechts) versorgen eine Eiderente, die nach der "Full-City"-Ölpest 2009 in Südnorwegen aufgegriffen worden war. Das internationale Tierrettungsteam wurde auf Anfrage des WWF angefordert.
Versuchen Sie möglichst allen Vögeln zu helfen? Oder werden nur jene Tiere gereinigt, die überhaupt Aussichten aufs Überleben haben?
Es handelt sich bei verölten Vögeln um kranke Tiere, die einer tierärztlichen Behandlung bedürfen; die Rehabilitation ist daher eine rein medizinische Angelegenheit. Wenn respektable Chancen bestehen, dass die Tiere erfolgreich behandelt und wieder ausgewildert werden können, so sind die Maßnahmen für uns sinnvoll. Bei Individuen, die kaum Überlebenschancen aufweisen, ist tiermedizinisch die Möglichkeit der Euthanasie gegeben: Auch dies kann eine Hilfe für das Tier sein.
In jedem Fall muss jedoch die Entscheidung, ob eine Rehabilitation sinnvoll ist oder nicht, von Tierärzten mit Fachkenntnissen beurteilt werden. Diese Beurteilung muss anhand von medizinischen Kriterien und messbaren Daten erfolgen und nicht auf Grund eines Bauchgefühls. Viele der "Fachleute", welche immer wieder das pauschale Töten ölverschmierter Wildvögel propagieren, besitzen sicherlich in einigen Bereichen Kompetenzen, aber in diesen fachspezifischen Veterinärfragen sind sie Laien und damit nicht in der Lage, qualifizierte Beurteilungen treffen zu können.
Wie viele Tiere überleben die Rehabilitation und lassen sich wieder in den Bestand eingliedern?
Gereinigte Stockenten nach der "Glomma"-Ölpest 2006 in Norwegen: Das abperlende Wasser auf dem Gefieder verdeutlicht, dass die Säuberung den wasserabweisenden Charakter der Federn allenfalls kurzzeitig einschränkt.
Die Verbände argumentieren damit, dass die Reinigungsprozedur ein zusätzlicher belastender Prozess für die ohnehin gestressten Tiere ist: Gibt es Methoden, die weniger belastend sind?
Der direkte Kontakt mit dem Menschen bedeutet für alle Wildtiere Stress. Dies gilt beispielsweise auch für Füchse, Feldhasen oder Greifvögel. Die Rettung von Wildtieren in den bundesweit zahlreichen Pflegeeinrichtungen wird jedoch im Gegensatz zu jener von verölten Vögeln nicht in Frage gestellt. Dabei ist die Erfolgsquote bei der Wiederauswilderung wildbahntauglicher Greifvögel meist geringer als bei Einsätzen zur Rehabilitation verölter Seevögel.
Das Minimieren von Stress ist bei einer professionellen Behandlung oberstes Gebot. So darf beispielsweise nur geschultes und erfahrenes Personal die Vögel händeln. Auf zahlreichen internationalen Fachtagungen und Workshops konnten zudem in den vergangenen Jahren diverse Optimierungen im Bereich des Reinigungsvorgangs als auch auf dem Gebiet der allgemeinen Behandlungen erreicht werden.
Angenommen, es passiert ein Tankerunglück vor der deutschen Küste und es werden tausende verölte Vögel angespült: Überfordert das nicht die hiesigen Auffangstationen mit ihrer geringen Aufnahmekapazität?
Freilassung von über 100 gereinigten Trauerenten nach der illegalen Einleitung von Schweröl in die Nordsee: Im Gegensatz zu vielen großen Naturschutzorganisationen steht ProBird ausdrücklich dahinter, ölverschmutzte Vögel zu retten.
Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um im Falle eines Tankerunglücks hierzulande besser gegen die Folgen gewappnet zu sein?
Unabdingbar ist dafür eine gut funktionierende Gefahrenabwehr der einzelnen Länder: Kompetenzgerangel und Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Behörden müssen vermieden werden. In einem schweren Schadensfall sollte deshalb das Havariekommando aus Cuxhaven die Leitung und Koordination übernehmen. Ob dies in der Praxis funktioniert, wird jedoch wohl leider erst ein Ernstfall zeigen.
Für unsere spezielle Arbeit sind zukünftig die Einbindung in die Gesamtschadenabwehr sowie gemeinsame Schulungen mit anderen Einsatzkräften wie Feuerwehr und THW wichtig. Ebenso gilt unser Augenmerk dem vorsorglichen Ausbau eines jederzeit zum Aufbau bereiten und kompletten Equipments. Hierfür suchen wir noch Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie, um den verschiedenen Bundesländern im akuten Fall schnell und unbürokratisch unsere professionelle Hilfe anbieten zu können.
Herr Regmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.






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