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Russland darf Hilfsprogramme für Drogensüchtige nicht aufgeben Der zunehmende Wohlstand Russlands hat zur Folge, dass das Land den Anspruch auf viele Zuwendungen aus dem globalen Fonds verliert, mit dessen Hilfe die so genannten Harm-Reduction-Programme für Drogen spritzende Suchtkranke finanziert wurden. Die russische Regierung hat angedeutet, dass sie sich lieber darauf konzentrieren will, der Allgemeinbevölkerung einen gesunden Lebensstil zu empfehlen, statt einer früheren Verpflichtung folgend die Finanzierung dieser risikomindernden Programme fortzuführen. Die Fragestellungen werden in einem aktuellen Leitartikel diskutiert. Der Leitartikel stellt fest: "Angesichts der vielfach beschriebenen erschreckenden gesundheitlichen Zustände innerhalb Russlands (nach Meinung des russischen Präsidenten Dmitry Medvedev zu zwei Dritteln eine Folge des Lebenswandels), sowie der tradierten Konzentration auf Behandlung statt Vorbeugung und dem hochmütigen Status der Krankenhäuser gegenüber gemeindlichen Gesundheitsprogrammen ist die jüngste Ausrichtung des Staates auf die Gesundheitsförderung ein hochwillkommener Schritt. Es wäre jedoch unverständlich kurzsichtig, wenn die russische Regierung derart entscheiden würde, dass ein solcher positiver Wechsel in der Gesundheitspolitik zum Nachteil der 1,8 Millionen Drogensüchtigen gereichen würde." Daraus folgt die Mahnung des Leitartikels an die russische Regierung, die Finanzierung der Harm-Reduction-Programme ebenso fortzuführen wie die Gesundheitsprogramme für die Bevölkerung. Ebenso wird der Globale Fonds aufgerufen, seine Vergaberichtlinien zu überdenken, damit nicht nur der Wohlstand einer Bevölkerung als Ganzes in Betracht gezogen wird. Der Leitartikel bemerkt: "Wohlstand ist zwar ein wichtiges Kriterium, dennoch sollten auch Nichtregierungsorganisationen und Gruppierungen der Zivilbevölkerung (wie GLOBUS), die in Ländern arbeiten, die die Bedürfnisse ihrer schwächsten Bevölkerungen fortwährend vernachlässigen, als förderungswürdig angesehen werden, damit sie jenen Personen grundlegende Leistungen zukommen lassen können, die diese ansonsten nicht erhalten würden." Die Folgerung des Leitartikels lautet daher: "Auf der gegen Ende des Monats in Moskau stattfindenden 3. Eastern Europe and Central Asia AIDS Conference (EECAAC) könnte die russische Regierung Führerschaft beweisen und ankündigen, dass sie die Harm-Reduction-Programme für ihre schwächeren Bevölkerungsgruppen finanziell unterstützen wird. Ein solcher Schritt würde der internationalen Gemeinschaft zeigen, dass Russland ein ernsthafter Partner im Kampf gegen die HIV-Epidemie ist." Ein ebenso aktueller 'Review' diskutiert die Fragestellungen um die Einweisung Drogensüchtiger in Krankenhäuser. Der 'Review' wurde von Professor Paul S. Haber von den Drug Health Services am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney und Kollegen verfasst. Von den 15- bis 64-Jährigen der Weltbevölkerung sind nach Schätzungen 16 Millionen regelmäßig Drogen spritzende Suchtkranke. Die häufigsten injizierten Drogen sind Stimulatien des Amphetamintyps, Opiate und Kokain. Die Autoren meinen, dass, wenn Drogensüchtige stationäre Behandlung benötigen, die wichtigste Herausforderung darin besteht, sie in die Krankenpflege einzubinden. Sie stellen fest: "Ein nicht-verurteilender Ansatz gegenüber diesen Patienten sowie die Akzeptanz der Wahl ihres Lebensstils erleichtert diese Einbindung. Pragmatische klinische Zielsetzungen können verhandelt und auch erreicht werden." Die häufigsten Ursachen bei der Anmeldung in Notaufnahmen sind Infektionen des Weichteilgewebes, Überdosierungen, Vergiftungen und Entzugserscheinungen. Die meisten Einweisungen in Krankenhäuser erfolgen auf Grund bakterieller Infektionen im Zusammenhang mit dem Drogenmissbrauch, wie Zellulitis und Infektionen des Weichteilgewebes. Andere Ursachen für Einweisungen umfassen vergiftungsbedingt anhaltende Traumata und Verletzungen, die aber auch mit drogenkonsumbedingter Gewalt zusammenhängen können. Bei Komplikationen mit Infektionen wie Hepatitis C, HIV/AIDS und sexuell übertragenen Infektionen oder aus Gründen eines komorbiden Alkoholmissbrauchs könnten Suchtkranke spezialisierten Abteilungen zugeordnet werden. Die Behandlung einer Vergiftung ist neben der regelmäßigen Überwachung der kardiorespiratorischen Sicherheit generell unterstützend und symptomatisch. Prioritäre Initiativmaßnahmen bei Überdosierungen mit Opioiden sind der Schutz der Atemwege, Korrektur der Hypoxie (verminderter Sauerstoffgehalt im Blut) und Stabilisierung. Kurzfristige Interventionen wie Entgiftungen sind als Maßnahmen bei Entzugserscheinungen zur Behandlung einer Opioidabhängigkeit nicht geeignet. Im Gegensatz hierzu ist die Wirksamkeit einer Opiatersatztherapie (Methadon) eindeutig. Diese Strategien werden im Zusammenhang mit Harm-Reduction-Programmen in den Gemeinden im 'Review' ausführlich diskutiert. Die Autoren diskutieren außerdem Schmerztherapien bei Drogenabhängigen in den Krankenhäusern, wie auch die Wichtigkeit, solches Hilfeersuchen nicht einfach als Versuch abzuwerten, weitere Drogen erhalten zu können. Die Autoren folgern: "Drogenmissbrauch ist allgemein verbreitet, und es ist wahrscheinlich, dass die meisten praktischen Ärzte gelegentlich Patienten betreuen mussten, die illegale Drogen gespritzt und damit verbundene Komplikationen erlitten hatten. Die Maßnahmen erfordern aus psychosozialen und medizinischen Gründen einen nicht-verurteilenden und problemlösenden Ansatz mit einer Arzneimitteltherapie, soweit angemessen. Obwohl diese Erkrankungen eine Herausforderung darstellen können, sind die Maßnahmen häufig relativ einfach und lohnend." Quelle: Editorial. The future of harm reduction programmes in Russia. Lancet 2009; 374: 1213 http://www.thelancet.com |
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