spektrumdirekt: Herr Smits, Sie sind von Haus aus Forstwissenschaftler. Was hat Ihr Herz für die roten Affen erwärmt?
spektrumdirekt: Was haben Sie mit dem Orang-Utan-Baby dann gemacht?
Smits: Ich wollte es in ein Zentrum schicken, das Orang-Utans wieder ansiedelt. Deshalb begann ich, einiges über die Wiederansiedlung dieser Affen zu lesen. Doch dabei fiel mir auf, dass viele Rehabilitationsprojekte schief gelaufen waren.
spektrumdirekt: Woran sind die Projekte gescheitert?
Smits: Alle Orang-Utans sind am Ende in Tiergärten oder Touristencamps gelandet. Das Problem war zudem, dass sie die Orang-Utans in Gebieten ausgewildert haben, wo es auch wilde Orang-Utans gab. Hatten die freigelassenen Tiere einen Schnupfen, wurden auch die wilden Affen krank. Wir teilen mit den Tieren etwa 97 Prozent unseres Erbguts – deshalb können viele menschliche Krankheiten auch auf Orang-Utans übergehen. Diese Projekte sind also auch verantwortlich für das Aussterben der roten Affen.
spektrumdirekt: Deshalb haben Sie die Rehabilitation von Uce selbst in die Hand genommen?
spektrumdirekt: Woraus wird BOS jetzt finanziert?
Smits: Hundert Prozent aus Spenden – keine Regierung und keine große Organisation beteiligt sich daran.
spektrumdirekt: Wie rehabilitieren Sie die Orang-Utan-Babys?
Wenn die Orang-Utan-Babys träumen – sie haben ja richtige Albträume – dann muss die Mutter da sein, um sie zu beruhigen.
Smits: Zuerst muss eine Mutter gefunden werden. Sie bekommen eine Frau aus dem Stamm der Dayaks als Ersatzmutter. Die kleinen werden gestärkt, bekommen Vitamine, werden geimpft, gegen Parasiten behandelt, und so weiter. Wenn es ihnen langsam besser geht, dann kommen sie in kleine Spielgruppen, wo sie voneinander lernen können.
spektrumdirekt: Werden die Kleinen Tag und Nacht von der Ersatzmutter betreut?
Smits: Ja, die Ersatzmütter liegen auch nachts dabei. Wenn die Orang-Utan-Babys träumen – sie haben ja richtige Albträume – dann muss die Mutter da sein, um sie zu beruhigen. Das ist eigentlich nichts anderes als mit Menschenkindern.
spektrumdirekt: Was geschieht, wenn die Tiere älter werden?
Smits: Ein- bis dreijährige Tiere kommen in die Kletterschule. Drei- bis fünfjährige Tiere werden in ein eingezäuntes Waldgebiet gelassen, wo sie lernen, selbstständig zu werden und sich im Wald zurechtzufinden. Anschließend kommen sie auf Wohninseln und wenn alles gut geht, werden sie in speziellen Auswilderungsgebieten freigelassen.
spektrumdirekt: Wo dürfen die Orang-Utans ausgewildert werden?
Smits: In Arealen, in denen keine wilden Orang-Utans leben und in die sie auch nicht gelangen können. Außerdem muss das Gebiet so groß sein, dass die Tiere genügend Nahrung finden.
spektrumdirekt: Kontrollieren Sie, ob sich die ausgewilderten Tiere in ihrem neuen Habitat zurechtfinden?
spektrumdirekt: Wie viele Orang-Utans überleben die Auswilderung?
Smits: Etwa sechzig bis siebzig Prozent.
spektrumdirekt: Sie beschlagnahmen gefangene Orang-Utans. Wie bekommen Sie Wind von eingesperrten Tieren?
Smits: Fast zu achtzig Prozent über die Schulkinder. Sie schauen über die Mauern und melden, wenn sie wieder einen gefangenen Orang-Utan entdeckt haben. Die Kinder sind äußerst wichtig für unsere Organisation. Und wir fahren tief ins Inland zu den Dörfern und in die Schulen. Dort bekommen wir dann Informationen, wo es noch Tiere in Gefangenschaft gibt.
spektrumdirekt: Wie reagieren die illegalen Orang-Utan-Händler darauf, wenn Sie mit Ihren Befreiungstrupps anrücken?
spektrumdirekt: Was kann Ihrer Meinung nach gegen das Aussterben getan werden?
Smits: Als erstes ist natürlich die Aufklärung in Indonesien ganz wichtig. Wir müssen den Menschen erklären, dass so ein Orang-Utan seine Freiheit braucht, dass er Gefühle hat und dass es nicht mit der Religion vereinbar ist, die Tiere gefangen zu halten und zu quälen.
spektrumdirekt: Und in Deutschland?
Die Deutschen benutzen Biosprit aus Palmöl und denken, dass sie damit etwas Gutes für die Welt tun.
Smits: Dort kann man zum Beispiel eine Patenschaft für einen Orang-Utan übernehmen, oder ein paar Quadratmeter Regenwald kaufen, das wir dann für ewig schützen und wo die Orang-Utans leben können. Man kann auch selbst mal mit nach Indonesien kommen und ein paar Wochen mitarbeiten. Denn das Allerwichtigste ist, dass die Leute verstehen, wie schwierig es ist, solch ein Projekt zu machen, und dass sie ihre Erfahrungen an andere weiter geben. Wir müssen eine Brücke bauen zwischen Indonesien und Deutschland.
spektrumdirekt: Inwieweit ist Deutschland an der Ausrottung der Orang-Utans beteiligt?
Smits: Deutschland ist einer der Hauptverursacher. Die Deutschen benutzen Biosprit aus Palmöl und denken, dass sie damit etwas Gutes für die Welt tun. Doch sie werden betrogen. Denn wegen dieser großen Nachfrage nach Biosprit hier in Europa werden die Orang-Utan-Wälder vernichtet.
spektrumdirekt: Die Wälder müssen den Ölpalmen weichen?
Smits: Genau. Aber den Leuten geht es gar nicht um das Öl, sondern um das Holz. Die Holzmafia hat mittlerweile schon alle guten Wälder abgeholzt. Gutes Holz gibt es nur noch in den Sumpfwäldern, der Heimat der Orang-Utans, die man eigentlich nicht antasten darf. Doch sie besticht die lokale Bevölkerung und bekommt einen Zettel, auf dem steht: "In diesem Gebiet steht kein guter Wald mehr, da dürft ihr Ölpalmen pflanzen". Aber die Palmen wachsen in diesen Gebieten gar nicht gut. Man lässt sie einfach sterben und steckt sich das Geld für das Holz in die Tasche.
Dadurch wird nicht nur den Orang-Utans ihr Lebensraum weggenommen. Auch das Klima leidet darunter: Wenn Ölpalmen in dem Sumpfland angebaut werden, werden die Gebiete entwässert. Der ausgetrocknete Torf brennt sehr schnell – und dabei werden Gigatonnen CO2 frei. Was man also hier mit einer Tonne Biosprit an CO2-Ausstoß spart, wird in 32-facher Menge in Indonesien ausgestoßen. Und als Folge dieses Palmölproblems ist Indonesien mittlerweise der drittgrößte CO2-Emittent der Welt geworden. Nur China und Amerika produzieren mehr.
spektrumdirekt: Herr Smits, ich danke Ihnen für das Gespräch.








