"Krieg ist die Fortsetzung der Politik unter Einbeziehung anderer Mittel"
(Carl von Clausewitz)
Wehe aber, ein Nebenbuhler reagiert nicht auf die friedlichen optischen und akustischen Signale. Dann fechten Amseln mit ihren Schnäbeln Gefechte aus, treten sich Birkhühner im Kampf mit Füßen und attackieren Kampfläufer einander mit aufgeplustertem Federkragen – eine Fortsetzung der Revierpolitik unter Einbeziehung anderer Mittel. Etwas weniger handfest, aber dennoch kriegerisch gehen die mittelamerikanischen Rotrücken-Zaunkönige (Thryothorus rufalbus) aufeinander los, wie Daniel Mennill von University of Windsor in Ontario und Sandra Vehrencamp von der Cornell University in Ithaca im Urwald Costa Ricas bemerkten [1]. Die Vögel setzen eine ganz besondere Waffe zur Verteidigung ihrer Jagd- und Brutgründe ein: aggressiven Duettgesang.
(Carl von Clausewitz)
Lärmend ins Gefecht
"Der erste Eindruck ihrer Duettgesänge ist einer höchster Harmonie und Kooperation", beschreibt Mennill, wie die Lautäußerungen der Zaunkönige auf zufällige Beobachter wirken. Bisweilen stimmen sich die Vögel so gut ab, dass ihr Zwiegesang wie ein Solo klingt. Im dichten Regenwald helfen sie dem singenden Pärchen Kontakt miteinander zu halten, wenn sie voneinander getrennt Nahrung suchen, oder sich wiederzufinden, nachdem sie einzeln durchs Unterholz huschten. Und es dient wahrscheinlich auch dazu, die Bindung der Vögel untereinander zu festigen, vermuten die Forscher: Mit Hilfe von acht an unterschiedlichen Orten aufgestellten Mikrofonen und Triangulation der aufgezeichneten wechselseitigen Ansprachen konnten sie belegen, dass die Zaunkönige ihre Aktivitäten über den Gesang synchronisieren.
"Es existiert auch noch eine dunkle Seite"
(Daniel Mennill)
Wie erfolgreich die Melodien eingesetzt werden, um die eigene Heimat zu verteidigen, ohne dass doch noch körperliche Attacken folgen, müssen erst weitere Studien zeigen. Und auch was die Rotrücken-Zaunkönige nach dem Duell tun, liegt noch im Dickicht des Regenwaldes versteckt – eventuell pfeifen sie ein fröhlicheres Lied, um sich wieder abzureagieren. Vielleicht handhaben sie es aber auch wie die Baumhopfe (Phoeniculus purpureus), denen Andrew Radford von der University of Bristol nachstellte [2]. Diese Vögel ziehen in Gruppen bis zu acht Individuen durch die Baumsavannen des tropischen Afrikas: ein brütendes Pärchen und meist sechs, in Einzelfällen sogar zehn Begleiter, die bei der Versorgung des Nachwuchses helfen.
(Daniel Mennill)
Streicheleinheiten nach dem Konflikt
"So wie sich Fans beispielsweise nach einer Niederlage ihrer Mannschaft in der Kneipe bemitleiden, unterstützen sich auch die Baumhopfe nach einem Wettkampf mit Rivalen"
(Andrew Radford)
Gleich ob Sieg oder Niederlage – danach legen die Vögel ein Verhalten an den Tag, das den britischen Forscher an die Fußballanhänger seiner Heimat erinnert: "So wie sich Fans beispielsweise nach einer Niederlage ihrer Mannschaft in der Kneipe bemitleiden, unterstützen sich auch die Baumhopfe nach einem Wettkampf mit Rivalen." Die Gruppe rückt zusammen, putzt und krault sich mit ihren Schnäbeln. Gerade nach verlorenen Wettbewerben geschah dies sehr viel intensiver und häufiger als zu konfliktfreien Zeiten, wie Radford schreibt.
(Andrew Radford)







drucken



Einsteins Kosmos |
Vergangenheitsstaub |
Graue Substanz |
Analogia |
NeuroKognition | 




