Wissenschaftsgeschichte
Al-Biruni - Ein Gelehrter, den das Abendland übersah
In der Blütezeit der Wissenschaft im mittelalterlichen Orient gelangte der Universalgelehrte al-Biruni zu Erkenntnissen, die vergleichbaren Entwicklungen im Abendland um Jahrhunderte vorangingen.
Gotthard Strohmaier
Der Einflussbereich der von Mohammed begründeten Religion erstreckte sich im 10. Jahrhundert von der iberischen Halbinsel über Nordafrika und Vorderasien bis zur indischen Grenze. Islamische Gelehrte nahmen das Wissen aus den bekehrten Kulturräumen bereitwillig auf. Das griechisch-hellenistische Erbe wurde ebenso rezipiert wie das Wissen der Inder und die Kenntnisse der Iraner aus der vorislamischen Zeit. Durch den Sieg über die Chinesen in der Schlacht bei Samarkand im Jahre 751 erwarben die Araber von Kriegsgefangenen die Kenntnis der Papierherstellung, und der billige Beschreibstoff wurde zusammen mit ihrer eleganten Schrift, die eine viel höhere Schreibgeschwindigkeit erlaubt als die lateinische, zu einem wichtigen Kulturfaktor.
Mehrere Orte im islamisch-arabischen Raum entwickelten sich zu geistigen und kulturellen Zentren. In Bagdad beispielsweise wurde im 9. und 10. Jahrhundert praktisch alles, was in der griechischen Spätantike an Wissenschaften noch lebendig war, ins Arabische übertragen. Dazu gehörten vor allem das Korpus der aristotelischen Schriften, das umfangreiche Lebenswerk des Arztes Galen von Pergamon (129–216) und der "Almagest", das astronomische Handbuch des Ptolemäus (um 100–160).
Die islamisch-arabische Wissenschaft erschöpfte sich indes nicht in der Übernahme bereits vorhandenen Wissens. Vielmehr fügte sie existierende Bausteine zusammen und entwickelte sie durch eigene Arbeiten deutlich weiter. Auf diese Weise brachten die Länder der musli


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