Spiegelneurone
Wie gelingt es uns, spontan die Absichten unserer Mitmenschen zu lesen und uns in andere hinein zu versetzen? Laut Neurowissenschaftlern sind Spiegelneurone maßgeblich daran beteiligt.
Der Neurowissenschaftler Christian Keysers von der Universität Groningen setzt große Hoffnungen in die Spiegelzellforschung, wie er im G&G-Interview erläutert: So weiß man heute, dass die für Spiegelneurone typischen Hirngebiete beispielsweise bei Autisten nur schwach aktiv werden. Dies könnte erklären, warum es den Betroffenen schwer fällt, die Intentionen ihrer Mitmenschen zu erkennen. Auch bei der Entstehung der Sprache waren Spiegelneurone möglicherweise beteiligt: Machten sie unseren Urahnen den mit bestimmten Gesten verbundenen Sinn "begreifbar" – durch inneres Simulieren?
Doch die Spiegelneuronenforschung ist auch von ganz praktischem Nutzen: Wie der Lübecker Neurologe Ferdinand Binkofski und sein Kollege Giovanni Buccino in ihrem G&G-Artikel "Der Nachmacher-Effekt" berichteten, kann eine gezielte Anregung der Spiegelzellaktivität in bewegungssteuernden Hirnarealen die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten unterstützen. Sehen Patienten vor ihren Trainingseinheiten mit dem Physiotherapeuten kurze Filme der neu zu erlernenden Bewegungen, erlangen sie ihre Beweglichkeit schneller wieder als ohne Videoshow.
Die Erforschung der Spiegelneurone wird auch in Zukunft sicher noch für so manche Überraschung gut sein. Wir halten Sie auf dem Laufenden! (sa)



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1. Spieglein. Spieglein ... Spiegelzellen als Hirn-Mythos?
24.09.2008, Werner Hahn, Gladenbach