Hirnforschung und Meditation

Ein Dialog
Übersetzung: Singer, Wolf; Warmuth, Susanne
Edition Unseld Bd.4
2008. 133 S. 18 cm. 102g.
Einband: Kartoniert
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518260043
Produktart: Sachbuch
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Ein Dialog über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewußtseinstraining

Wolf Singer ist einer der weltweit führen Hirnforscher. Matthieu Ricard war Molekularbiologe, wurde dann buddhistischer Mönch - und Bestsellerautor. Für dieses Buch treten beide in einen Dialog über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewußtseinstraining. Sie sprechen darüber, welche mentalen Zustände mit meditativen Praktiken herbeigeführt werden sollen, welche neuronalen Vorgänge diesen zugrunde liegen, und sie fragen, ob regelmäßiges Meditieren zu nachweisbaren Veränderungen von Hirnfunktionen führt. Ihr Buch leistet einen wichtigen Beitrag dazu, den Austausch zwischen Naturwissenschaften und den kontemplativen Wissenschaften anzuregen, denn Buddhismus wird hier als eine "Wissenschaft über den Geist" verhandelt und nicht als eine Religion. Ein Thema, das in der Diskussion zentral behandelt wird, sind die Methoden, mit denen der Geist und menschliche Werte trainiert werden können, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Altruismus, emotionale Ausgeglichenheit und Glück. Darüber hinaus sprechen Singer und Ricard über die Langzeitwirkungen solchen Trainings. Die Fähigkeit des Gehirns, sich an veränderte Umstände anzupassen, wird meist im Kontext sich verändernder Außenbedingungen untersucht, aber bei der Meditation kommen die Impulse von innen und sollen eine systematische Veränderung der eigenen mentalen Dispositionen bewirken, und folgerichtig wirddie Frage gestellt, ob sich zentrale Fragen über die menschliche Natur überhaupt mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden lassen.

Rezensionen

31.10.08
Was im Gehirn von meditationserfahrenen Buddhisten anders läuft
Was passiert, wenn zwei hochrangige Vertreter unterschiedlicher Erkenntnistraditionen – der wissenschaftlichen des Westens und der buddhistischen des Ostens – aufeinandertreffen? Im besten Fall entsteht ein spannender Dialog wie der zwischen dem renommierten Hirnforscher Wolf Singer und dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard. Mit diesem Büchlein führen die beiden ihre Leser auf eine...

Leserbewertungen

08.01.12  
"Menschen können Rad fahren, nicht aber Gehirne"
PS Wegen ihrer herausragenden Bedeutung möchte ich noch auf die FAZ-Rezension des Buches durch den Marburger Wissenschaftstheoretiker Peter Janich mit dem angegebenen Titel hier aufmerksam machen; sie hat eine Diskussion zur Folge gehabt, die Janich auf dieser Seite zusammenfasst. (Von hier aus können auch die anderen - zeitlich umgekehrt angeordneten - Debattenbeiträge samt dazugehöriger Leserdiskussion angewählt werden.)
Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
25.10.08  
Leserbewertung: Hirnforschung und Meditation
Ein zwiespältiges Büchl! Aber vielleicht sollte man an einen "Dialog" zweier Personen keine großen Ansprüche stellen, die zwar auf ihrem jeweiligen Gebiet hochkompetent sind, aber von dem ihres Gegenüber so wenig kennen und verstehen, dass sie immer wieder und teilweise grotesk aneinander vorbei reden oder drauflos monologisieren. Schon bei der Begriffsverwendung hapert es: Nirgendwo versichern sich die beiden eigentlich wissenschaftlich gebildeten Gesprächspartner nach guter wissenschaftlicher Manier auch nur grundlegendster Begriffe: der Buddhist bleibt in seinem bilderreichen traditionellen Jargon, der Hirnforscher jongliert frei mit hochspezifischen Fachausdrücken - in einem Buch, in dem es kein Sachverzeichnis gibt und schon gar kein Glossar.

Vieles wird angerissen oder "gestreift", etliches ventiliert, Grundsätzliches und Entscheidendes bleibt vage oder wird sogar ausdrücklich ausgeklammert wie die Frage nach willentlicher Selbstbestimmung beim Meditieren und damit die nach unserer Willensfreiheit, obwohl der avisierte Horizont weit über meditative Selbstbeeinflussung hinaus bis zur "Weltveränderung" reicht.

Schmerzlich macht sich vor allem bemerkbar, dass beide Austauschpartner über keine ausreichenden psychologischen Kenntnisse und vor allem keine sachlich immer zutreffenden psychologischen Konzepte als gemeinsame Basis dafür verfügen, ihre jeweiligen Gedanken und Überlegungen zu Geist und Geisteszuständen, Bewusstheit und Bewusstsein, Mitgefühl und Emotionen mehr als nur gegenüber zu stellen. Dabei geht es im Kern und immer wieder auch in anderen Zusammenhängen um kaum mehr als um Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und "Gewahrsein".

Sachlich genaueres über buddhistische Meditationen wird man sich an anderem Orte suchen müssen. Dass sich intensive geistige Tätigkeit wie Meditieren neurophysiologisch auch deutlich abbilden würde – na ja, das wird auch jeder erwartet haben, der beobachtet hat, dass beim Leistungssport Muskeln anders beansprucht werden als bei Schreibtischarbeit.
Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
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