Auf ein vorgespanntes Gummiband werden mit einer unter Spannung gesetzten Nadel Ladungen aufgebracht. Die Anziehung von Vorder- und Rückseite sorgt dann dafür, dass sich das Band ausdehnt.
In abgewandelter Form findet diese Technik schon vielfach Verwendung. Technische Anwendungen, die sich diesen Effekt zu Nutze machen, sprühen allerdings die Ladungen nicht auf wie einst Röntgen, sondern verwenden stattdessen biegsame Elektroden, die das Band auf beiden Seiten berühren. Bauers Team demonstrierte nun aber einige Vorteile des vermeintlich primitiveren Ansatzes aus dem Jahr 1880.
Eine bessere Messtechnik, als sie dem Physiker damals zur Verfügung stand, erlaube es heute die Vorgänge in den "Muskeln" besser zu verstehen. Die beidseitige Elektrodenschicht blockiere außerdem den Zugang für Messinstrumente. Vor allem aber beobachteten die Wissenschaftler, dass bei ihrer Methode der so genannte Pull-in-Effekt stark abgeschwächt wird: Er tritt auf, wenn das Band so dünn wird, dass die beiden unterschiedlich geladenen Seiten zusammenschlagen. Beim herkömmlichen Verfahren verbietet sich so das Anlegen zu hoher Spannungen. Die Linzer Forscher könnten nun deutlich schwerere Lasten bewegen.
Und noch ein weiteres Anwendungsfeld eröffnet das elektrodenlose System: Wird der Gummi aus transparentem Material gefertigt, könnte die Form optischer Bauteile wie Linsen durch An- und Abschalten des Stroms kontrolliert werden. Bauer und Kollegen experimentieren bereits mit einer Linse, deren Brennweite sich so einstellen ließe.
Noch verlangt das Verfahren nach extrem hohen elektrischen Spannungen, was einen Einsatz solcher Gummimuskeln verhindert. Nach eigenen Angaben basteln die Forscher aber bereits an Auswegen. (jd)





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