Das Hot-Dry-Rock-Verfahren macht vom Grundwasser unabhängig. Man benötigt lediglich zwei Bohrlöcher und presst dann Wasser mit 200- bis 300-fachem Atmosphärendruck durch das heiße Gestein. Auf diese Weise wird es aufgesprengt und durchlässig gemacht. Die Kräfte, die dabei wirken, sind beträchtlich: Im Dezember 2006 wurde durch eine derartige »Sprengung« in der Region Basel ein Erdbeben der Stärke 3,4 ausgelöst, in El Salvador wurde 2003 sogar 4,4 auf der Richterskala gemessen. Warum dergleichen geschieht, wissen die Experten noch nicht. Vermutlich verstärkt das Einpressen mechanische Spannungen in tiefen Gesteinszonen. Bislang hatten Bohrungen bis vier Kilometer Tiefe keine Beben zur Folge, in Basel war man fünf Kilometer in die Erdkruste vorgestoßen.
Durch Erdwärme erhitztes Wasser ist oft noch zu kalt, um bereits effektiv Turbinen anzutreiben. Darum gibt es in einem Wärmetauscher seine Energie an ein Medium ab, das schon bei Temperaturen von beispielsweise 50 Grad Celsius siedet. Dieses verdampft und treibt eine Turbine an.
Stand der Technik war bis vor Kurzem das ORC-Verfahren (Organic Rankine Cycle). Die hier eingesetzten Medien sind Fluorchlorkohlenwasserstoffe mit Siedepunkten zwischen minus 40 und plus 50 Grad Celsius oder Kohlenwasserstoffisobutan mit einem Siedepunkt von minus 11,7 Grad Celsius. Diese Verbindungen können aber die Umwelt schädigen. Modernere Anlagen verwenden deshalb das nach dem russischen Ingenieur Alex Kalina benannte Verfahren, bei dem ein Wasser-Ammoniak-Gemisch als Arbeitsmittel verwendet wird. Vorteil hier: Es kann weit über den Siedepunkt des Ammoniaks von minus 33,7 Grad elsius hinaus erhitzt werden. Die Temperatur einer reinen Flüssigkeit dagegen steigt nur bis zum Siedepunkt, dann verdampft sie. Das flüssige Gemisch Alex Kalinas aber vermag auch über den Siedepunkt hinaus noch Wärme aufzunehmen. Das verbessert den Wirkungsgrad des Wärmetauschers.
Die Stadt Unterhaching bei München hat das Glück, dass 3300 Meter unter ihr eine Wasser führende Schicht durch 122 Grad Celsius heißes Gestein fließt. Aus diesem Grund wird dort eine solche Geothermieanlage gebaut. Die Techniker rechnen mit einer Leistung von 3,36 Megawatt – damit lassen sich etwa 6000 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. Neben elektrischer Energie wird das Wasser auch Heizwärme für etwa die Hälfte der 20 000 Einwohner der Stadt liefern. Dazu werden 25 von den 150 pro Sekunde geförderten Litern abgezweigt und in ein Fernwärmenetz gespeist. Die Bohrungen wurden 2004 beendet, das Heizwerk wie auch die Anlage zur Stromerzeugung sind bereits fertig gestellt, im November 2007 soll die komplette Anlage im Betrieb sein – und jährlich den Ausstoß von 12 000 Tonnen Kohlendioxid, sieben Tonnen Schwefeldioxid und fast elf Tonnen Stickstoffoxiden einsparen. So macht man Häuser warm, ohne das Weltklima zu verändern.
Wussten Sie schon?


Der Autor arbeitet als freier Fachjournalist in Mainz.


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