Durch die Nordostpassage
Wie prognostiziert, schwemmte es Enten, Biber und Konsorten in den Jahren nach der Havarie noch mehrfach an die Küsten Alaskas, Japans und des US-Bundesstaats Washington, bevor sie den Pazifik über die Beringstraße etwa um 1996 verließen. Im eisig kalten Norden schloss das Eis sie ein, doch wurden sie keineswegs zerquetscht oder aufgerieben, sondern drifteten langsam mit ihrer frostigen Hülle hinüber in den Nordatlantik. Fünf bis sechs Jahre sollte diese Reise dauern, und tatsächlich tauchten ab 2001 die ersten "Friendly Floatees" – so benannt von der Herstellerfirma The First Years, Inc. – in Kanada und dem Nordosten der USA auf: Ihre Aufschrift verriet, dass sie die echten Weltenbummler sein mussten.
Nun im Dienste der Klimatologen
Ein Erfolg, der nun Alberto Behar vom Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena inspirierte. Der Forscher möchte mit Gummienten der arktischen Gletscherschmelze am Jakobshavn Isbræ auf Grönland nachspüren. Diese enorme Walze aus gefrorenem Wasser ist gegenwärtig auch die am schnellste fließende der arktischen Insel: Sieben Prozent des gesamten Eises, das Grönland jedes Jahr in den Nordatlantik entlässt, stammt vom Jakobshavn, jeden Tag schiebt er sich um 15 bis 35 Meter voran. Und das macht ihn besonders interessant für Klima- und Gletscherforscher, die wissen wollen, wie sich die steigenden Temperaturen auf seinen Zusammenhalt, seine Geschwindigkeit und Überlebensdauer auswirken.
Hier setzt nun der kalifornische Wissenschaftler an: Mitsamt 90 der beliebten Badeutensilien flog er im letzten August ins gar nicht mehr so ewige Eis Grönlands und stellte sie dort in einer so genannten Gletschermühle in den Dienst der Glaziologie – vollgepackt mit Instrumenten und einem GPS-Sender, der ihren Weg über Funk weitermelden soll, bis die Batterien leer sind. Thermometer und Barometer sollen Druck und Temperatur unterwegs aufzeichnen, ein Geschwindigkeitsmesser das Tempo notieren – etwa ob die Enten gletscherinterne Wasserfälle hinabstürzen oder ob sie zeitweise in eisigen Kammern enden.
Eisiger Tod oder gute Reise?
Und irgendwann, so hofft Behar, stürzen seine kleinen Helfer mit einem Eisberg oder Schmelzwasser ins Meer, werden an Land getrieben und von einem Jäger oder Fischer gefunden: Die Aufschriften "Wissenschaftliches Experiment" und "Belohnung" sollen jedenfalls ermuntern, an die ebenfalls angegebene E-Mail-Adresse zu schreiben. Bislang habe sich allerdings noch niemand bei ihm gemeldet, so Behar gegenüber Reuters. Doch er hofft noch: "Die Ecken dort oben sind ziemlich einsam, und es laufen nicht allzu viele Menschen herum. Es könnte also dauern, bis die Enten gefunden werden und uns jemand anschreibt."








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