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Leserbrief | 18.05.2004
zu: Abwanderung deutscher Forscher nicht so stark wie angenommen

Kaum zu glauben

Wer die triste Stellensituation in deutschen Forschungseinrichtungen aus eigener Erfahrung kennt, der mag dieser Studie keinen Glauben schenken. Man denke hierbei nur an die Bulmahnsche Novelle des HRG, die einen Nachwuchswissenschaftler nach Ablauf von 12 Jahren nach
seinem Diplom gnadenlos aus dem akademischen System entfernt, sollte er bis dahin keine feste Stelle gefunden haben. Die neu eingerichteten Junior-Professsuren bilden hier fuer viele keinen Ausweg, dafuer wurde mit einer zusaetzlichen Altersgrenze gesorgt.
Darueberhinaus sorgte die Politik auch noch dafuer, dass es so gut wie keine festen Stellen fuer Nachwuchswissenschaftler gibt.

Es gibt wohl kaum einen Nachwuchswissenschaftler, der mit dieser an sich perspektivlosen Situation zufrieden sein kann. Man muss feststellen, dass es wohl auch kein entwickeltes Land in der westlichen Welt gibt, das seine Nachwuchswissenschaftler und somit sein geistiges Potential so gnadenlos aus dem Land treibt wie Deutschland. Als Betroffener kann ich hiervon ein Lied davon singen.

Daher muss man wohl davon ausgehen, dass es sich bei dieser "Studie" um die uebliche Schoenfaerberei wie sie heute bei Politikern in Deutschalnd gang und gebe ist, handelt.

Nur zu schade, dass sich nun auch die DFG zum Sprachrohr einer an sich schon wissenschaftsfeindlichen Regierung degradieren laesst.

Wer zufriedene Nachwuchswissenschaftler antreffen will, der muss schon nach Grossbritannien oder die USA blicken. Dort ermoeglicht es ein leistungsorientiertes Tenure Track System permanent im akademischen System zu bleiben. Zum Nutzen aller.

Schade ist auch, wie man in Deutschland immer auf draengende
Probleme wie den Brain-Drain reagiert: Man leugnet sie einfach und untermauert dies noch mit einer "Studie".
Dr Thomas Michelitsch, U Sheffield
t.michelitsch@sheffield.ac.uk

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