"Als junger Mann glaubte ich, die Physik könne schließlich einmal alles erschöpfend erklären. Ich wußte es damals nicht, aber ich war ein Objektivist. Jetzt ist meine Achtung vor der Physik noch genauso groß, aber ich sehe, daß einige Ergänzungen notwendig sind."

So schreibt der Mediziner und Neurobiologe Gerald Edelman in seinem Buch, in dem er eine biologische Theorie des Bewußtseins entwickelt. Edelman, der nach langjähriger Tätigkeit in New York seit 1993 am Scripps-Forschungsinstitut in La Jolla (Kalifornien) arbeitet, nennt als Beispiel für eine solche Ergänzung "eine typisch biologische Denkweise, die andere Naturwissenschaften weder kennen noch fordern" (Seite 111), das "Populationsdenken". Darunter versteht er im wesentlichen das darwinistische Prinzip der Evolution durch Variation (Mutation) und Selektion.

Erstaunlicherweise gelingt Organismen die Anpassung an eine sich verändernde Umwelt, ohne daß dabei "eine ausdrückliche Informationsübermittlung zwischen Umwelt und Organismen" (Seite 112) stattfände. Edelman illustriert das am Beispiel des Immunsystems, das nach demselben Prinzip arbeitet (ihm wurde für seine Arbeiten auf diesem Gebiet 1972 der Nobelpreis verliehen): Um ein körperfremdes Bakterium zu binden und unschädlich zu machen, produziert das Immunsystem eine große Vielfalt verschieden geformter Antikörper (Variation), bis schließlich eine bestimmte Form zu dem fremden Bakterium paßt wie ein Schlüssel zu seinem Schloß. Die dadurch ermöglichte Bindung löst eine Vermehrung des Antikörpers aus (Selektion), so daß nun die Bekämpfung einer ganzen Population dieses Bakteriums in Gang kommen kann. Bemerkenswert ist daran, daß das Immunsystem mit diesen Mechanismen eine primitive Form von Gedächtnis hat und auf wirklich Neues reagieren kann.

Im Rückblick kann man den Prozeß zwar so beschreiben, als sei Information geflossen, und in der Forschungsrichtung Künstliche Intelligenz gibt es in der Tat die Neigung, Prozesse, die von außen