Mit jugendlichem Elan wandte sich Miller an den Professor und schlug eben dieses Experiment als Thema einer Doktorarbeit vor. Urey blieb skeptisch, da ihm der Ausgang dieses Projekts als äußerst unsicher erschien, willigte dann aber doch ein. Sein Doktorand begann nach obigem Rezept zu kochen – und fand tatsächlich nach einer Woche die Aminosäuren Glycin, Asparaginsäure, alpha-Aminobuttersäure und zwei Versionen des Alanins, nebst weiteren Molekülen, die Biochemikern durchaus vertraut sind. Am 15. Mai 1953 erschien in "Science" die Beschreibung des Miller-Urey-Experiments [1] und machte den jungen Chemiker auf einem Schlag berühmt.
Die Analysentechniken langten damals allerdings noch nicht aus, um hier mehr Stoffe aufzuspüren als im klassischen Ansatz. Doch in weiser Voraussicht hatte Miller seine Proben nicht weggeworfen. Nach seinem Tod am 20. Mai 2007 tauchten diese Originalproben nebst sauber geführten Notizen des Ursuppenkochs wieder auf – und gelangten in die Hände des Chemikers Jeffrey Bada von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla.
Elf Proberöhrchen analysierten Bada und seine Kollegen diesmal mit modernsten Techniken wie Hochleistungsflüssigchromatografie und Flugzeitmassenspektrometrie.
"Die Apparatur, der Stanley Miller die geringste Aufmerksamkeit widmete, lieferte die aufregendsten Ergebnisse"
(Adam Johnson)
Mit Erfolg: Ganze 22 Aminosäuren sowie fünf Amine fanden sich in dem über ein halbes Jahrhundert alten millerschen Nachlass [2]. "Die Apparatur, der Stanley Miller die geringste Aufmerksamkeit widmete, lieferte die aufregendsten Ergebnisse", betont Erstautor Adam Johnson von der Indiana University in Bloomington.
(Adam Johnson)
Der Geistesblitz eines jungen Chemikers erscheint somit in noch größerem Licht. "Historisch gesehen gibt es nicht viele Experimente, die berühmter sein könnten", meint Johnson. "Sie haben unsere Ansichten vom Ursprung des Lebens umgeworfen und zeigen eindeutig, das die fundamentalen Bausteine des Lebens aus einem natürlichen Prozess stammen können."







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