Einzig die Produktion von Agrarkraftstoffen auf aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen, der Anbau lokaler und dauerhafter Energiepflanzen auf bisherigem Farmland sowie die Nutzung von Pflanzenabfällen hätte eine sofortige Reduzierung von CO2 zur Folge. Allerdings nur, wenn es dadurch nicht zu einem Verdrängungseffekt kommt, wie es sich in den Vereinigten Staaten schon abzuzeichnen beginnt. Dort erhalten Farmer Subventionen für den Anbau von Mais zur Ethanol-Gewinnung und verzichten daher auf den zweijährigen Wechsel mit Soja für die Tiermast. In der Folge kaufen Viehzüchter das Futter in Brasilien ein, wo wegen der steigenden Soja-Preise vermehrt Regenwald abgeholzt wird.
In ihren Berechnungen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die USA bis 2016 etwa 56 Millionen Liter Ethanol mehr als heute produzieren werden. Um die entsprechende Menge Mais anzubauen, benötigten die Farmer 12,8 Millionen Hektar Land, auf dem gegenwärtig noch Getreide für Nahrungsmittelproduktion und -export wächst. Dadurch steigen die Preise für Mais sowie für Soja und Weizen, was die Landumwandlung in anderen Regionen beschleunigt, wie gegenwärtig in Amazonien zu beobachten ist. Gleichzeitig müssen die Exportausfälle der Vereinigten Staaten kompensiert werden, was in den betroffenen Ländern ebenfalls neue Erschließungen notwendig macht.







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1. Biosprit zu unrecht pauschal am Pranger
08.02.2008, Markus BeckerGanz so einfach ist die Frage nicht. Es kommt nämlich ganz darauf an, woher die verwendete Biomasse stammt und wie sie verarbeitet wird. In der Tat ist der Anbau von Ölpalmen auf gerodeten Urwaldflächen ziemlich klimaschädlich. Erst nach vielen Jahrzehnten Anbaukultur ist das einmal frei gewordene Kohlendioxid wieder kompensiert. Doch Palmöl hat in Europa als Energierohstoff kaum Bedeutung. Neunzig Prozent des importierten Öls gehen in die Produktion von Lebensmitteln und Kosmetik.
In puncto Nachhaltigkeitsbilanz des Biosprits brauchen wir sicherlich mehr Transparenz. Niemand will, dass Regenwälder abgeholzt und Nahrungsmittel knapp werden, damit die westliche Hemisphäre weiter Vollgas geben kann. Die geplagte deutsche Landwirtschaft hat indes genug Kapazitäten, um vier Fünftel des Rohmaterials für deutschen Biodiesel herzustellen. Hierfür werden auch so genannte Grenzertragsflächen reaktiviert, die zuvor brach lagen.
Biodiesel aus deutschem Raps zerstört keine Wälder. Zudem weist er eine positive Klimabilanz auf: Das Bundesumweltministerium hat für 2006 berechnet, dass der Einsatz von Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich insgesamt 49 Millionen Tonnen CO2 eingespart hat (BMU 2007: Erneuerbare Energien in Zahlen)! Bei der Berechnung der Klimabilanz geht es um die ganze Prozesskette mit vorgelagerten Elementen wie Transport, Herstellung etc. Bei fossilen Brennstoffen fällt diese zwangsläufig negativ aus. Effizient hergestellter Biosprit kann hingegen zu beträchtlichen Einsparungen führen.
An einer Energiewende führt kein Weg vorbei, wenn wir unsere Mobilität erhalten wollen. Dazu brauchen wir in erster Linie mehr Effizienz. Daneben muss der Energiemix perspektivisch postfossil sein. Bioenergie kann ein Teil dieser Gesamtstrategie sein. Sie ist anders als viele Alternativen schon heute verfügbar und mildert zudem die ungesunde Abhängigkeit vom Öl.
2. Doch ein Schnellschuss
15.02.2008, Klaus FeketeDie ab nächsten Jahr geplante Beimischung von 10 Prozent ist jedoch mit diesen Ressourcen definitiv nicht machbar und führt zwangsweise zur Zerstörung von Tropenwäldern und Savannen.
Mit schlecht durchdachten Schnellschüssen, wie sie derzeit seitens der EU geplant und umgesetzt werden, ist jedoch weder der Umwelt noch dem "Klimaschutz" geholfen.
Im Gegenteil, die Umweltschäden, die derzeit durch Rodung und Umwidmung entstehen, werden in der Tat die Wettergegebenheiten nachhaltig verändern.
Bei einer jährlichen Zunahme der Weltbevölkerung von über 70 Millionen pro Jahr steht für mich die Lebensmittelversorgung im Vordergrund, nicht die Sicherstellung der Mobilität.
Fakt ist, dass das Biosprit Thema derzeit weder gründlich durchdacht geschweige denn umweltschonend umgesetzt wurde.
Es ist dringend erforderlich, eine nicht politisch motivierte Faktenlage zu erarbeiten, um dann auf dieser Basis die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Bis dahin kann der eine oder andere Feldversuch durchgeführt werden, gleichzeitig sind aber alle Landnahmen einzustellen. Das kostet möglicherweise 1 bis 2 Jahre, rettet aber den Regenwald.