Die meisten Astronomen gehen heute von ihrer Existenz aus, spekulieren zugleich jedoch noch immer über mögliche Kandidaten für die verborgene Quelle der Schwerkraft: Kalter Staub, kleine Sterne, schwarze Löcher und Neutrinos waren letztendlich keine brauchbaren Lösungen, denn sie alle könnten bei Weitem nicht genug Masse aufbringen. WIMPs, Weakly Interactive Massive Particles, stehen derzeit hoch im Kurs. Doch diese Teilchen mit großer Masse, die kaum mit normaler Materie oder Strahlung interagieren, tauchen bisher nur in einigen neuen Theorien der Quantenphysik auf. Gäbe es sie tatsächlich, könnte das Universum in der Tat mit ihnen angefüllt sein, ohne das wir es bemerken.
Seltsame Zufälle
Derartige "Absprachen" zwischen sichtbarer und Dunkler Materie sind nicht völlig neu. Seit den 1990er Jahren bereiten kleine, diffuse Galaxien dem Modell der Zusatzteilchen Probleme. Denn auch sie rotieren viel zu schnell und müssten beinahe ausschließlich aus unsichtbarer Materie bestehen, um dies zu erklären. Warum gerade alle diese kleinen Sternsysteme so viel von ihr besitzen sollten, ist jedoch ungeklärt.
Tatsächlich scheint die Dunkle Materie immer nur dort in Erscheinung zu treten, wo die sich anziehenden Massen sehr klein oder weit entfernt sind. Massereiche Systeme wie der innere Bereich der Milchstraße bis zur Bahn unserer Sonne passen problemlos zu den bekannten Gesetzen der Gravitation und scheinen frei von versteckter Materie. Famaey und seine Kollegen untersuchten dies genauer und zeigten, dass Dunkle Materie in allen Sternsystemen nur ab derjenigen Entfernung vom Zentrum auftaucht, bei der die Anziehung der inneren Massen einen bestimmten Grenzwert unterschreitet. Dies spricht für Famaey stark dafür, dass nicht unser Wissen um den Inhalt des Universums unvollkommen ist, sondern unsere heutigen Theorien der Gravitation. Zwar stimmt: Je weiter zwei Massen voneinander entfernt sind, umso schwächer ziehen sie sich an. Aber offenbar geht es nicht unbegrenzt so weiter. Bei sehr großen Entfernungen von tausenden Lichtjahren nimmt dieser Rückgang womöglich langsam ab, so dass sich Massen dann stärker anziehen als bisher bekannt. Das würde die Beobachtungen erklären, auch ohne dass eine rätselhafte neue Art von Materie nötig wäre.
Das Puzzle passt nicht zusammen
Ein besseres Gravitationsgesetz zu erfinden, klingt einfacher als es ist. Schon im Jahr 1983 veröffentlichte Mordehai Milgrom eine Gleichung, welche die Bewegungen innerhalb von Galaxien inklusive der diffusen Zwergsysteme beschreiben konnte. Sie funktioniert jedoch wiederum nicht für die Vorgänge in Galaxienhaufen. Auch weiterentwickelte Versionen dieser Theorie und neue Ansätze aus der Quantengravitation konnten bis jetzt nicht alle Beobachtungen erklären.
Wären tatsächlich die Gesetze der Schwerkraft selbst für all diese Phänomene verantwortlich, so hätte die Physik sie noch lange nicht verstanden; eine entsprechende Theorie wäre sicherlich sehr kompliziert. Auf der anderen Seite müssten auch die Fürsprecher der Dunklen Materie erst noch beweisen, dass die vorgeschlagenen Teilchen existieren und wie sie einerseits so wenig und andererseits so präzise mit unserer sichtbaren Welt verbunden sind. Vielleicht ist die letztliche Lösung sogar eine Mischung aus beiden Ansätzen. Bis dahin ist die Existenz Dunkler Materie wohl mehr denn je eine Frage des Glaubens.







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