 |
| |
Biologie, Forschungspolitik, Geowissenschaften, Gesellschaft |
| |
Biblische Schöpfung oder Darwin’sche Evolution? [19.04.2004]
|
| | Ein Kommentar zur italienischen Bildungspolitik |
 |
 |
 |
| |
|
Steht die Darwin’sche Evolutionstheorie im Widerspruch zur Bibel? Ja, behauptete Italiens Bildungsministerin Letizia Moratti – und handelte entschlossen: An staatlichen Grund- und Mittelschulen in Italien darf nur noch das biblische Schöpfungsmodell unterrichtet werden. |
| |


Charles Darwin
|
Laut Bibel erschuf Gott die Welt in sechs Tagen. Fasst man die biblische Schöpfungsgeschichte als simplen Tatsachenbericht auf, so kann man sogar in einer Zeit der modernen Hektik nur staunen: Gott war unvorstellbar schnell. Das gilt besonders für die Erschaffung des ersten Mannes. Und die Herstellung der ersten Frau aus seiner Rippe beanspruchte wohl noch weniger Zeit.
Bereits im 19. Jahrhundert behauptete ein weißbärtiger studierter Theologe aus Shrewsbury in England, dass das Ganze gar nicht so abgelaufen sein kann: Charles Darwin legte seine Evolutionstheorie vor. Demnach waren alle gegenwärtigen und früheren Lebensformen durch schrittweise Veränderungen im Erbmaterial - Mutationen - und natürliche Selektion der so geschaffenen neuen Merkmale entstanden. Heutige fossile Funde zeigen, dass es über 3,5 Milliarden Jahre gedauert haben muss, bis sich aus den ersten Lebensformen auf der Erde der Mensch entwickelte.
Der Logik der Evolutionstheorie kann auch der Papst nicht widerstehen. In seiner Botschaft an die Mitglieder der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften stellte Papst Johannes Paul II. bereits am 22. Oktober 1996 fest: "Es gibt Anlass, in der Evolutionstheorie mehr als eine Hypothese zu sehen. Es ist in der Tat bemerkenswert, dass diese Theorie nach einer Reihe von Entdeckungen in unterschiedlichen Wissensgebieten immer mehr von der Forschung akzeptiert wurde."
Obwohl Morattis Verordnung somit nicht vom Papst geteilt wird, steht die italienische Bildungsministerin mit ihren Ansichten nicht alleine da. In 31 Bundesstaaten der USA streiten sich mittlerweile zahlreiche Gegner und Anhänger Darwins darum, wie man die Evolutionslehre Schülern beibringen soll. Bereits 1981 entschied das oberste US-Gericht, dass der Glaube an einen Schöpfer, der die Welt erschuf und ihren weiteren Verlauf lenkt, nicht Grundlage eines naturwissenschaftlichen Unterrichtes sein dürfe.
Doch die Darwin-Gegner gaben nicht auf und entwickelten das "Intelligent Design". Seine Verfechter tragen Hochschul-Titel und verwenden wissenschaftliches Vokabular. So wollen sie "beweisen", dass für die Entwicklung der Lebewesen ein Designer verantwortlich sein muss, eine – wie auch immer geartete - Schöpfergestalt. Bisher schafften es die ID-Anhänger nicht zu verbergen, dass ihr Beweis eines Schöpfers auf recht schwachen Beinen steht. Das Argument: Menschliche Intelligenz kann schwierige Systeme kreieren. Daher muss es eine übermenschliche Intelligenz geben, die die Kompliziertheit natürlicher Systeme erklärt.
Damit ist in der Auseinandersetzung zwischen Darwinisten und Nicht-Darwinisten das letzte Wort noch nicht gesprochen worden.

Claudia Borchard-Tuch Freie Wissenschaftsjournalistin
|
 |
| |
 |
[zurück]
[Druckansicht]
[Versenden]
|
 |
 |
 |
|