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THE LANCET   24.10.08
 
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Orales Fumarat mildert schubförmig-remittierende multiple Sklerose

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Eine Phase-II-Studie konnte nachweisen, dass oral verabreichtes Fumarat (BG00012) die mit der schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose (RRMS) verknüpfte MRI-Aktivität (per Magnetresonanztomographie gemessen) erheblich verringern kann. Die Ergebnisse der Phase-III-Studien werden nun erwartet. Professor Ludwig Kappos vom Schweizer Universitätsspital Basel und Kollegen stellen die Ergebnisse in einem aktuellen Artikel vor.

BG00012 ist ein oral verabreichtes Fumarat mit einer immunmodulierenden, möglicherweise aber auch einer direkten neuroprotektiven Wirkung. In dieser randomisierten placebo-kontrollierten Studie untersuchte eine Gruppe europäischer und nordamerikanischer Wissenschaftler 257 RRMS-Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren. Diese erhielten per Zufallsverfahren im Verlauf von 24 Wochen einmal täglich 120 Milligramm (64 Patienten), dreimal täglich 120 Milligramm (64), dreimal täglich 240 Milligramm (64) BG00012 oder Placebo (65). Der primäre Endpunkt war die Gesamtzahl neuer gadoliniumanreichernder Läsionen (GdE) in den MRI-Scans nach 12, 16, 20 und 24 Wochen. Zusätzliche Endpunkte waren neue oder sich vergrößernde T2-hyperintense Läsionen und neue T1-hypointense Läsionen nach 24 Wochen, wie auch eine auf das Jahr umgerechnete Rückfallquote. Sicherheit und Verträglichkeit wurden ebenfalls bewertet.

Die Forscher stellten fest, dass die Behandlung mit dreimal täglich 240 Milligramm BG00012 die mittlere Gesamtzahl neuer GdE-Läsionen ab der 12. bis zur 24. Woche im Vergleich zu Placebo (1,4 vs. 4,5) um 69 Prozent verringerte. Sie reduzierte außerdem bis zur 24. Woche die Anzahl neuer oder sich vergrößernder T2-hyperintenser und T1-hypointenser Läsionen. Obwohl BG00012 die jährliche Rückfallquote um 32 Prozent verringerte (0,44 gegenüber 0,65 für Placebo), war dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant. Die Studie war allerdings auch nicht mit Blick auf diesen klinischen Endpunkt hin konzipiert worden. Die bei den BG00012-behandelten, gegenüber den Placebo-Patienten häufigeren Nebenwirkungen waren Unterleibsschmerzen und Hitzewallungen. Dosis-abhängige Nebenwirkungen bei den BG00012-behandelten Patienten waren Kopfschmerzen, Müdigkeit und Hitzewallungen.

Die Autoren folgern: "Längerfristige (Phase-III) Studien mit BG00012 in größeren Patientengruppen sind im Gange, um dessen Stellenwert in der zukünftigen Behandlung der schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose zu ermitteln. Wenn diese Studien vergleichbar verringerte Rückfallquoten für BG00012, Beta-Interferone und Glatirameracetat nachweisen, dann könnte BG00012 ein geeignete Erstbehandlung der RRMS darstellen. Auf Grund der Bequemlichkeit eines oral verabreichten Medikaments könnte BG00012 auch eine Alternative für jene Patienten sein, die aus Angst oder injektionsbezogenen Gründen injizierbare Ersttherapien nicht vertragen oder ausschließen. Die potenziell einzigartige Wirkungsweise von BG00012 könnte dieses auch als Mono- oder Kombinationstherapie nützlich machen."

In einem begleitenden Kommentar bemerken Professor Per Soelberg Sørensen und Dr. Finn Sellebjerg vom dänischen MS-Forschungszentrum an der Universitätsklinik Rigshospitalet in Kopenhagen: "Das Gleichgewicht zwischen Wirksamkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit ist für die Wahl eines Medikaments ausschlaggebend. Orale Rezepturen sind bezüglich der Bequemlichkeit vorteilhafter und werden von den meisten Patienten bevorzugt werden, solange Wirksamkeit und Sicherheit jenen der injizierten Alternativen gleichen. Obwohl der Vergleich von in verschiedenen Placebo-kontrollierten Studien getesteten Medikamenten schwierig ist und nur mit Bedacht vorgenommen werden sollte, könnte BG00012 im Vergleich zu den oralen Konkurrenten und den gegenwärtig verfügbaren injizierbaren Erstlinientherapien ein günstigeres Nutzen-Risiko-Profil aufweisen. Allerdings müssen wir die Ergebnisse der laufenden großen Phase-III-Studien abwarten, um den Stellenwert von BG00012 und anderen oralen Medikamenten zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose festzulegen."

Quelle: Ludwig Kappos and others. Efficacy and safety of oral fumarate in patients with relapsing-remitting multiple sclerosis: a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled phase IIb study. Lancet 2008; 372: 1463
 
http://www.thelancet.com
 
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