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THE LANCET   16.05.08
 
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Chemotherapie verbessert weder Überlebensrate noch Lebensqualität bei Asbestmesotheliom-Patienten

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Eine zur aktiven Symptomkontrolle (ASC) zusätzlich verabreichte Chemotherapie scheint bei Asbestmesotheliom-Patienten weder die Überlebensrate noch die Lebensqualität zu verbessern, folgern die Autoren eines aktuellen Artikels.

Das maligne Pleuramesotheliom (MPM) ist eine Krebserkrankung des die Lungen umgebenden schützenden Rippenfells, die meist zum Tod führt. Die Häufigkeit nimmt weltweit zu – in Großbritannien stieg die Sterblichkeitsrate zwischen den Jahren 1968 und 2000 um das Zwölffache an; im Jahr 2005 wurden nahezu 2000 Todesfälle registriert. Diese jährliche Todesrate wird nach Schätzungen bis zum Jahr 2013 einen Spitzenwert von etwa 2200 erreichen. Ähnliche Sterblichkeitsraten finden sich in den USA und Westeuropa. Die Häufigkeit des Rippenfellkrebses ist unmittelbar mit Produktion und Verwendung von Asbest verknüpft, und während in den USA und Westeuropa die Sterblichkeitsraten ihren Höhepunkt erreichen, wird sich die Epidemie in den folgenden Jahrzehnten in Richtung jener Länder verschieben, die Asbest immer noch herstellen oder in großen Mengen verwenden, beispielsweise Russland, China, Kanada, Kasachstan, Brasilien, Simbabwe, Indien und Thailand.

Richard Stevens und Professor Mahesh Parmar von der Medical Research Council (MRC) Clinical Trials Unit sowie Kollegen starteten die von der Cancer Research UK finanzierte randomisierte MS01-Studie, die 409 MPM-Patienten aus 76 britischen und zwei australischen Zentren umfasste. 136 Patienten wurden per Zufallsverfahren ausschließlich der aktiven Symptomkontrolle ASC zugeordnet. Weitere 137 Patienten erhielten eine kombinierte ASC/MVP-Chemotherapie (vier Zyklen mit Mitomycin, Vinblastin und Cisplatin im dreiwöchigen Turnus), und die verbliebenen 136 Patienten erhielten ASC und eine Vinorelbin-Chemotherapie (innerhalbvon 12 Wochen eine Injektion Vinorelbin wöchentlich). Nachuntersuchungen erfolgten alle drei Wochen bis zur 21. Woche nach der zufälligen Behandlungszuordnung, danach jede achte Woche. Nur unzureichend ansprechende Patienten konnten ergänzt werden, um eine gesonderte Bewertung der beiden Chemotherapien zu ermöglichen; sie wurden daher zusammengefasst und mit den ASC-Patienten mit Blick auf den unmittelbaren Therapieerfolg Gesamtüberlebensrate verglichen.

Zum Zeitpunkt der Analyse waren 393 Patienten verstorben (96 Prozent), 132 (97 Prozent) der ASC-Gruppe, 132 (96 Prozent) der ASC/MPV-Gruppe, und 129 (95 Prozent) der ASC/Vinorelbin-Gruppe. Ein kleiner, statistisch jedoch nicht signifikanter Nutzen wurde im Vergleich ASC/Chemotherapie-Gruppe - ASC-Gruppe festgestellt (32 Prozent der ASC/Chemotherapie-Patienten gegenüber 29 Prozent der ASC-Patienten lebten noch nach einem Jahr). Patienten der ASC/Vinorelbin-Gruppe zeigten im Vergleich zur ASC-Gruppe eine tendenziell verbesserte Überlebensrate, mit statistisch jedoch nicht signifikanten 37 Prozent nach einem Jahr noch lebender Patienten. Lebensqualitätswerte (körperliche Leistungsfähigkeit, Schmerz, Kurzatmigkeit, Gesamtgesundheitsstatus) waren in allen drei Gruppen gleich.

Die Autoren folgern: “Eine zusätzliche Chemotherapie zur aktiven Symptomkontrolle ASC bringt im Sinne von Gesamtüberlebensrate oder Lebensqualität keinen signifikanten Nutzen. Forschungsanalysen legen jedoch nahe, dass Vinorelbin weitere Studien verdient.“

In einem begleitenden Kommentar diskutiert Dr. Nicholas J. Vogelzang vom Nevada Cancer Institute im US-amerikanischen Las Vegas die Hinweise aus verschiedenen Chemotherapieverfahren bei Mesotheliomen. Er folgert: “Patienten mit einem malignen Pleuramesotheliom sollten bei Behandlungswunsch darüber informiert werden, dass strenge medizinische Hinweise Cisplatin und Pemetrexed als Standardanwendung bei MPM etabliert haben. Obwohl Cisplatin und Gemcitabin gleichermaßen wirkungvoll sein könnten, gab es bislang keine randomisierten Vergleiche der beiden Zweierkombinationen.“

Quelle: Martin F. Muers et al.. Active symptom control with or without chemotherapy in the treatment of patients with malignant pleural mesothelioma (MS01): a multicentre randomised tria. Lancet 2008; 371: 1685-1694
 
http://www.thelancet.com
 
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