05.03.10
Vaginale Brachytherapie bei Gebärmutterkrebs ebenso wirksam wie externe Bestrahlung
Die vaginale Brachytherapie (VBT) erweist sich bei Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren als ebenso wirksam wie die externe pelvine Bestrahlung (EBRT), wenn bei vergleichbaren Überlebensraten ein lokales Wiederauftreten der Erkrankung verhindert werden soll. Die VBT, bei der die Bestrahlung innerhalb des Körpers durchgeführt wird, zeichnet sich jedoch durch signifikant geringere Giftigkeit und bessere Lebensqualität aus. Wann immer möglich, sollte sie daher die EBRT ersetzen und bei allen Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren nach den Operationen zu einem Standardverfahren werden, folgert ein aktueller Artikel.
Gebärmutterkrebs ist in den Industrieländern die häufigste gynäkologische Krebserkrankung bei Frauen nach der Menopause. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt auf Grund der alternden Bevölkerung zu. Bei etwa 80 Prozent der Patientinnen wird der Tumor im Stadium 1 diagnostiziert, wobei als Erstbehandlung meist die Operation ansteht (Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke). Eine Bestrahlung (VBT oder EBRT) wird den Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren nach der Operation verordnet, da diese die Wahrscheinlichkeit lokaler Rezidive von 20 Prozent auf 5 Prozent senken kann. Allerdings bleibt die beste Option einer adjuvanten Strahlentherapie unklar, und die Methoden variieren erheblich.
Im Jahr 2002 startete die Post Operative Radiation Therapy in Endometrial Carcinoma (PORTEC-2) bezeichnete Studie, die untersuchen sollte, ob VBT ebenso wirksam wie EBRT vaginale Rezidive (häufigster Rezidivort bei Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren) verhindern kann. Das Auftreten möglicher Nebenwirkungen und die sich ergebende Lebensqualität wurden begleitend beobachtet.
427 Patientinnen wurden per Zufallsverfahren einer EBRT (46 Gy in 23 Fraktionen) oder einer VBT (21 Gy Hochdosisraten in drei Fraktionen oder 30 Gy Niedrigdosisraten) zugeordnet. Die Lebensqualität wurde anhand selbst beantworteter Fragebögen bewertet, die im Verlauf von bis zu 5 Jahren nach der Behandlung in regelmäßigen Intervallen vervollständigt wurden. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass Patientinnen, die per EBRT behandelt wurden, in den ersten 2 Jahren nach der Therapie signifikant häufiger gastrointestinale toxische Effekte, insbesondere Durchfallerkrankungen, erlitten. Dies hatte häufigere Einschränkungen der täglichen Aktivitäten und ein reduziertes soziales Funktionsniveau zur Folge.
In der aktuellen Studie berichtet das PORTEC-Team von den wichtigsten Studienergebnissen bezüglich Wirksamkeit, Nebenwirkungen und selbst berichteter Lebensqualität, um damit die beste Option einer adjuvanten Strahlentherapie bei Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren festzulegen.
Die Ergebnisse zeigen, dass nach einem mittleren Nachbeobachtungszeitraum von 45 Monaten in beiden Bestrahlungsgruppen nur sehr wenige vaginale Rezidive (3 in der VBT gegenüber 4 in der EBRT) auftraten, wodurch sich die VBT in der Absicherung der lokalen Kontrolle der Erkrankung als sehr effektiv erweist. Die geschätzten 5-Jahres-Raten vaginaler Rezidive lagen bei 1,8 Prozent unter VBT und bei 1,6 Prozent unter EBRT.
Nach 5 Jahren wurden zudem keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich lokoregionärer Rezidive (vaginal oder pelvin oder beides) festgestellt, die Gesamtüberlebensrate (84,8 Prozent unter VBT vs. 79,6 Prozent unter EBRT) wie auch das krankheitsfreie Überleben (82,7 Prozent vs. 78,1 Prozent) waren vergleichbar.
Wichtiger ist, dass Patientinnen der EBRT-Gruppe nach Abschluss der Strahlentherapie im Vergleich zur VBT-Gruppe signifikant höhere Raten milder bis moderater unerwünschter gastrointestinaler Ereignisse erlitten (53,8 Prozent gegenüber 12,6 Prozent). Obwohl zwar die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse in der EBRT-Gruppe im Verlauf der Zeit zurückging, so blieb sie der VBT-Gruppe gegenüber doch signifikant höher.
Die Autoren stellen fest: "PORTEC-2 zeigt, dass Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Tumoren, nahezu 30 Prozent aller Patientinnen mit Endometriumkrebs, per vaginaler Brachytherapie allein sicher behandelt werden können. Diese bedeutet weniger Nebenwirkungen und eine verbesserte Lebensqualität. Die EBRT wird daher nur noch bei den 15 Prozent der Patientinnen mit Hochrisiko oder fortgeschrittenen Erkrankungen eingesetzt."
Die Forscher folgern: "Die VBT sollte bei Patientinnen mit High-Intermediate-Risk-Endometriumtumoren die adjuvante Therapie der Wahl sein."
In einem Begleitkommentar stimmen Henry Kitchener vom University of Manchester Academic Health Science Centre in Manchester sowie Melanie Powell vom Barts and London NHS Trust in London mit den Empfehlungen der Autoren der Studie überein und sehen ebenfalls in der VBT die zukünftige Standardtherapie für diese Patientinnen. Sie betonen: "Die VBT ist nicht so häufig verfügbar wie die EBRT, so dass Patientinnen möglicherweise weiter reisen müssen, um behandelt zu werden. Die VBT erfordert allerdings weniger Behandlungseinheiten und zeigt ein besseres Toxizitätsprofil als die EBRT. Sie ist bei gleichen Ergebnisparametern mit besserer Lebensqualität verknüpft."
Quelle: Dr RA Nout and others. Vaginal brachytherapy versus pelvic external beam radiotherapy for patients with endometrial cancer of high-intermediate risk (PORTEC-2): an open-label, non-inferiority, randomised trial. Lancet 2010; 375: 816
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