Das besondere einer Atomuhr liegt darin, dass einzelne, freie Atome den Takt angeben. Dabei nutzt man aus, dass den allermeisten physikalischen Theorien zufolge die Energieniveaus der Elektronen von Atomen Naturkonstanten sind. Bei dem Wechsel zwischen zwei Energiezuständen wird elektromagnetische Strahlung absorbiert oder emittiert, deren Frequenz proportional zur Energiedifferenz beider Zustände ist.
Die Idee, ein Vielfaches der Periodendauer einer solchen Strahlung als Zeiteinheit festzulegen, wurde erstmals in den 40er Jahren geäußert. Mitte der 50er Jahre funktionierte die erste Caesium-Atomuhr im Labor, ein paar Jahre später konnte man sie auch kaufen. Atomuhren lassen sich mit verschiedenen Elementen realisieren. Das 133Cs-Isotop erwies sich als besonders geeignet, weil es mit vergleichsweise einfachen Mitteln die Realisierung einer stabilen und genauen Uhr erlaubt. Daher wird die Zeiteinheit im Internationalen Einheitensystem SI seit 1967 von diesem Isotop abgeleitet.
Und so funktioniert eine Caesiumatomuhr: Zunächst wird Caesium in einem Ofen verdampft und in einem Vakuumtank zu einem Atomstrahl gebündelt. Die Atome befinden sich dann in einem der beiden tiefstmöglichen Energiezustände, die das Caesium einnehmen kann.
Anschließend werden die Atome magnetisch sortiert, sodass nur eine Sorte in einen so genannten Hohlraumresonator gelangt. Hier herrscht ein magnetisches Mikrowellenfeld, in dem die Atome mit gewisser Wahrscheinlichkeit ihren Zustand wechseln. Die Atome, die ihren Zustand gewechselt haben, werden registriert. Ihre Anzahl hängt von der Frequenz des Mikrowellenfeldes ab. Sie wird so eingestellt, dass möglichst viele Atome registriert werden. Unter dieser Bedingung ist eine Sekunde nach genau 9 192 631 770 Perioden des Mikrowellenfeldes verstrichen.
Exakt heißt es: "Die Sekunde ist das 9 192 631 770-fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids 133Cs entsprechenden Strahlung".
Jährlich werden heute weltweit etwa 200 Caesiumuhren produziert. Die besten realisieren die "absolute" Sekunde mit einer Unsicherheit von wenigen 10-13 Sekunden. Sie werden in den Bereichen Navigation, Geodäsie, Raumfahrt, Telekommunikation und Metrologie eingesetzt.
In einigen Zeitinstituten wie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig entstanden in den letzten Jahrzehnten so genannte primäre Uhren mit überlegenen Eigenschaften. Die gegenwärtig genauesten verwenden Laser gekühlte Atome und erreichen eine Unsicherheit von nur 10-15 Sekunden. Bis eine solche Uhr eine Sekunde falsch läuft, müssen also rund 31 Millionen Jahre vergehen.


Der Autor ist promovierter Physiker und Leiter des Fachlaboratoriums Zeiteinheit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

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