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THE LANCET   23.03.07
 
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Ein vernünftiger Maßstab zur Bewertung der Gefahren von Drogen

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Die gegenwärtige britische Einteilung psychoaktiver Drogen in drei Kategorien (A, B, oder C) zeigt nach Meinung von Experten nur eine geringe Korrelation zu den von den verschiedenen Drogen ausgehenden spezifischen Gefahren. In einem Artikel zur Gesundheitspolitik fordern sie daher, die Vorgaben zu ändern.

Illegale Drogen werden anhand von Klassifikationssystemen eingeteilt, welche vorgeben, Gefahren und Risiken jeder einzelnen Droge zu berücksichtigen. Die den Klassifikationssystemen zu Grunde liegenden Methoden und Prozese sind jedoch weder spezifiziert noch transparent, was zu einem Vertrauensverlust bezüglich ihrer Genauigkeit führte und somit Aussagen zur Gesundheitserziehung unterläuft. Die britische Drogenklassifikation entwickelte sich über nahezu ein Jahrhundert auf unsystematische Weise durch kleine wechselnde Expertengruppen. Die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen schwankten in Qualität und Quantität, mit der Folge, dass manche Drogen trotz geringer wissenschaftlicher Grundlage die höchste Risikoeinstufung erhielten, und dass diese Beurteilungen nur selten überprüft werden konnten.

David Nutt und und seine Kollegen von der University of Bristol ließen eine große Anzahl von Fachleuten die Gefahren verschiedenster illegaler Drogen anhand eines stichhaltigen Ansatzes bewerten, ihre Einschätzungen entsprechend überprüfen und mittels statistischer Methoden eine Gesamtbeurteilung der Risiken ableiten. Trotz der Einstufung der beiden Substanzen mit der höchsten Gefahrenseinschätzung (Heroin und Kokain) in Klasse A entdeckte die unabhängige Expertengruppe, dass die Korrelationen zwischen Klassifikation nach dem Betäubungsmittelgesetz und der Gefahreneinschätzung insgesamt nicht signifikant waren. Aus den beiden Gruppen der acht Substanzen mit der höchsten Punktezahl wie auch der acht mit der niedrigsten Punktezahl waren drei aus der Klasse A und zwei nicht klassifiziert. Alkohol, Ketamin, Tabak und Lösungsmittel (alle zum Zeitpunkt der Bewertung nicht klassifiziert) wurden als gefährlicher als LSD, Ecstasy und dessen Variante 4-MTA (alle Klasse A) eingestuft.

Die Autoren folgern: "Die Ergebnisse dieser Studie liefern keine Begründung für die scharfe Einteilung in A, B oder C im gegenwärtigen Betäubungsmittelgesetz. Wir denken, dass ein Klassifikationssytem nach unserem Muster, basierend auf der Gefahrenseinschätzung durch Experten, auf der Grundlage wissenschaftlicher Beweise, weit eher empfohlen werden kann. Das System ist strikt und transparent, beinhaltet formale quantitative Bewertungen der verschiedenen Gefahrensaspekte und kann leicht bei fortschreitendem Wissensstand erneut angewendet werden."

In einem begleitendem Kommentar bemerkt Wayne Hall von der University of Queensland im australischen Brisbane: "Dies ist ein nützlicher Schritt in Richtung einer besseren stichhaltigen Grundlage für die Abfassung der Drogenpolitik. Wir müssen geeignetere Wege finden, die Nachfrage junger Menschen an psychoaktiven Drogen in den entwickelten Ländern zu verringern. Außerdem bedarf es humanerer und wirksamerer Behandlungen für Menschen, die von psychoaktiven Drogen abhängig wurden."

Quelle: David Nutt and others. Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse. Lancet 2007; 369: 1047
 
http://www.thelancet.com
 
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