drucken



Himmelslichter |
Fischblog |
Mente et Malleo |
Natur des Glaubens |
Quantenwelt | 





1. Orang-Utans
21.05.2008, Kurt Breuer2. Orang-Utan
29.07.2008, Sonja DesensSie könnten z.B eine Patenschaft für einen Orang-Utan übernehmen (etwa über BOS Deutschland). Oder symbolisch Regenwald erwerben, z.B durch den Wechsel ihres Stromanbieters, um nur einige Beispiele zu nennen. Das habe ich übrigens gemacht. Es gibt also diverse Möglichkeiten zu helfen, auch wenn die Hilfe noch so klein ist.
Sonja Desens
3. Was kann ich tun?
14.08.2008, Beate Händel, C. Santa Catalina Thomas 14, 07141 Pont D`Incagestern habe ich Eure zutiefst berührende und zugleich schockierenden Reportage über die bedrohliche Situation der letzten verbleibenden Orang-Utans gesehen. Ich hatte sofort den Wunsch, auch etwas zu tun für diese so liebevollen Wesen und für unsere Natur.
Meine Frage an Euch: Wie könnte ich mich engagieren? Was gibt es für Möglichkeiten? Eine tolle Idee fände ich, nach Indonesien zu reisen und mit bei Eurem Projekt zu helfen.
Ich würde mich sehr über ein Feedback freuen.
Lieben Gruß
Beate
4. Orang-Utans
18.08.2008, Ihr Name, WohnortEs ist alles nur zum Heulen.
Ich lasse Ihnen eine kleine Spende zu kommen. Schwelge selber nicht in Reichtümern aber vielleicht können ein paar Euro helfen.
Weiterhin viel, viel Glück bei Ihrer Arbeit und großen Dank an Johannes Jähnicke für seine Unterstützung.
Edeltraud-Dewitt-Stürken
5. Hilfe für die Orang Utans
22.01.2009, Petra und Klaus SchädelEs wäre sehr freundlich, wenn Sie uns da helfen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Petra und Klaus Schädel