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Quelle: epoc 2/2010
13.0.0.0.0
Laut Berechnungen der Maya soll die Welt am 21.Dezember 2012 unserer Zeitrechnung untergehen - doch das Datum versetzt Forscher nicht in Endzeitstimmung
Die Maya haben Konjunktur. Grund dafür ist
nicht zuletzt ein Datum: 13.0.0.0.0. Übertragen
vom Mayakalendarium auf die gregorianische
Zeiteinteilung fällt dieser Tag auf den
21. Dezember 2012. Genau dann soll laut Berechnungen
des indigenen Volks aus Mittelamerika
die Welt untergehen.
Was ist dran an solchen Prophezeiungen?
Bernd Ingmar Gutberlet geht dieser Frage in
seinem neuen Buch nach. Dabei will der Historiker
und Journalist das »Rätsel« um den Kalender
entzaubern: "Die Forschung unermüdlicher
Wissenschaftler vieler Disziplinen, die
sich mit den Maya befassen, kann mit genügend
Erkenntnissen aufwarten, um den Mayakalender,
seine Herkunft, seine Funktionsweise
und seine Entwicklung nachzuvollziehen".
Doch zunächst einmal beschreibt Gutberlet
die verschiedenen Formen von Zeitmessung
und -wahrnehmung. Im Vordergrund stehen
die diversen Kalenderreformen, die seit der Antike
durchgeführt wurden. Worauf dieser Exkurs
hinsteuert, liegt auf der Hand: Kalender
sind nichts anderes als von Menschen entworfene
Systeme, um wiederkehrende Vorgänge zu
strukturieren. Insofern sind sie dem Verlauf
der Historie unterworfen und taugen allein
deshalb nicht, den vermeintlichen Untergang
der Welt vorherzusagen.
Dies ist freilich keine neue Einsicht. Doch
der bekannte Sachbuchautor erhebt auch gar
nicht den Anspruch, mit neuen Forschungsergebnissen
aufzuwarten. Was ihm stattdessen
gelingt, ist weitaus spannender: Er bringt dem
Leser den überaus komplexen Kalender der Mayakultur
nahe. Dabei greift er auf eine große
Anzahl einschlägiger Standardwerke, wie beispielsweise
die umfassende Mayastudie des
Bonner Altamerikanisten Berthold Riese, zurück.
Insofern ein informatives Buch, das wissenschaftlich
fundiert aufräumt mit esoterischen
Endzeitvorstellungen.
Oliver Schmidt
Der Rezensent ist Journalist und arbeitet in Osnabrück.
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