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PostScript (PS) ist eine Programmiersprache für graphische Anwendungen. Sie wurde 1985 von Adobe Systems Inc. ins Leben gerufen, und ihre Hauptaufgaben liegen in der Darstellung von Text, graphischen Formen und Bildern auf gedruckten oder angezeigten Seiten. Ein Programm in dieser Sprache kann auf den verschiedensten Geräten (z. B. Drucker) interpretiert werden und führt überall zum gleichen Ergebnis. Die Sprache ist also geräteunabhängig.
Der wesentlichste Vorteil von PostScript gegenüber anderen Graphikformaten ist die Möglichkeit, Algorithmen zu verwenden, was die Sprache sehr vielseitig macht. Dies und die Tatsache, dass PostScript recht einfach zu erlernen ist, war auch der Grund dafür, dass eine Einführung in die Sprache auf dem "Lehrplan" des Kurses 6.1 stand. Die Einführung sollte hauptsächlich darauf hinauslaufen, dass wir endlich selbst quasiperiodische Muster erzeugen könnten, die ja Bestandteil unseres Kursthemas sind.
Nachdem wir von Gabi eine kurze übersicht über den grundsätzlichen Aufbau einer PS-Datei und verschiedene Sprachkonstrukte sowie einfache Funktionen erhalten hatten, durften wir anfangen, in Gruppen am Computer zu experimentieren. (Das experimentelle Erlernen von Programmiersprachen führt wahrscheinlich am schnellsten zu sichtbaren Ergebnissen, wenn diese auch nicht immer von hohem ästhetischem oder wissenschaftlichem Wert sind.) Eine wichtige Erkenntnis, die auch zu interessanten Bildern geführt hat, war die Möglichkeit der Rekursion, mit der sich recht naturgetreue Bilder mit wenig Aufwand herstellen lassen. Diese Vorgehensweise sieht ungefähr so aus:
"Baum":
(
1. Zeichne eine Linie
2. Prüfe, ob die Linie noch groß genug ist, um Unteräste zu haben
3. Wenn ja: Zeichne ans Ende der Linie zwei etwas kleinere Bäume
)
Die "Baum"-Funktion ruft sich also solange selbst auf, bis die gewünschte Detailstufe erreicht ist. Das Ergebnis ist ein Stamm, der zwei Äste hat, von denen jeder zwei Äste hat, von denen wiederum jeder zwei Äste hat und so weiter).
Mit ähnlichen Algorithmen lassen sich noch viele andere Formen herstellen: das sog. Sierpinski-Dreieck oder auch Farne und andere Pflanzen (vgl. Abbildungen).
Zum Erzeugen quasiperiodischer Tilings bedarf es einiger Änderungen: Zum einen wird ein Teil, das selbst Unterteile besitzt, nicht gezeichnet. Außerdem bestehen alle bisher gefundenen Tilings aus Steinen von mindestens zwei verschiedenen Sorten. Daher muss man (angenommen, ein Muster besteht aus Quadraten und Rauten) die Unterteilungsregeln dahingehend ändern, dass ein Quadrat immer in Rauten und Quadrate unterteilt wird und eine Raute immer in Quadrate und Rauten. In diesem Sonderfall ist es notwendig, dass sich zwei Funktionen gegenseitig aufrufen. Nach nächtelangem Probieren ist es uns jedoch tatsächlich gelungen, ein rekursiv erzeugtes oktagonales Muster zu zeichnen.
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