Mit ihm wollen sie dem Vogel das Singen erschweren. Denn frühere Studien haben gezeigt, dass das Japanische Mövchen (Lonchura striata var. domestica) sein Gesangsrepertoire bei jedem Stimmeinsatz kaum merklich variiert. Solche winzigen Variationen eigentlich festgelegter Tonabfolgen finden sich bei vielen Singvögeln. Doch der Hintergrund der Modulationen war bislang ungeklärt. Haben die Tiere möglicherweise nicht genügend Kontrolle über ihre Stimmbänder, können sie also schlicht den Ton nicht halten? Oder haben die Variationen eine andere Bewandtnis?
Die beiden Neurobiologen nahmen die Sangeskünste von elf Japanischen Mövchen auf Band auf und analysierten die Tonfolgen der jeweiligen Lieder. Anschließend ließen sie die Prachtfinken einzeln vorsingen – und spielten ihnen wiederholt bei ausgewählten Tonsequenzen das Rauschen vor. Die Finken konnten dadurch während der jeweiligen Episode den eigenen Gesang nicht mehr hören. Doch es gab einen Ausweg: Wenn die Tiere die Tonhöhe ihres Liedes variierten, hörte das Rauschen auf.
Per Versuch und Irrtum hatten die Tiere also ihre Sangeskünste gezielt verändert. Das macht es wahrscheinlich, dass auch die natürlichen Variationen keine bloßen Misstöne sind, sondern bewusst und präzise verursacht werden. Die Forscher vermuten, dass die Tiere sich so fit halten, um im Notfall ihren Gesang ohne große Mühen ändern zu können.
Doch auch wenn die beiden Forscher die Vögel bei ihren Versuchen zu weit greifenden Änderungen in ihren Liedern bewegen konnten – besonders begeistert von der neumodischen Musik zeigten sich die Japanischen Mövchen nicht. Kaum hatten die Wissenschaftler das Rauschen endgültig abgestellt, kehrten die Vögel zu ihrem alten Lied zurück. So lange sie ihren Gesang nicht ändern müssen, trällern sie doch lieber traditionsbewusst.


Freie Wissenschaftsjournalistin



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