Der Grund, warum unser - stets mehr oder weniger rotes Blut - blau erscheint, muss also irgendwo zwischen den Adern und dem Auge liegen. Die Umgebungsluft scheidet als Blaufärber aus. Zwar ist auch der Himmel blau, weil die Luft-Moleküle die kurzwelligen blauen Anteile des Sonnenlichtes am leichtesten und daher am stärksten in unsere Augen streuen. Auf dem Weg zwischen Ader und Auge kommt dieser Blau-Färbe-Effekt mangels ausreichender Luftmenge jedoch nicht zum Tragen.
Was bleibt, sind die Haut und die darunter liegenden Schichten.
Und tatsächlich zeigt sich bei näherer Betrachtung: Venen, die weniger als einen halben Millimeter unter der Haut liegen, erscheinen durchaus rötlich. Deshalb werden wir auch rot, wenn wir verlegen sind - und nicht blau.
Das Tageslicht reicht aber tiefer als einen halben Millimeter in die Haut. Trifft es auf die zwischen einem halben und zwei Millimetern unter der Haut liegenden Adern, so wird das kurzwellige blaue Licht reflektiert, während der langwellige, rote Anteil absorbiert wird.
Anders gesagt: Das rote Licht dringt tiefer in die Haut und wird vom Blut absorbiert. Übrig bleiben vor allem die blauen Anteile des Spektrums, die reflektiert werden, und die wir sehen. Deshalb erscheinen Adern (nur) in dieser Gewebetiefe blau. Leuchtet man hingegen mit einer starken Taschenlampe durch die Hand, so zeigt sich wieder die wahre Farbe des Blutes: Es ist und bleibt rot.


Der Autor hat in Köln Biologie studiert und promovierte schließlich über forensische Spuren bei Menschen. Als Kriminalbiologe ist er heute mit seiner International Forensic Research & Consulting weltweit als Gutachter bei der Aufklärung ungeklärter Todesfälle tätig. Von ihm sind mehrere Bücher zum Thema erschienen.

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