Die Hölle ist ein Ort in Rot und Schwarz
Doch wie gelangt man eigentlich hinein in die Folterwerkstatt der Sünder? Durch den Schlund einer riesigen Fledermaus, die fordernd ihre gespaltene Zunge ausstreckt. Rot leuchtend sticht sie aus dem weißen Vorraum der Sonderausstellung heraus. Bevor sich der Besucher in die vermeintliche Hölle hineinwagt, wird er jedoch noch einmal eindringlich aufgefordert, mit dem Blick in den Spiegel in sich zu gehen: War ich gut oder böse? Eine entscheidende Frage für all jene, die sich anschicken, dem Wächter der Unterwelt entgegenzutreten. Von Ferne ertönt leise das Geheul eines Wolfes.
Welches Gesicht hat das Böse?
Über 500 Exponate aus allen Kontinenten haben die Kuratoren des Völkerkundemuseums zusammengetragen, um einen Einblick in unseren Umgang mit dem Bösen zu geben. Die Ausstellung unterteilt sich dabei in drei Bereiche: Woher kommt das Böse? Welches Gesicht hat es? Und wie gehen wir damit um? Die Zeitspanne der Antworten reicht vom frühen Altägypten bis in unsere Zeit.
Und so muss man doch sehr genau hinsehen, wenn man das wirklich Bösartige in der Schau entdecken möchte. Kriege, Folter oder Aggression und Gewalt werden kaum thematisiert – ein paar politische Plakate zeugen von dem Wunsch, die eigenen Feinde zu dämonisieren, Musikvideos und Horrorfilmsequenzen zeigen die Tendenz der aktuellen Popkultur, mit dem Bösen zu flirten. Ansonsten: Hexen, Dämonen und das Böse als metaphysische Kategorie der Weltreligionen.
Von teuflischen Hummeln und Hexenfurz
Manch anderem Wesen wurde das Teuflische gar gleich im Namen mitgegeben: So trägt eine nordeuropäische Hummelart die wenig schmeichelhafte Bezeichnung Bombus polaris diabolicus, ein winziger Kolibri aus den USA heißt wegen seiner leuchtenden Halsfedern gar Calothorax lucifer. Auch sie sind bei "All about Evil" in Sicherheitsverwahrung.
Gegen Ende der Ausstellung begegnet man schließlich dem Bösen im Kinderzimmer und auf dem Familientisch: Musikindustrie, Jugendkultur und Lebensmittelhersteller sind längst einen teilweise makabren Flirt mit dem Bösen eingegangen – inklusive Teufelsbier, höllischem Käse und anderen Schmackhaftigkeiten aus dem gemeinen Supermarktregal. Der Teufel als Pop-Ikone.
Angst vor der Auseinandersetzung
Das ist schade. Eine kritische Reflexion des Themas zumindest im Begleitprogramm hätte der amüsanten Annäherung bei "All about Evil" durchaus gut getan. So ist der Rundgang informativ und witzig, aber leider nicht erhellend.


Freie Wissenschaftsjournalistin







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