Wichtige Kartierungen in der Arktis
"Die englischen Suchexpeditionen leisteten Entscheidendes für die Kartografierung des Archipels", so Ryan Harris, Unterwasser-Archäologe in Diensten von "Parks Canada", einer der an der aktuellen Suche beteiligten Behörden. Harris und seine Kollegen konnten schon wenige Tage nach dem Start ihrer Expedition einen wichtigen Erfolg feiern: Jüngst meldeten sie die Entdeckung der "Investigator" – eines der Schiffe, die zur Suche nach Franklin aufgebrochen waren und das selbst vom Packeis eingeschlossen wurde. Während sich die Crew auf ein anderes Schiff retten konnte, blieb die "Investigator" verschollen – bis ihr die Forscher mit moderner Sonartechnik auf die Spur kamen.
Gräber der John-Franklin-Expedition aus dem Jahr 1845 auf der Beechey-Insel – Blick über die Erebus and Terror Bay auf Devon Island.
Für die modernen Forscher sind die Erzählungen der Ureinwohner heute eine wichtige Quelle bei der Suche nach den Schiffen der Franklin-Expedition. Denn den Inuit jener Tage könnten die Schiffe eine gute Möglichkeit zur Versorgung mit Holz und Metall geboten haben, nachdem diese, im Eis eingeschlossen, von ihrer Besatzung aufgegeben worden waren. Und so begleitet mit Louis Kammokak ein Mann die Expedition, der sich mit den mündlichen Überlieferungen der Inuit bestens auskennt. Der Heimatforscher, dessen Ur-Urgroßvater einst selbst zu jenen Inuit gehörte, die Ausrüstungsgegenstände der Franklin-Expedition fanden, soll der Expedition Hinweise darauf geben, wo eine Suche mit dem Sonar die größten Erfolgschancen haben könnte.
Verzweifelter Überlebenskampf
Die Männer, die 1858 zu einer letzten Suche nach der Franklin-Expedition aufbrachen, konnten von solch moderner Technik nur träumen. Auf eigene Kosten hatte Lady Franklin noch eine Suchexpedition ausgerüstet, nachdem ihr Mann und seine Gefährten schon Jahre zuvor offiziell für tot erklärt worden waren. Die Crew um Kapitän Francis McClintock erkundete die Gegend um die trostlose King-William-Insel – ein Gebiet, das bei den Suchexpeditionen zuvor vernachlässigt worden war. Und hier, verborgen unter einem Steinhaufen, fanden sie tatsächlich zwei Nachrichten der Verschollenen – bis heute die einzigen schriftlichen Zeugnisse von Franklins verlorener Expedition.
Einzelne Planken der "Investigator" mögen aus den Fugen geraten sein, doch sonst blieb das Schiff intakt.
Die zweite Nachricht, geschrieben an den Rand des Blattes, lässt die dramatische Lage der Männer im Eis erahnen. Datiert auf den 25. April 1848, berichtet Kapitän Francis Crozier, nach Franklin der ranghöchste Offizier der Expedition: "Terror und Erebus am 22. April 1848 fünf Meilen Nordnordwest von hier aufgegeben, im Eis gefangen seit dem 12. September 1846. Offiziere und Mannschaften, insgesamt 105 Seelen, gingen hier an Land. John Franklin starb am 11. Juni 1847, der Gesamtverlust der Expedition beträgt 9 Offiziere und 15 Mannschaften." Morgen, so schließt das Dokument, wolle man zum Great Fish River aufbrechen.
Offenbar plante die Crew den verzweifelten Versuch, über den Fluss mit seinen gefährlichen Stromschnellen menschliche Siedlungen zu erreichen. Angesichts der zu diesem Zeitpunkt wohl schon katastrophalen Versorgungslage ein aussichtsloses Unterfangen. Hunger, Skorbut und wohl auch die schleichende Vergiftung durch bleiverseuchte Konservennahrung hatten die Mannschaft zu sehr geschwächt, um auch nur den Fußmarsch zur Flussmündung zu überstehen.
An anderer Stelle auf der Insel fanden McClintock und seine Männer Skelettteile, Kleidung und Ausrüstungsgegenstände, die keinen Zweifel über das Schicksal der letzten Überlebenden der Franklin-Expedition lassen. "Sie fielen einfach um und starben, während sie gingen", notierte McClintock in sein Tagebuch.
Unterwasserarchäologie und Geopolitik
Den Wissenschaftlern um Ryan Harris stellt sich nun die Aufgabe, den Ort der Katastrophe genau zu lokalisieren. Den Aufzeichnungen zufolge müssten die Schiffe seinerzeit an der Nordwestküste der King-William-Insel aufgegeben worden sein. Ob sie bereits dort vom Eis zerdrückt untergingen oder zuvor an eine andere Stelle drifteten, ist unklar.
John Franklin befehligte die beiden Schiffe mit den schönen Namen HMS Terror und HMS Erebus auf seiner letzten Exkursion in die Arktis. Beide Schiffe wurden vom Meereis eingeschlossen und gelten seit 1848 als verschollen.
Immerhin, die Rechte an der Hinterlassenschaft der Franklin-Expedition sind unumstritten. Zwar gehören die Schiffe nach wie vor der britischen Marine, doch hat Großbritannien schon vor Jahren die Nutzungsrechte an Kanada abgetreten. Sollten "Erebus" und "Terror" jemals geborgen werden, landen sie also in einem kanadischen Museum.








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