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07. Februar 2012

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Johannes Brägelmann am 07.02.2012 zu:
Vernunft und Glaube     zum Artikel »
 

Fehlende Interpretation führt zu scheinbaren Widersprüchen

 
Ich muss zugeben den Artikel nicht bis zum bitteren Ende gelesen zu haben.

Dennoch erscheint es ihn meinen Augen von Nöten ein paar Anmerkungen zu den am Anfang des Textes aufgelisteten Widersprüchen im Glauben zu machen.

Der erste Punkt ihrer "Liste" spricht über den Kreationismus. Durch aus ein Thema das scheinbar wahnwitzig allen wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Welt entgegensteht.
Die historisch-kritische Methode ist bereits Schülern des Religionsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe bekannt und wenn man sie auf die Textstellen anwendet, die der Kreationismus einschließt, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass Urknalltheorie und ein Schaffen der Welt durch Gottes Hand nicht gegeneinander stehen.
Wie allgemein bekannt sind alle Texte in der Bibel von hohen Alter. Die Texte darüber, dass Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat, machen da keine Ausnahme. Folglich entstammen sie einer Zeit in der der Mensch mit einer völlig anderen Weltanschauung gelebt hat. Die Erzählungen und Texte dienten damals dazu die beobachteten Phänomene in der Natur zu beschreiben aber sie wahren auch Grundlage um den Sabbat zu begründen.
Auch wenn in heutiger Zeit das Monopol über die Beschreibung der Natur an die Wissenschaft gefallen ist so haben die Texte weiterhin Bedeutung. Der Gedanke, dass Gott in allen Arten von Handlungen, Gegenständen und auch Lebewesen wirkt, ist ein wichtiger Teil des christlichen Glaubens und Folge der Idee, dass Gott die Welt geschaffen hat.
Ob er die Welt nun durch sechstägige göttliche Intervention oder in dem er den Urknall zündete geschaffen hat, sei einmal dahingestellt.

Der nächste Punkt betrifft das Auferstehen und Auffahren in den Himmel.
Ich möchte nicht bestreiten, dass Bakterien und alle Arten von Mikroorganismen beinahe unmittelbar nach dem Tod daran arbeiten den menschlichen Körper abzubauen.
Jedoch muss man hier ein wichtige Unterscheidung treffen: Seele und Körper sind nicht das selbe und im "Sonderfall Jesus" muss der göttliche Teil seiner Person mit in die Überlegung eingebracht werden.
Nach dem Tod stirbt der weltliche Teil eines Menschen. Sein Körper wird zersetzt, gefressen, aufgelöst (suchen sich etwas aus es gibt noch mehr Möglichkeiten), doch seine Seele fährt auf in das Reich Gottes.
Ich will noch ein wenig weiter auf Jesu eingehen, den er ist der erste Mensch der in das Reich Gottes einzieht und es den Menschen öffnet. Jesus war ein "echter" Mensch, das zeigt sich z.B. in seinem menschlichen Leiden am Kreuz. Gleichzeitig war Jesus Gott selbst, der auf die Erde gekommen war um das Reich Gottes zu Öffnen.
Jesus Auferstehen am dritten Tag ist wichtiger Bestandteil in der Verkündung des gekommenen Reich Gottes, waren seine Jünger doch in tiefe Trauer gefallen bedurfte es eines Zeichens, dass das Himmelsreich nun den Menschen geöffnet ist. Danach zogen die Jünger los in alle Welt und verkündeten die frohe Botschaft (das "Evangelium"), dass Jesus den Tod stellvertretend für alle Menschen besiegt hatte.

Ich möchte noch auf zwei weitere Widersprüche in ihrer Liste eingehen, zuerst mit dem Problem um die Aussagen eines menschlichen Papstes.
Vorweg eine kleine Anmerkung: Kein Katholik sollte wahllos und wörtlich übernehmen was der Papst sagt. Man muss sich mit allem Auseinandersetzen und seine eigene Meinung bilden.
Dennoch will ich einen kleinen Vergleich schaffen zwischen dem Papst und der altbekannten Fünf-Prozenthürde im Deutschen Bundestag. Beide haben den selben Sinn und Zweck.
Nämlich für Ordnung zu sorgen. Genauso wie der kleine Paragraf bei den Wahlen im Volk sorgt der Papst dafür, dass die Mitglieder der katholischen Kirche nicht in unzählige Splittergruppen zerfällt. Er sichert die Stabilität im großen System der Kirche.

Zu guter Letzt betrachte ich noch den letzten Punkt auf ihrer Liste der Widersprüche.
Die Frage, ob die Dreifaltigkeit Gottes im christlichen Glauben im Widerspruch zum vom Judentum übernommen Monotheismus steht.
Ich mache keinen Hehl daraus, dass es in meinen Augen keine widersprüchlichen Aussagen gibt. Auch hier will ich zu einem Vergleich greifen. Nehmen wir die Kunst, würde kaum jemand verneinen, dass Musik, Lyrik und das Malen Teile davon sind. Jedoch sind sie alle nur Aspekte eines höheren Begriffs.
Genauso verhält es sich mit der Dreifaltigkeit Gottes. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind einzelne Aspekte die sich nicht gegenseitig im Weg stehen sondern nur Teile abbilden. Erst gemeinsam ergeben sie eine Vorstellung von Gott.
Genauso kann man nicht von Kunst im allgemeinen Reden und zum Beispiel die Musik verschweigen.

Ich habe mich hier nur mit einem kleinen Teil ihres Artikels beschäftigt (wie ich bereits gestanden habe, blieb mir das Ende vorbehalten). Doch es zeigt sich, dass die Widersprüche zwischen Glauben und dem Zusammenspiel aus Wissenschaft und Vernunft nur daraus hervorgehen, dass die Texte oder Sachlagen nur oberflächlichlich untersucht wurden und eine tiefere Interpretation versäumt wurde.
 
Johannes Brägelmann
 
szmtag