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Übersicht
WHO-Mittelvergabe entspricht nicht globalen Bedürfnissen Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO entweder aus dem regulären Haushalt oder aus gesonderten Spendenaufkommen verteilten finanziellen Mittel sind den weltweiten, durch verschiedene Krankheiten entstehenden Lasten nicht angepasst. Gesundheitsminister, Spendenorganisationen, Wohltäter und internationale Agenturen müssen dies auf ihrer vom 16. bis 19. November in Bamako in Mali stattfindenden Tagung, dem 'Global Ministerial Forum on Research for Health' ansprechen, folgert Dr. David Stuckler von der University of Cambridge in einem aktuellen Artikel der Bamako-Sonderausgabe. Die Forscher verglichen die zweijährigen Budgetverteilungen im WHO-Haushaltsplan mit den durch Krankheiten verursachten Kosten in den Jahren 1994-95 und denen der Jahre 2008-09. Die Daten wurden dann mit Krankheitskosten zweier Regionen abgeglichen, die sich in verschiedenen Stadien epidemiologischen Wandels befinden – der westpazifische Raum und Afrika. Weitere Bewertungen wurden anhand der Quelle der Finanzierung und der Entscheidungsmechanismen bezüglich der Mittelvergabe unternommen. Die Forscher stellten fest, dass WHO-Zuteilungen erheblich einseitig und überproportional Infektionskrankheiten zugeordnet wurden. In den Jahren 2006-07 widmete die WHO 87 Prozent ihres gesamten Budgets infektiösen Krankheiten, 12 Prozent nicht ansteckenden Krankheiten und weniger als ein Prozent Verletzungen und Gewaltfolgen. Ein ähnliche Verteilung der Mittel wurde in Afrika festgestellt, wo etwa 75 Prozent der Sterblichkeit auf Infektionskrankheiten beruhen, und dem westpazifischen Raum, wo etwa 75 Prozent der Sterblichkeit durch nicht ansteckende Krankheiten verursacht werden. In beiden Regionen wurde nur ein Prozent der gesamten Mittel für Verletzungen aufgewendet. Diese Schieflage zu Gunsten der Infektionskrankheiten ist im außerbudgetären Fonds, der durch Spender bereitgestellt wird und in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat, wesentlich größer verglichen mit dem regulären WHO-Haushalt, der von den Mitgliedsstaaten anhand von demokratischen Mechanismen entschieden und bei einem nominellen Nullwachstum festgehalten wird. Die Autoren folgern: "Die Entscheidungsträger in Bamako sollten die Auswirkungen der gegenwärtigen Schieflage der globalen Gesundheitsvorgaben und Krankheitsbelastungen auf die weltweite Gesundheitsforschung in Betracht ziehen. Von außenstehenden Spendern bereitgestellte Finanzmittel unterscheiden sich erheblich von jenen, welche die WHO-Mitgliedsstaaten aufbringen. Bamako bietet eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie man diesem Missverhältnis begegnen könnte." In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Alan Lopez von der School of Population Health an der University of Queensland im australischen Brisbane: "Die Diskussion sollte berücksichtigen, dass das enorme Ungleichgewicht der gespendeten Finanzmittel zu Gunsten der Kontrolle infektiöser Krankheiten für die Organisation nicht ohne Folgen bleibt: Bemühungen und Mittel zu Gunsten der ansteckenden Krankheiten werden, wenn auch gerechtfertigt, unweigerlich die Aufmerksamkeit vom gewaltigen, weit gehend vermeidbaren Gesundheitsverlust durch Verletzungen und nicht ansteckende Krankheiten abziehen. Die erhebliche Krankheitsbelastung durch Verletzungen und nicht ansteckende Krankheiten ist ebenfalls ein Anliegen der WHO und unterliegt ihrer Verantwortlichkeit. Obwohl Stuckler und Kollegen zeigen, dass die zur Kontrolle dieser Umstände bereitgestellten Mittel zunehmen, so geschieht dies doch nur sehr langsam und steht in krassem Missverhältnis zum Bedarf. Die Herausforderung für die WHO besteht darin, diesen Umstand den Spendern gegenüber überzeugender darzustellen." Ein begleitender Leitartikel diskutiert die aktuellen Fehler der Gesundheitssysteme und politischen Forschung und folgert: "Ein anderer Ansatz zur Verbesserung der Gesundheitsforschung sowie der Umsetzung von Politik in Maßnahmen ist dringend notwendig. Vergangene und gegenwärtige Anstrengungen haben versagt. Möglicherweise benötigen wir einen G8-Gipfel für die Forschung (R8), der sich aus dem US-amerikanischen Gesundheitsinstitut NIH, dem britischen Wellcome Trust, dem französischem CNRS/INSERM, dem indischem Council of Medical Research, der chinesischen Akademie der Wissenschaften, der brasilianischen Stiftung Fiocruz, dem südafrikanischem Medical Research Council und einem vergleichbaren Institut aus dem Nahen Osten zusammensetzen könnte? Diese Gruppe sollte sich vor dem wichtigen jährlichen G8-Gipfel treffen und ihr eigenes Forschungsprogramm erstellen, damit es politische Führungskräfte in Betracht ziehen und darauf reagieren können." Quelle: David Stuckler. WHO's budgetary allocations and burden of disease: a comparative analysis. Lancet 2008; 372: 1563 http://www.thelancet.com |
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