Bislang gab es keine Kraftwaage, um die Standortfestigkeit der Atome zu messen. Grund genug für den Elektronikkonzern IBM, eine solche zu entwickeln. Die Forscher um Markus Ternes vom Almaden Research Center im kalifornischen San Jose und von der Universität Regensburg nutzten dafür ein Rasterkraftmikroskop, das sie mit einem stimmgabelförmig geschliffenen Quarz bestückten, wie er auch in Uhren verwendet wird. An der Unterseite des Quarzes brachten sie eine Metallnadel an, deren Spitze aus einem einzigen Atom besteht.
Allerdings konnten sie so nur jene Komponente der Kraft messen, die senkrecht zur Oberfläche wirkt. Bildlich gesprochen konnten die Forscher zwar die Kraftkomponente messen, mit der ein Reisender seinen Rollkoffer anhebt, aber nicht die eigentliche Antriebskraft, die entlang der Laufrichtung des Ziehenden wirkt, die so genannte laterale Kraftkomponente. Hier entwickelten die Forscher einen Weg, die laterale Kraftkomponente aus der gemessenen senkrechten Komponente zu berechnen.
Nun senkten die Physiker die Metallspitze immer weiter herab, bis die Wechselwirkung zwischen ihr und dem Atom groß genug war, um das Atom zu bewegen. Das geschah bei einer lateralen Zugkraft von 210 Pikonewton (Billionstel Newton). Die Zugkraft ist also etwa zwei Milliarden Mal kleiner als die Kraft, die nötig ist, um einen Euro-Cent anzuheben.
Die Atome haften aber nicht an jeder Oberfläche gleich stark: Auf einer Kupfer-Oberfläche war nur eine laterale Kraft von gut 17 Pikonewton nötig, um das Kobalt-Atom abzuschleppen. Die Abweichung erklären die Wissenschaftler mit unterschiedlich starken chemischen Bindungen zwischen Atom und Oberfläche. Außerdem hängt die Zugkraft von der Art des Teilchens ab, das bewegt werden soll. Kohlenmonoxid-Moleküle setzten sich auf einer Kupfer-Oberfläche erst bei 160 Pikonewton in Bewegung. Das führen die Forscher auf unterschiedliche Bindungsplätze auf der Kristalloberfläche zurück, die nicht vollkommen glatt ist, sondern einem Bienenwabenmuster ähnelt.


Freier Wissenschaftsjournalist



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