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THE LANCET   03.06.05
 
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Beeinträchtigt Fluglärm das Lese- und Erinnerungsvermögen von Kindern?

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Starkem Fluglärm ausgesetzt zu sein, könnte laut dieser Studie die Entwicklung der Lesefähigkeit und des Gedächtnisses von Kindern behindern.

Zu den zentralen Punkten der Krankheitsvorsorge zählt, den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheit von Kindern zu ergründen. Während die Auswirkungen der Luftverschmutzung erforscht sind, ist weniger darüber bekannt, wie Umgebungslärm die Gesundheit von Kindern beeinträchtigt.

In der bisher größten Studie untersuchten Stephen Stansfeld von der Queen Mary’s School of Medicine and Dentistry der University of London in Großbritannien und seine Kollegen die Einflüsse von Lärm durch hohes Verkehrsaufkommen oder Flugzeuge auf die kognitive Entwicklung von Kindern und ihre Gesundheit. Über 2800 Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren aus 89 Grundschulen in der Nähe von drei großen Flughäfen - Schiphol in den Niederlanden, Barajas in Spanien und Heathrow in Großbritannien – nahmen an der Studie teil. Die Forscher untersuchten die Lautstärken von Flugzeug- und Straßenlärm im Umfeld der Schulen und verglichen diese Werte mit Ergebnissen kognitiver Tests und Gesundheitsfragebögen.

Die zusammengefassten Daten aus den drei Ländern offenbarten, dass eine Exposition mit Fluglärm bei einem Vergleich von Schulen mit hoher Lärmbelastung und Schulen mit niedriger Lärmbelastung das Leseverständnis beeinträchtigte; diese Aussage hielt sogar einer Anpassung der sozioökonomischen Unterschiede stand. Das Lesealter von Kindern, die starkem Fluglärm ausgesetzt waren, war bei 5 Dezibel Lärmunterschied in Großbritannien bis zu zwei Monate verzögert und bis zu einem Monat in den Niederlanden. Straßenlärm zeigte keinen Einfluss auf das Lesevermögen und verbesserte unerwarteterweise das Erinnerungsvermögen. Eine erhöhte Exposition sowohl mit Straßenlärm als auch mit Fluglärm ging mit verstärkten Stress-Symptomen einher und reduzierte die Lebensqualität. Die Autoren schlussfolgern, dass Schulen, die hoher Belastung an Fluglärm ausgesetzt sind, keine gesunde Erziehungsumgebung bieten. Sie erklären, dass die Auswirkungen einer Lärmexposition zu Hause genauso wie in der Schule und die Schritte, die zur Minderung dieser Effekte durchgeführt werden könnten, nun untersucht werden müssen.

Professor Stansfeld erklärt: "Diese Zusammenhänge von Exposition und Auswirkung in Kombination mit Ergebnissen früherer Studien, lassen einen kausalen Zuammenhang zwischen einer Exposition mit Fluglärm und dem Leseverständnis von Kindern vermuten. Dieser Effekt ist zwar klein, doch signifikant, und es zeigt sich eine proportionale Beziehung zwischen Exposition und Effekt. Praktisch heißt dies, dass Fluglärm nur eine schwache Auswirkung auf die Entwicklung des Lesevermögen haben mag, die Langzeitauswirkungen einer Exposition jedoch unklar bleiben."

"Unsere Ergebnisse sind relevant für die Planung und Platzierung von Schulen in der Umgebung von Flughäfen, für die Formulierung von Richtlinien zu Lärm und Kindergesundheit und für eine verbesserte Betrachtung des Einflusses von Umwelt-Stressfaktoren auf die kognitive Entwicklung von Kindern."

In einem Begleitkommentar erklärt Peter Rabinowotz von der Yale University School of Medicine in New Haven in den USA: "Die Studie von Stansfeld und Kollegen fügt sich ein in die wachsende Literatur zu den negativen Effekten von Lärm auf das Lernen. In der Nähe von Flughäfen lokalisierte Schulen sind nun besonders prüfenden Blicken ausgesetzt. In einer Studie wurden 326 deutsche Schulkinder, mit ähnlichem sozioökonomoischen Status, prospektiv verfolgt, als der alte Münchner Flughafen durch den neuen internationalen ersetzt wurde. Kinder, die Schulen in der Nähe des Flughafens besuchten, verbesserten ihre Leseleistung sowie ihre kognitiven Fähigkeiten, als der Flughafen geschlossen wurde, während sich die Leseleistungen von Kindern, die in der Nähe des neuen Flughafens zur Schule gingen, verschlechterten."

Quelle: S A Stansfeld and others. Aircraft and road traffic noise and children’s cognition and health . Lancet 2005; 365: 1942
 
http://www.thelancet.com
 
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