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THE LANCET   16.10.09
 
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Paracetamol kann Impferfolg beeinträchtigen

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Nach einer Impfung auftretendes Fieber ist ein normaler Vorgang innerhalb des entzündlichen Prozesses im Körper. Manchmal wird nach routinemäßigen Impfungen bei Kindern vorbeugend Paracetamol verabreicht, um die Sorgen der Eltern bezüglich hohen Fiebers oder Fieberkrämpfen zu zerstreuen. Paracetamol, prophylaktisch gegeben, verringert zwar Fieberschübe nach Impfungen, verringert jedoch auch die immunisierenden Reaktionen der Kinder auf die Antigene der Impfstoffe. Die vorbeugende Gabe von Paracetamol kann vor diesem Hintergrund daher nicht mehr empfohlen werden. Dies sind die Folgerungen eines aktuellen Artikels, verfasst von Professor Roman Prymula von der University of Defence in Hradec Kralove (Königsgrätz) sowie Kollegen.

Die Autoren unternahmen zwei randomisierte kontrollierte Versuchsreihen innerhalb der Studie, eine zum Zeitpunkt erster Impfungen im Kindesalter, die andere zum Zeitpunkt der Auffrischungsimpfungen. Die Impfungen entsprachen den routinemäßigen Immunisierungen, wie sie in den Industrienationen angeboten werden. Sie bieten Schutz vor Pneumokokkenerkrankungen, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Hepatitis B, Kinderlähmung und Rotaviren. Kinder aus zehn Zentren der Tschechischen Republik erhielten per Zufallsverfahren entweder alle 6 bis 8 Stunden innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Impfung drei vorbeugende Paracetamol-Gaben (226 Kinder) oder kein Paracetamol (233). Primäres Ziel der Studie war die Verringerung der Fieberereignisse von 38° Celsius oder höher, sekundäres Ziel war die Analyse der immunogenen Wirksamkeit der verabreichten Impfungen.

Die Forscher stellten im Vergleich fest, dass nach den Erstimpfungen ein kleinerer Anteil von Kindern der Paracetamol-Gruppe Fiebertemperaturen von 38° Celsius oder höher hatte als jener der Kontrollgruppe (42 Prozent gegenüber 66 Prozent). Ähnliche Ergebnisse wurden nach den Auffrischungsimpfungen beobachtet (36 Prozent in der Paracetamol-Gruppe verglichen mit 58 Prozent in der Kontrollgruppe). Die geometrischen Mittelwerte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) lagen in der Paracetamol-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Dies galt für die Antikörper gegen die im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Serotypen, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie und Tetanus-Toxoide, wie auch für einen der Keuchhusten-Antikörper. Auch nach den Auffrischungsimpfungen fanden sich die niedrigeren Antikörper-GMCs bezüglich der Tetanus-Toxoide und der meisten Pneumokokken-Serotypen in der Paracetamol-Gruppe.

Die Autoren bemerken hierzu: "Nach unserem Wissen wurde bislang ein derartiger Effekt von nach den Impfungen vorbeugend gegebenem Paracetamol auf die immunisierenden Reaktionen nicht dokumentiert. Der störende Einfluss des Paracetamols auf die Antikörper-Reaktionen könnte somit das Ergebnis der Vermeidung einer Entzündung sein."

Die Forscher postulieren, dass vorbeugend verabreichtes Paracetamol Immunreaktionen reduzieren könnte, da es auf die erste Phase der Immunreaktionen nach einer Impfung störend einwirkt. Diese erfordert ein Zusammenspiel verschiedener Zellen des Immunsystems (dendritische Zellen, T-Zellen und B-Zellen). Damit diese Hypothese jedoch stimmt, sollte Paracetamol nur dann störend auf die Immunreaktionen einwirken, wenn es mit der Impfung oder unmittelbar danach verabreicht wird. Die Analyse der Daten bestätigte dies. Die Forscher analysierten außerdem zehn frühere Studien, und ihre Ergebnisse stützen die Annahme, dass Paracetamol maximal störend auf die Immunreaktionen einwirkt, wenn es frühzeitig gegeben wird. Wird das Medikament hingegen therapeutisch verwendet, wenn Fieber und entsprechende entzündliche Signale bereits eingesetzt haben, dann kann der Effekt (wenn überhaupt vorhanden) als kleiner angesehen werden.

Die Autoren folgern: "Die klinische Bedeutung dieser immunologischen Erkenntnisse ist nicht bekannt und muss weiter untersucht werden. Die prophylaktische Gabe von fiebersenkenden Medikamenten zum Zeitpunkt der Impfung sollte dessen ungeachtet ohne sorgfältige Abwägung des zu erwartenden Nutzens und Risikos nicht länger routinemäßig empfohlen werden."

In einem Begleitkommentar stellen Dr. Robert T. Chen von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta und Kollegen fest: "Der hohe Anteil von Geimpften in der heutigen Studie, die seroprotektive Antikörper-Konzentrationen erreichen, lässt vermuten, dass der Effekt von Paracetamol bei jeglichen Individuen eher klein ausfallen könnte. Weitere Untersuchungen auf indivueller Ebene, insbesondere, ob Paracetamol den Anteil der 'non-responder' erhöht oder nicht, sind gerechtfertigt. Eine wichtigere Frage ist jedoch, in welchem Ausmaß Paracetamol den Impfschutz in der allgemeinen Bevölkerung verringern könnte. Dieser Punkt hat Konsequenzen, insbesondere für Haemophilus influenzae und Pneumokokken, da diesen gegenüber höhere und nachhaltigere Antikörperkonzentrationen notwendig sind, um den Status eines Trägers zu unterbrechen und Übertragungen in der Bevölkerung zu verringern, wie auch Konsequenzen gegenüber Keuchhusten, der bakteriellen Infektionskrankheit, die über eine Impfung vermieden werden kann, und die am wenigsten kontrolliert wird."

Quelle: R Prymula and others. Effect of prophylactic paracetamol administration at time of vaccination on febrile reactions and antibody responses in children: two open-label, randomised controlled trials. Lancet 2009; 374: 1339
 
http://www.thelancet.com
 
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