Zu den Büchern, die die Welt bewegten, gehört Erwin Schrödingers Meisterstück naturwissenschaftlicher Prosa "Was ist Leben?". Die Vorlesungen des Physikers und Nobelpreisträgers sind erstmals 1944 veröffentlicht worden. In der Einführung zur Neuausgabe erklärt der Biologe und Physiker Ernst Peter Fischer, wie Schrödinger damit die Erforschung der physikalischen Struktur genetischer Information begründet hat.
"Es klingt zwar merkwürdig, aber um die Frage Was ist Leben? geht es in Schrödingers Buch genau genommen nicht - jedenfalls nicht in der ganzen Fülle, die mit "Leben" gemeint sein könnte. Es geht "nur" um die weniger komplizierte Frage, wie Vererbung vor sich geht. Wie schafft es das Leben, die Ordnung, die einen Organismus auszeichnet, zu erhalten und von Generation zu Generation so weiterzugeben, daß sie sich immer wieder neu entfalten kann? Schrödinger stellt sich diese Frage als der Physiker, der er ist und der gelernt hat, daß eher das Gegenteil passiert und eine vorhandene Ordnung meist spontan zerfällt ... Als Schrödinger über die Frage nachdachte, wie sich Leben mit Hilfe der Physik verstehen läßt, steckte der uns heute so vertraute Begriff der Information noch in den wissenschaftlichen Kinderschuhen, und von einer breiten Verwendung konnte überhaupt keine Rede sein. Wenn man so will, hat Schrödinger diese Idee in der Wissenschaft ernst genommen und in der Öffentlichkeit verankert. Er hat sie diskursfähig gemacht, wie es manchmal heißt. Und während er dies tut, macht er - fast nebenbei - Vorschläge, die der künftigen Biologie die Richtung weisen. Schrödinger lenkt die Aufmerksamkeit auf die Substanzen in einer Zelle, die man Gene nennt und die heute ungeheuer populär sind. Er entwickelt die Vorstellung, daß ihre Kenntnis das Geheimnis lösen kann, das im Leben steckt. Es sind die Gene, welche die Ordnung des Lebens garantieren und von Generation zu Generation weitergeben, und es sollte zu den spannendsten Fragen der Wissenschaft gehören, herauszufinden, wie ihnen dies trotz der physikalischen Gesetze über die Zunahme der Unordnung gelingt."
Ernst Peter Fischer in Einstein, Hawking, Singh & Co.
Erwin Schrödinger im Original können Sie hier hören.
"Es klingt zwar merkwürdig, aber um die Frage Was ist Leben? geht es in Schrödingers Buch genau genommen nicht - jedenfalls nicht in der ganzen Fülle, die mit "Leben" gemeint sein könnte. Es geht "nur" um die weniger komplizierte Frage, wie Vererbung vor sich geht. Wie schafft es das Leben, die Ordnung, die einen Organismus auszeichnet, zu erhalten und von Generation zu Generation so weiterzugeben, daß sie sich immer wieder neu entfalten kann? Schrödinger stellt sich diese Frage als der Physiker, der er ist und der gelernt hat, daß eher das Gegenteil passiert und eine vorhandene Ordnung meist spontan zerfällt ... Als Schrödinger über die Frage nachdachte, wie sich Leben mit Hilfe der Physik verstehen läßt, steckte der uns heute so vertraute Begriff der Information noch in den wissenschaftlichen Kinderschuhen, und von einer breiten Verwendung konnte überhaupt keine Rede sein. Wenn man so will, hat Schrödinger diese Idee in der Wissenschaft ernst genommen und in der Öffentlichkeit verankert. Er hat sie diskursfähig gemacht, wie es manchmal heißt. Und während er dies tut, macht er - fast nebenbei - Vorschläge, die der künftigen Biologie die Richtung weisen. Schrödinger lenkt die Aufmerksamkeit auf die Substanzen in einer Zelle, die man Gene nennt und die heute ungeheuer populär sind. Er entwickelt die Vorstellung, daß ihre Kenntnis das Geheimnis lösen kann, das im Leben steckt. Es sind die Gene, welche die Ordnung des Lebens garantieren und von Generation zu Generation weitergeben, und es sollte zu den spannendsten Fragen der Wissenschaft gehören, herauszufinden, wie ihnen dies trotz der physikalischen Gesetze über die Zunahme der Unordnung gelingt."
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