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Nobelpreise 2007: Literatur-Nobelpreis für Doris Lessing

Der Nobelpreis für Literatur 2007 geht an die englische Schriftstellerin Doris Lessing, "der Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat". Die Autorin lebt in London.

Doris Lessing | Die englische Schriftstellerin Doris Lessing erhält den Literatur-Nobelpreis 2007.
Doris Lessing wurde am 22. Oktober 1919 im heutigen Iran geboren. 1925 zog die Familie auf eine Farm in Simbabwe – damals Südrhodesien. Ihre Kindheit und Jugend beschreibt Lessing im ersten Teil ihrer Autobiografie "Under my Skin" ("Unter der Haut", 1994). Nachdem sie als 14-Jährige ihre Schulausbildung abgebrochen hatte, arbeitete sie als Kindermädchen, Telefonistin, Büroangestellte, Stenografin und Journalistin und publizierte erste Novellen. 1939 heiratete sie Frank Charles Wisdom, mit dem sie ihre beiden Kinder John und Jean bekam. Die Ehe wurde 1943 geschieden. 1945 heiratete sie ein zweites Mal: Gottfried Lessing, einen deutsch-jüdischen Emigranten, den sie in einer marxistischen Gruppe kennen lernte und der Vater ihres Sohnes Peter wurde. Als sich das Paar 1949 trennte, zog sie mit Peter nach London und etablierte sich als Schriftstellerin: 1950 erschien ihr erster Roman "The Grass is Singing" ("Afrikanische Tragödie", 1953), in dem sie das Verhältnis einer weißen Farmersfrau und ihrem schwarzen Diener behandelt.

Afrika und Rassengegensätze bleiben ein zentrales Thema ihres Schaffens wie ihres politischen Wirkens: Ihre harsche Kritik am südafrikanischen Regime endet in einem Einreiseverbot ab 1956, das erst 1995 wieder aufgehoben wird. Auch Südrhodesien untersagte ihr nach einem kurzen Besuch aus demselben Grund die Rückkehr. In "African Laughter: Four Visits to Zimbabwe" (1992, "Rückkehr nach Afrika", 1992) schildert sie, wie sie 1982 in das Land ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt.

Auch in ihre Romanreihe "Children of Violence" (Kinder der Gewalt) rund um die Protagonistin Martha Quest fließt ihr eigenes Leben ein. Das Werk sei bahnbrechend durch seine Darstellung von Gedankenwelt und Lebensbedingungen der emanzipierten Frau und sei eine moderne Entsprechung der großen weiblichen Bildungsromane des 19. Jahrhunderts, so das Nobelpreiskomitee. Den Durchbruch verschaffte ihr schließlich "The Golden Notebook" (1962, "Das Goldene Notizbuch", 1978), das von der Frauenbewegung begeistert aufgenommen wurde und die Auffassung vom Zusammenleben von Mann und Frau im 20. Jahrhundert geprägt habe.

Zu den bekannten Titeln zählt außerdem "Briefing for a Descent into Hell" (1971, "Anweisung für einen Abstieg zur Hölle", 1981) oder auch der Sciencefiction-Romanzyklus "Canopus in Argos: Archive" ("Canopus im Argos: Archive") von Anfang der 1980er Jahre. Immer wieder und insbesondere in den letzten Jahren hat sie sich mit diesem Thema des Lebens nach einer Weltkatastrophe beschäftigt. Einen Ausflug ins Genre der Psychothriller bietet hingegen "The Fifth Child" (1988, "Das fünfte Kind", 1988), in dem die verdrängte und verleugnete Aggression einer Frau durch einen unförmigen Jungen verkörpert wird. (af)

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