12.03.10
Unterstützung durch Frauen-Selbsthilfegruppen mindert Risiken bei und nach Geburten
Gemeindliche Selbsthilfegruppen können mit unterstützenden Maßnahmen die Neugeborenensterblichkeit verringern und die Häufigkeit von Depressionen bei Müttern senken. Voraussetzung ist, dass die Bevölkerung ausreichend breit erfasst wird und die Programme angemessen gestaltet sind, folgern zwei online vorab veröffentlichte Artikel.
Frauen-Selbsthilfegruppen in Nepal haben Studien zufolge viel versprechende Ergebnisse erzielt, da sie die Neugeborenensterblichkeit um etwa ein Drittel verringern konnten. Zwei Forschungsgruppen starteten Cluster-randomisierte kontrollierte Studien, um diesen Ansatz weiter zu untersuchen. Die Leitung dieser Studien übernahm Anthony Costello vom University College London Centre for International Health and Development am Institute of Child Health in London.
Der erste Artikel beschreibt die unter der Leitung von Prasanta Tripathy und Kollegen von der Organisation Ekjut in Chakradharpur vorgenommene Cluster-Einteilung einer Bevölkerung von 228 186 Personen in Jharkand und Orissa im Osten Indiens. Ein Teil dieser Cluster beteiligte sich an jenen Frauen-Selbsthilfegruppen, die sich auf die Verringerung von gesundheitlichen Problemen von Müttern und ihren Neugeborenen konzentrierten, der andere Teil der Cluster diente als nichtbeteiligte Kontrollgruppe. Im Verlauf von 3 Jahren wurden 19 030 Geburten beobachtet, wobei die Neugeborenensterblichkeit insgesamt um 32 Prozent niedriger lag. In den Jahren 2 und 3 ging die Neugeborenensterblichkeit in den Gebieten mit aktiven Frauengruppen sogar um 45 Prozent gegenüber jenen zurück, die ohne diese Unterstützung auskommen mussten. Moderate Depressionen der Mütter haben sich bis zum dritten Jahr um 57 Prozent verringert.
Die Autoren stellen fest: "Frauen-Selbsthilfegruppen, die von geschulten Moderatoren geleitet wurden, konnten mit geringem finanziellen Aufwand im Osten Indiens die Neugeborenensterblichkeit und moderate Depressionen der Mütter in weit gehend ursprünglichen, ländlichen Bevölkerungen verringern. Wahrscheinlichste Ursachen des Rückgangs der Sterblichkeit waren die verbesserte Hygiene und Fürsorgemaßnahmen."
Die Folgerung der Autoren lautet: "Selbsthilfe-Gruppen haben den Vorteil, dass sie den Ärmsten helfen, kostengünstig angepasst werden können und potenziell weitreichende und langfristige Effekte hervorrufen. Indem ein kritisches Bewusstsein geschaffen wird, haben die Selbsthilfegruppen das Potenzial, in den Gemeinden eine verbesserte Leistungsbereitschaft zu erzeugen, sich um die Gesundheits- und Entwicklungsprobleme zu kümmern, die aus Armut und sozialer Ungleichheit entstehen."
Professor Kishwar Azad vom Perinatal Care Project der Diabetic Association of Bangladesh in Dhaka sowie Kollegen berichten im zweiten Artikel über die im Verlauf von 3 Jahren beobachtete Sterblichkeit bei 36 113 Geburten in einer Bevölkerung von 503 163 Personen. Wie auch in der ersten Studie von Tripathy et al. wurde die Bevölkerung in Cluster eingeteilt, wovon einige Unterstützung durch Frauengruppen erhalten sollten. Die Autoren stellten fest, dass die gemeindliche Hilfe keinen Einfluss auf die Neugeborenensterblichkeit hatte.
Die Forscher bemerken: "Damit Frauen-Selbsthilfegruppen einen signifikanten Effekt auf die Neugeborenensterblichkeit im ländlichen Bangladesch erzielen können, ist womöglich eine gründlichere Beachtung der Programmgestaltung und der kontextbezogenen Faktoren, eine bessere Erfassung der Bevölkerung sowie eine verstärkte Einbeziehung neu schwangerer Frauen notwendig."
Die Autoren fügen hinzu: "Frauen-Selbsthilfegruppen, deren Größe einem angemessenen Erfassungsbereich angepasst ist, haben das Potenzial, auch die ärmsten Menschen zu erreichen und wesentlichen gesundheitlichen und nicht-gesundheitlichen Nutzen herbeizuführen. Gleichwohl erfordert dieser Ansatz, Frauengruppen zu bilden, angemessene personelle Unterstützung, um die Gemeinden zu mobilisieren und eine ausreichende Erfassung zu gewährleisten."
Quelle: Prasanta Tripathy and others. Effect of a participatory intervention with women's groups on birth outcomes and maternal depression in Jharkhand and Orissa, India: a cluster-randomised controlled trial. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(09)62042-0
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