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Quelle: epoc 2/2010
Tod auf dem Dach der Welt
Das rätselhafte Ende eines Bergsteigers
"Weil er da ist!", antwortete George Mallory
einem Reporter auf die Frage, warum
er den Mount Everest bezwingen wolle.
Doch es war weitaus mehr als die pure Existenz
des höchsten Bergs der Erde, was den Engländer
antrieb. Mallory war besessen davon, als ers-
ter Mensch auf dem Dach der Welt zu stehen.
Schon Anfang der 1920er Jahre nahm der
Lehrer aus Cambridge an den beiden ersten britischen
Mount-Everest-Expeditionen teil. Im
Juni 1924 sah er dann seine große Chance gekommen:
Gemeinsam mit seinem Partner Andrew
Irvine trieb es den 37-Jährigen immer höher
auf den 8850 Meter hohen Riesen, bis die
beiden am Nachmittag des 8. Juni schließlich
in den dichten Wolken des Himalajas verschwanden.
Sie kehrten nie zurück. Seitdem
wird spekuliert, ob es Mallory und Irving vor
ihrem Tod noch gelungen sein könnte, den Gipfel
zu erklimmen. Dann wären sie den offiziellen
Erstbesteigern Edmund Hillary und Tensing
Norgay ganze 29 Jahre zuvorgekommen.
Von Kindesbeinen an ist der Geologe Jochen
Hemmleb fasziniert von Mallory und seinem
rätselhaften letzten Aufstieg. Er selbst nahm
1999 an einer Suche nach dem verschollenen
Pionier teil. Und seine Truppe wurde tatsächlich
fündig: Mallorys Leiche konnte geborgen
werden. In ihrem Buch "Die Geister des Mount
Everest" berichteten die Expeditionsteilnehmer
im Jahr darauf über die Fahndung nach dem
Abenteurer, dessen Fund allerdings mehr Fragen
als Antworten bescherte. Nun legt Hemmleb
nach: In "Tatort Mount Everest" bringt er
die Erkenntnisse im Fall Mallory nach intensiven
Recherchen und zahlreichen Interviews
auf einen aktuellen Stand.
Hemmleb hat ein fundiertes und anschaulich
bebildertes Gesamtwerk zum Mythos
Mallory geschaffen, das jedoch keine bahnbrechenden
Neuigkeiten liefert.
Andreas Margara
Der Rezensent ist Historiker in Heidelberg.
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