szmtag
Spektrum der Wissenschaft spektrumdirekt Sterne und Weltraum Gehirn&Geist epoc SciLogs WiS! wissenschaft-online
 
NaKlar! | 18.10.2002

Wieso schimmern die Adern blau durch die Haut, obwohl Blut doch rot ist?

fragt  Karsten  aus  Frankfurt an der Oder
Blut ist rot, oft sogar tiefrot. Doch schaut man auf die Adern einer Person, so schimmert das Blut meist bläulich durch die Haut. Die Ursache dieses Phänomens erklärt uns der Kriminalbiologe Mark Benecke von der International Forensic Research & Consulting in Köln.
Wer auf die Oberseite seiner Hände schaut, wundert sich vielleicht, dass die Adern blau durch die Haut schimmern - obwohl das darin fließende Blut doch rot ist. Diese Farbveränderung liegt weder daran, dass die Wände der Adern blau sind - sie sind es nicht -, noch am Einfluss blaublütigen Adels (dieser Begriff stammt übrigens aus Spanien: sangre azul, span.: blaues Blut. Denn die einst angeblich besseren Leute waren meist hellhäutig, sodass deren - ganz normal rotes - Blut deutlich blauer durch die Haut schien als bei dunkelhäutigeren, weniger adeligen Menschen).

Der Grund, warum unser - stets mehr oder weniger rotes Blut - blau erscheint, muss also irgendwo zwischen den Adern und dem Auge liegen. Die Umgebungsluft scheidet als Blaufärber aus. Zwar ist auch der Himmel blau, weil die Luft-Moleküle die kurzwelligen blauen Anteile des Sonnenlichtes am leichtesten und daher am stärksten in unsere Augen streuen. Auf dem Weg zwischen Ader und Auge kommt dieser Blau-Färbe-Effekt mangels ausreichender Luftmenge jedoch nicht zum Tragen.

Was bleibt, sind die Haut und die darunter liegenden Schichten.

Und tatsächlich zeigt sich bei näherer Betrachtung: Venen, die weniger als einen halben Millimeter unter der Haut liegen, erscheinen durchaus rötlich. Deshalb werden wir auch rot, wenn wir verlegen sind - und nicht blau.

Das Tageslicht reicht aber tiefer als einen halben Millimeter in die Haut. Trifft es auf die zwischen einem halben und zwei Millimetern unter der Haut liegenden Adern, so wird das kurzwellige blaue Licht reflektiert, während der langwellige, rote Anteil absorbiert wird.

Anders gesagt: Das rote Licht dringt tiefer in die Haut und wird vom Blut absorbiert. Übrig bleiben vor allem die blauen Anteile des Spektrums, die reflektiert werden, und die wir sehen. Deshalb erscheinen Adern (nur) in dieser Gewebetiefe blau. Leuchtet man hingegen mit einer starken Taschenlampe durch die Hand, so zeigt sich wieder die wahre Farbe des Blutes: Es ist und bleibt rot.
 
Mark Benecke,
Der Autor hat in Köln Biologie studiert und promovierte schließlich über forensische Spuren bei Menschen. Als Kriminalbiologe ist er heute mit seiner International Forensic Research & Consulting weltweit als Gutachter bei der Aufklärung ungeklärter Todesfälle tätig. Von ihm sind mehrere Bücher zum Thema erschienen.
 
Anzeige
 

Ihre Frage

Schreiben Sie uns; wir werden die besten Fragen auswählen und beantworten.
Bitte beachten Sie, dass wir nicht bei den Hausaufgaben helfen oder mit allgemeinen Informationen dienen können!
Anzeige
 
Anzeige
 
Lesershop
Begleiten Sie in diesem interaktiven Lernspiel den kleinen Außerirdischen Sparky in einem Raumschiff quer durch unser Sonnensystem. »
Grippe/Vogelgrippe • Sars • Aids • Pocken • Mythos Pest • Rinderwahnsinn • … »
 
Abonnement
Testen Sie drei aktuelle Ausgaben von Gehirn&Geist zum Vorzugspreis von EUR 15,30. »
 
Science-Shop
Manfred Spitzer
"Wir können es uns nicht leisten, nicht nachzudenken. Die Zeit ist reif für eine Aufklärung 2.0" »
Testen Sie 2 Ausgaben Spotlight für nur EUR 8,20 »
 

Science Jobs der Woche

 

Spektrum finden Sie auch hier



 

DenkMal

Was ist ein Olf?
Schwanzlurch
Mittelalterliches Signalhorn
Maßeinheit
Ungesättigter Kohlenwasserstoff

Alltagsfragen

Weitere Fragen und Antworten zu populären Themen gibt es auch bei gutefrage.net »
 
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
Impressum - AGB