Bei keinem anderen Primaten, auch nicht bei Menschenaffen, sind Männchen und Weibchen derart unterschiedlich groß geraten: Ein erwachsener Orang-Utan-Mann wiegt mehr als doppelt so viel wie ein erwachsenes weibliches Tier. Die erwachsenen Männer mit ihren rund neunzig Kilogramm Gewicht fallen außerdem durch ihr langes orange-rotes Haarkleid auf, das oft wie eine Schleppe wirkt. Eindrucksvoll erscheinen zugleich die mächtigen Backenwülste und der große Kehlsack, der ihrem weithin erschallenden Revierruf Resonanz verleiht.

Eben geschlechtsreife Orang-Utan-Männchen wirken längst nicht so imposant. Sie sind kaum schwerer als erwachsene Weibchen, von denen sie sich äußerlich noch wenig unterscheiden. Die Pubertät erreichen sie mit sieben bis neun Jahren. Bis sie danach die volle Größe gewinnen und die auffallenden sekundären Geschlechtsmerkmale eines voll erwachsenen Affenmannes ausbilden, dauert es einige Zeit. Doch im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren sind sie normalerweise herangewachsen und nun eine beeindruckende Erscheinung. Auch stellen sie dann eine ernst zu nehmende Konkurrenz für jeden Revierbesitzer dar und treten auch jetzt erst als Paarungspartner der Weibchen auf. Dies glaubten Primatologen zumindest.

Doch sie hatten sich in Pongo pygmaeus, wie der rote Menschenaffe aus den Regenwäldern Borneos und Sumatras mit wissenschaftlichem Namen heißt, getäuscht. Schon als in Zoos die ersten festen sozialen Gruppen von Orang-Utans etabliert wurden, beobachteten die Wärter, dass sich einige heranwachsende Männchen oft jahrelang, mitunter während des ganzen zweiten Lebensjahrzehnts, anscheinend überhaupt nicht weiterentwickelten.

Später berichteten auch Freilandforscher, unter anderen die amerikanische Primatologin Biruté M. F. Galdikas von der Simon Fraser University in Burnaby (British Columbia, K