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Dossier | 01.11.2002

Spieltheorie und menschliches Verhalten

Dokumentation des Sommerkurses der Deutschen SchülerAkademie
Wonach strebt der Mensch in seinen Geschäften? Wirklich nur nach seinem Vorteil, wie die klassische Wirtschaftstheorie unterstellt? Im Rahmen der Deutschen SchülerAkademie ist im Sommer 2002 eine Gruppe hochbegabter Schüler dieser Frage auf klassisch-wissenschaftlichem Wege nachgegangen: durch das Experiment. Versuchspersonen waren sie selbst, und es gab etliche Überraschungen! Die Experimente eignen sich zur Nachahmung in Leistungskursen oder ähnlichen Gruppen.
Habgier ist normal; Neid ist völlig verfehlt, und irgendwelche sozialen Überlegungen sind sowieso belanglos. Das ist der Standpunkt des rational handelnden Wirtschaftssubjekts: Hauptsache, ich werde selber fett, und es stört mich nicht, wenn mein Nachbar noch fetter wird - oder verhungert.

So weit die Theorie. Uns ist es im Kurs schwer gefallen, uns selbst in diesem fiktiven Akteur wieder zu finden. Entsprechend haben wir in den Experimenten, in denen wir ausdrücklich aufgefordert waren, nur unseren Vorteil zu suchen und sonst gar nichts, dieser Aufforderung häufig zuwidergehandelt. Wir befinden uns dabei in guter Gesellschaft: In den professionell durchgeführten Experimenten, in denen es um echtes Geld geht, fanden die Versuchspersonen ebenfalls andere Dinge wichtiger als den eigenen Vorteil.

Wozu ist die Theorie dann gut, wenn sie das Verhalten der Menschen nicht erklärt? Sie erklärt einen Teil ihres Verhaltens, nämlich den, der von dem Bestreben nach Nutzenmaximierung motiviert ist. Damit dient sie auch dazu, die verschiedenen Motive, die unser Handeln bestimmen, säuberlich auseinander zu halten.

Nach einem beliebten Ökonomen-Spruch ist experimentelle Wirtschaftswissenschaft so ähnlich wie eine Einladung zum Abendessen bei den Kannibalen: Manchmal sitzt du am Tisch und manchmal im Kochtopf (sometimes you are the diner and sometimes the dinner). Dementsprechend waren die Kursteilnehmer sämtlich sowohl (einmal) Versuchsleiter als auch (alle anderen Male) Versuchspersonen. Die Analyse der verschiedenen Motive für unser Handeln geriet meistens ziemlich lebhaft.

Rosemarie Nagel und Christoph Pöppe Deutsche SchülerAkademie

Der Apfelmarkt

double oral auction
01.11.02 | Die einen wollen Äpfel kaufen, die anderen wollen sie loswerden. Und natürlich hat jeder so seine eigene Vorstellung von einem guten Preis. Anbieter und potenzielle Käufer nennen wild durcheinander ihre Zahlen, bis sich zwei Handelspartner zu einem Geschäft zusammenfinden - aber zu welchem Preis?
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Lotterie

01.11.02 | Ob Lose oder Lottokugeln - es gilt abzuwägen, inwieweit sich der Einsatz bei einer Lotterie lohnt. Interessanterweise verhalten sich Menschen hierbei oft irrational und setzen auf das falsche System.
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Das Gefangenendilemma

01.11.02 | Mitgefangen, mitgehangen? Nicht unbedingt, wenn ein Gangster seinen Kollegen verpfeift, kommt er mit blauem Auge davon. Doch auch wenn beide schweigen, fällt die zu erwartende Strafe mangels Beweisen gering aus. Was tun also?
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Das Spiel um das öffentliche Gut

public goods game
01.11.02 | Wie leicht ist es doch, sich auf dem Rücken der anderen auszuruhen und trotzdem sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Doch was passiert, wenn alle so denken?
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Zahlenwahlspiel

01.11.02 | Jeder versucht, seine Mitbewerber am Markt zu durchschauen und deren Züge vorauszusehen. Dementsprechend handeln die Konkurrenten. Da jedoch alle so denken, beißt sich die Katze selbst in den Schwanz.
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Das Koordinationsspiel

01.11.02 | Häufig ist Teamwork gefragt, um mit einer Gruppe ein gutes Ergebnis zu erwirtschaften. Doch was ist, wenn die Angst übervorteilt zu werden, einzelne Artgenossen dazu treibt, auf Nummer sicher zu gehen?
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Stein-Schere-Papier

matching pennies
01.11.02 | Eine sichere Gewinnstrategie bietet weder das Spiel "Stein-Schere-Papier" noch "Kopf-oder-Zahl". Doch was geschieht, wenn man die Punktevergabe etwas modifiziert?
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Auktionen

01.11.02 | Eine Versteigerung, bei der alle ihr Gebot gleichzeitig und verdeckt abgeben, sorgt für ordentlich Spannung. Aber richtig interessant wird es, wenn auch derjenige mit dem zweithöchsten Gebot zahlen muss.
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Das Ultimatumspiel

01.11.02 | Hundert Euro zu erhalten, ist sicherlich nicht schlecht - aber was ist, wenn ein anderer gleich neunmal so viel einstreicht? Würden Sie Ihr Veto einlegen?
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