THE LANCET 30.07.10
 

Hausgeburten: mit Bedacht!
Der aktuelle Leitartikel diskutiert die mit Hausgeburten verbundenen Risiken und stellt fest, dass Frauen zwar das Recht der Wahl haben, wo und wie die Geburt ablaufen soll, dass sie jedoch nicht das Recht haben, ihr Baby Risiken auszusetzen.

Der zunehmende Wunsch, die Geburt außerhalb einer Klinik ablaufen zu lassen, führte zu einer gesteigerten Zahl an Hausgeburten. In den Niederlanden gebären mittlerweile ein Drittel der Frauen zu Hause. In Großbritannien ereignen sich 3 Prozent aller Geburten zu Hause, während der Anteil der Hausgeburten in den USA jährlich etwa 1 Prozent oder 25 000 Geburten umfasst.

Hausgeburten bei Müttern mit niedrigem Risiko erscheinen sicher und sind im Vergleich zu Klinikgeburten mit kürzeren Erholungszeiten sowie selteneren Risswunden, nachgeburtlichen Blutungen, verzögerten Plazentaabgängen und Infektionen verknüpft. Dennoch gibt es widersprüchliche Hinweise auf die Folgen bei zu Hause geborenen Säuglingen.

Der Leitartikel stellt fest, dass die jüngst im American Journal of Obstetrics & Gynecology veröffentlichten Metaanalysen "die bislang stärksten Hinweise liefern, dass Hausgeburten für Neugeborene letztendlich dennoch gefährlich sein können." Die Daten zeigen, dass geplante Hausgeburten mit gesunden und unter niedrigem Risiko stehenden Müttern im Vergleich zu geplanten Klinikgeburten mit der gleichen Frauengruppe das Risiko eines Todesfalls unter den Neugeborenen verdoppelte (0,2 Prozent gegenüber 0,09 Prozent). Wenn nun Neugeborene mit angeborenen Störungen ausgeschlossen wurden, verdreifachte sich das Risiko der Neugeborenensterblichkeit. Die wichtigsten mit dieser Steigerung der Sterblichkeit verknüpfbaren Faktoren waren das Auftreten von Atemschwierigkeiten und erfolglose Versuche einer Wiederbelebung. Diese beiden Faktoren sind mit einer unzureichenden Ausbildung der Hebammen und dem fehlenden Zugang zu klinischer Ausrüstung verbunden.

Die Folgerung des Leitartikels lautet daher: "Hausgeburten sind eine Wahlmöglichkeit für Mütter mit unkompliziert verlaufenden Schwangerschaften, vorausgesetzt, sie sind über die begleitenden Risiken informiert, erhalten die persönliche Fürsorge einer Hebamme (dies beinhaltet gute Kenntnisse von Wiederbelebungsmaßnahmen und die amtliche Zulassung durch eine örtlichen Ordnungsbehörde) und leben an einem Ort, der einen schnellen Zugang zur klinischen Geburtshilfe ermöglicht. Die laufende mehrjährige Kohortenstudie 'Birthplace in England Research Programme' versucht, die Geburtsfolgen in verschiedenen Einrichtungen zu vergleichen, wobei später in diesem Jahr von den Ergebnissen zusätzliche wertvolle Daten erwartet werden."

Quelle: Editorial. Home birth—proceed with caution. Lancet 2010; 376: 303

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