Leserbriefe
In der Verkehrswissenschaft wird das Phänomen, dass eine verbesserte Sicherheitsausstattung – gleichermaßen bei Verkehrswegen und -mitteln, ob aktiv oder passiv – keinerlei oder wenig Verbesserung der Sicherheitslage erzeugt, durch den Begriff der Risikohomeostasis beschrieben. Es wird angenommen, dass das Individuum ein akzeptiertes Risikoniveau ("target risk") besitzt, das wahrgenommene Risiko ("perceived risk") mit diesem vergleicht und Abweichungen durch Verhaltensanpassungen ausgleicht. Sicherheitsmaßnahmen im Straßenverkehr besitzen meist die Eigenschaft, nur das wahrgenommene Risiko zu verändern, nicht aber das akzeptierte Risiko. In dem Maße, in dem Anpassung möglich ist, wird dann keinerlei Veränderung der Unfälle stattfinden. Diese können sogar steigen, wenn – wie bei ABS – das System ausgelastet wird, aber Dritte es nicht besitzen und dann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in Unfälle verwickelt werden.
Dieser Konzeption folgend geht der dramatische Rückgang der Verhrsunfallzahlen seit Anfang der siebziger Jahre, vor allen Dingen der Anzahl der getöteten Personen, weitgehend auf die Unmöglichkeit der Anpassung (bspw. wegen sinkender Durchschnittsgeschwindigkeiten im Verkehr infolge einer wachsenden Verkehrsdichte) und anderen Verhaltensfaktoren zurück, die das akzeptierte Risiko senken, bspw. Preise.
Wir forschen seit 15 Jahren an den Universitäten Montreal, Bamberg und Dresden mit Unterstützung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf diesem Gebiet. Tatsächlich ist die Lage nicht ganz so einfach: Denn neben der genannten Homeostasis im engeren Sinne (a) existiert auch eine im weiteren Sinne (b), eine Risikoverlagerung (c) und eine Risikosubstitution (d). Um diese zu erfassen, müssen Unfallmodelle aufgebaut werden, die mindestens drei Niveaus einbe


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