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NaKlar! | 18.12.2009

Sind Blumen im Krankenhaus schädlich?

fragt  ein Leser  aus  Weingarten
In einer britischen Studie äußerten 80 Prozent der befragten Krankenschwestern schwerwiegende Bedenken gegenüber Blumen im Krankenhaus: Sei seien unhygienisch, gefährdeten die Gesundheit der Patienten und machten nur Arbeit. Alles Legende, sagen Wissenschaftler.
Wer britische Freunde oder Verwandte im Krankenhaus mit einem Blumenstrauß überraschen möchte, kann sich unverhofft dem resoluten Kopfschütteln einer Krankenschwester gegenübersehen, denn in einigen Kliniken im Königreich sind Blumen aus Hygiene- und Sicherheitsgründen strikt verboten. Und auch hierzulande sind viele Freunde und Angehörige verunsichert, ob sie mit dem gutgemeinten Strauß die Gesundheit des Patienten nicht noch zusätzlich gefährden. Giskin Day und Naiome Carter vom Imperial College in London geben jedoch Entwarnung. Nach der Auswertung von Daten aus verschiedenen britischen Krankenhäusern und bereits vorhandenen Studien kommen sie zu dem Ergebnis, dass von Blumensträußen keine Gefahr ausgeht.

Die am häufigsten vorgebrachten Sorgen des Klinikpersonals sind, dass sich im Wasser der Schnittblumen Bakterien tummeln und dass umfallende Vasen empfindliche Geräte zerstören oder die Unfallgefahr erhöhen. Außerdem wird geargwöhnt, dass die Pflanzen den ohnehin angeschlagenen Patienten nachts den Sauerstoff rauben könnten. Gerade das letzte Argument führte Ende der 1990er Jahre dazu, dass das Pflegepersonal in vielen Krankenhäusern jeden Abend die Blumensträuße einsammelte, um sie am folgenden Tag wieder auf die Patientenzimmer zu verteilen. Inzwischen haben Studien dieses Risiko jedoch als Mythos entlarvt. Es ist zwar richtig, dass Pflanzen nachts Sauerstoff statt Kohlendioxid aufnehmen, aber diese Mengen sind so gering, dass auch mehrere Sträuße für den Patienten keine ernsthafte Konkurrenz um den Sauerstoff darstellen.

Nachvollziehbarer erscheint das Argument der potenziell todbringenden Bakterien im Blumenwasser. Wer je bei einem mehrere Tage alten Strauß das Wasser gewechselt hat, wird es nicht wundern, dass Wissenschaftler darin eine Vielzahl von Mikroorganismen nachgewiesen haben. Doch bisher ist kein Fall bekannt, in dem Blumenwasser für eine im Krankenhaus erworbene Infektion verantwortlich war. Es bleibt also die Frage nach der Rutschgefahr oder der Zerstörung von technischen Geräten durch herunterfallende Vasen. Auch dieses Risiko relativieren Day und Carter: Getränke oder Speisen auf dem Nachttisch können ebenfalls solche Unfälle verursachen, doch nur die ungeliebten Vasen sind verboten.

Dabei können Blumensträuße in fröhlichen Farben den Krankheitsverlauf und das Wohlbefinden sehr positiv beeinflussen. Patienten mit Blumen auf dem Zimmer brauchen nach einer Operation weniger Schmerzmittel, haben einen entspannteren Herzschlag und klagen seltener über Angst oder Müdigkeit. Obwohl Blumen ein typisches Präsent für Frauen sind, haben sie auch positive Effekte auf die Männerpsyche. Langfristig wirken sich Pflanzen in der Heilungsphase sowohl bei Männern, als auch bei Frauen positiv auf die Stimmung, das Sozialverhalten und das Gedächtnis aus.

In deutschen Krankenhäusern sind die Regeln zur Blumendekoration ohnehin weniger streng. Bis auf die Patienten auf der Intensivstation muss hier niemand auf Blumensträuße verzichten, solange sie nicht zu ausladend sind und nicht zu stark duften. Topfpflanzen dagegen sollten erst verschenkt werden, wenn der Patient das Krankenhaus wieder verlassen hat: Sie sind dort wegen der Erde nicht gerne gesehen.
 
Julia von Sengbusch
 

Quellen:

Day, G., Carter, N.: Wards of the roses. In: British Medical Journal 10.1136/bmj.b5257, 2009.
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