Denn so grün die biologisch erzeugten Kraftstoffe auch wirken, sie sind es nicht. Wollte beispielsweise Deutschland nur vier Prozent der Treibhausgas-Emissionen herkömmlicher Diesel tatsächlich einsparen, müsste die Hälfte des nationalen Ackerlandes mit Raps bepflanzt werden, wie das Umweltbundesamt errechnet hat. Bereits die Herstellung des Biotreibstoffes benötigt fossile Energie und beim notwendigen intensiven Düngen entweicht Lachgas: Es ist als Treibhausgas 300-mal so wirksam wie CO2 – die gewünschten Schadstoffeinsparungen lösen sich angesichts des großen Ausstoßes während der Produktion gleich wieder im Nichts auf. Eine Studie der Universität von Minnesota kommt zu einem ebenso ernüchternden Ergebnis, nach dem die gesamte Getreide- und Sojajahresernte der Vereinigten Staaten gerade einmal fünf Prozent des US-amerikanischen Benzinverbrauchs ersetzen könnte.
Doch nicht nur aus ökologischen Gründen, auch aus ethisch-moralischen Aspekten ist Europas Durst nach Biokraftstoffen fragwürdig: Längst steigen die Preise für Pflanzenöle, die ebenso der Ernährung dienen, weil die Lebensmittelproduktion mit der Energiewirtschaft konkurrieren muss. Gleichzeitig sanken weltweit die Getreidevorräte auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren, dennoch werden Weizen oder Mais zunehmend zu Ethanol gewandelt und verfeuert.
Nicht ohne Grund schrieben Anfang Januar hunderte südamerikanische Nichtregierungsorganisationen einen offenen Brief an die Europäische Kommission, in dem sie die massiven ökologischen und sozialen Umwälzungen durch den drastisch ausgeweiteten Energiepflanzenanbau auf ihrem Kontinent anmahnen. Zugleich riefen amerikanische und europäische Naturschützer die EU zu einem Biosprit-Moratorium auf, bis sichergestellt werden kann, dass dessen Quellen eindeutig nachhaltig sind und nicht lokale, regionale oder globale Umweltprobleme verschärfen. Ohne Erfolg, denn in ihrem Strategiepapier will die Gemeinschaft alle Biokraftstoffe für ihr Zehn-Prozent-Ziel gelten lassen – gleich woher sie stammen und wie sie gewonnen wurden. Eine verpflichtende Zertifizierung wurde abgelehnt und nur Absichtserklärungen abgegeben, dass man "nachhaltige" Biokraftstoffe fördern wolle. Ihr Ziel, den Klimawandel auf diese Weise zu bremsen, wird die EU damit verfehlen und stattdessen die Emissionen einfach nur in den Süden verlagern. Brasilianische oder indonesische Investoren warteten wahrscheinlich auf diese Entscheidung, um noch mehr Wälder in Agrarland zu verwandeln.
Gleichzeitig setzt Europa damit ein Zeichen für Automobilindustrie und Bürger, dass die bisherige Mobilität auch in Zukunft wie bisher gehandhabt werden könnte. Die Entwicklung tatsächlich innovativer und deutlich effizienterer sauberer Antriebtstechnologien wie Hybrid- oder gar Wasserstoffmotoren fördert man so mit Sicherheit nicht. Doch hier auf diesen Zukunftsmärkten muss die EU massiv tätig werden, statt den Teufel Erderwärmung mit dem Beelzebub Biodiesel vergeblich austreiben zu wollen.





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1. Biodiesel
12.01.2007, Barbara Neumann2. Welche Alternativen?
12.01.2007, Ingrid Zeisbergeres stimmt mich zwar wirklich sehr traurig, dass für die Biodiesel-Aktivitäten der Industriestaaten offensichtlich große Teile der Regenwälder in Ländern der Dritten Welt gerodet werden. Das ist wirklich eine Schande! Da stimme ich dem Kommentar von Herrn Lingenhöhl voll und ganz zu.
Aber wenn ich es richtig verstanden habe, verweist der Artikel "Zumindest eine Perspektive - Die Zukunft des Biodiesels" von Gerhard Samulat doch gleichzeitig auf ein effizienteres Herstellungsverfahren, das "Biomass to Liquid" genannt wird. Der daraus gewonnene Biodiesel der 2. Generation soll doch vorzugsweise aus land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen sowie aus organischen und sogar Kunststoffabfällen kommen. Zudem basiert dessen Herstellung oft auf einer dezentralen Beschaffungsstruktur und konkurriert darüber hinaus nicht mit der Lebensmittelindustrie. Ich weiß nicht, was daran verkehrt sein soll?
Haben die Umweltaktivisten denn an allem etwas auszusetzen? Wo bleiben die Vorschläge für Alternativen? Sicher sollte man versuchen, mit den Ressourcen der Erde sparsam umzugehen. Doch nach wissenschaftlicher Erkenntnis liegt darin ausschließlich ein Einsparungspotenzial von etwa 30 Prozent.
Woher soll der Rest kommen, fragt sich
Ingrid Zeisberger, Wiesbaden