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Leserbrief | 24.10.2004
zu: Das Jahrhundert der Hirnforschung

Die größte wissenschaftliche Herausforderung...

"Die größte wissenschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts könnte [eher] sein, die Wiederauferstehung und Propagierung einer schon im 19. Jahrhundert einmal gepflegten G e h i r n m y t h o l o g i e auf höherem [...] Niveau zu erkennen und zu verhindern, gegen die sich [der Psychiater] Karl Jaspers am Anfang des gerade vergangenen schon einmal wenden musste... "

Aus dem Beitrag "Respekt!" zu dem wissenschaft-online-Forum "Hirnforschung mit Folgen". Es wurde gestartet, als ein Gedankenaustausch zwischen Prof. Dr. Wolf Singer, Frankfurt, und Prof. Dr. Thomas Metzinger, Mainz, in Form eines Interviews durch Herrn Dr. Carsten Könneker - redaktionell unter der irreführenden Rubrik "Streitgespräch" mit dem provokanten Titel "Ein Frontalangriff auf unsere Menschenwürde" versehen - in der Ausgabe 4/2002 von 'Gehirn & Geist' veröffentlicht worden war. Das Gespräch wurde dabei mit der redaktionellen Bemerkung eingeleitet, in der Hirnforschung bahne sich die größte wissenschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts für unsere Gesellschaft an.

Mittlerweile wurde in G&G 5/2004 mit dem bemerkenswerten Interview von Prof. Dr. Peter M. S. Hacker, Oxford, einem in der angelsächsischen Philosophie weithin bekannten Wittgenstein-Spezialisten, das von ihm und dem renommierten Neurophysiologen Prof. Dr. Maxwell R. Bennett, Sydney, (s. G&G 6/2004, S. 7; im Verlag Blackwell, Oxford 2003) publizierte Buch 'Philosophical Foundations of Neuroscience' vorgestellt. Die beiden Autoren analysieren in diesem umfangreichen Werk alle wesentlichen Voraussetzungen der Wissenschaften, die sich auf die Neurobiologie stützen. Ihre Ergebnisse sind ernüchternd. Wenn davon offenbar vollkommen unbeeindruckt in G&G weiterhin geradezu maßlos überzogen erscheinende Einschätzungen der Tragweite neurobiologischer Forschungen vorgetragen werden, stellt sich die Frage nach der Informationsbasis von Redaktion und Mitarbeitern sowie ihrer journalistischen Unabhängigkeit und vor allem: ihrer Objektivität.
Ingo-Wolf Kittel
iw.kittel@gmx.de
 
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