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Gegeben sei eine Funktion y = f(x). Die Ableitung von f(x) ist definiert als
| f ¢(x) = | dy dx |
= | lim Dx®0 |
f(x + Dx) - f(x) Dx |
. |
Gesucht wird eine Möglichkeit, die Funktion f(x) als Potenzreihe darzustellen. Dazu gehen wir rückwärts vor: Wenn eine Reihendarstellung
| f(x) = a0 + a1x + a2x2 + a3x3 + a4x4 + ... |
| f ¢(x) = a1 + 2a2x + 3a3x2 + 4a4x3 + ... ; f ¢(0) = a1. |
| f ¢¢(x) = 2a2 + 2 · 3a3x + 3 · 4a4x2 + ... ; f ¢¢(0) = 2a2; a2 = | 1 2! |
f ¢¢(0). |
| f ¢¢¢(x) = 2 · 3a3 + 2 · 3 · 4a4x + ... ; f ¢¢¢(0) = 2 · 3a3; a3 = | 1 3! |
f ¢¢¢(0). |
Somit ist ak = (1 / k!)f (k)(0). Einsetzen in die Ausgangsreihe ergibt
| f(x) = f(0) + | f ¢(0) 1! |
x + | f ¢¢(0) 2! |
x2 + | f ¢¢¢(0) 3! |
x3 + ... = | ¥ å n = 0 |
f (n)(0) n! |
xn |
| f(x + h) = f(x) + | f ¢(x) 1! |
h + | f ¢¢(x) 2! |
h2 + | f ¢¢¢(x) 3! |
h3 + ... = | ¥ å n = 0 |
f (n)(x) n! |
hn. |
Das ist eine unglaublich dreiste Behauptung! Schaut euch zum Beispiel die Taylorreihe in der ersten Form (f(x) = f(0) + ...) mal scharf an. Auf der linken Seite steht f(x), und auf der rechten kommen f und seine Ableitungen nur im Punkt x = 0 vor. Das ist höchst merkwürdig. Nehmen wir an, x sei die Zeit, und wir können irgendeine Größe f samt allen ihren Ableitungen zum Zeitpunkt x = 0 bestimmen. Dann könnten wir sie für jeden beliebigen Zeitpunkt x > 0 in der Zukunft berechnen! Das kann nicht gut sein. Eine Funktion ist eine Vorschrift, die jedem x genau ein f(x) zuordnet - keine weiteren Einschränkungen. Wer eine Funktion definiert, darf ihr für x = 1 einen beliebigen Wert geben und ist nicht daran gebunden, was er in einer Umgebung von x = 0 festgelegt hat. Aber f(0), f¢(0) und so weiter hängen nur davon ab, was sich in einer beliebig kleinen Umgebung von x = 0 abspielt. Wie kann man daraus erschließen, was die Funktion bei x = 1 macht? Im Allgemeinen gar nicht.
Aber unter welchen Umständen existiert diese Reihe überhaupt? Nach der Taylorschen Formel gilt:
| f(x + h) = f(x) + | f ¢(x) 1! |
h + | f ¢¢(x) 2! |
h2 + | f ¢¢¢(x) 3! |
h3 + ... + | f (n) n! |
hn + Rn |
Ach so. Also: Damit diese wundersame Zukunftsvorhersage funktioniert, muss f nicht nur unendlich oft differenzierbar sein (diese höheren Ableitungen müssen alle existieren, und zwar auf dem ganzen Intervall), es muss auch noch das Restglied Rn für n ® ¥ gegen 0 gehen. Das Schöne ist: Dieses Wunder findet überraschend häufig statt. Seine Voraussetzungen treffen auf alle Funktionen zu, mit denen man in der Mathematik üblicherweise umgeht, und sie treffen (meistens) auf die Funktionen zu, für die wir uns hier verschärft interessieren: Lösungen von Differentialgleichungen (siehe die nächsten Beiträge). Das ist nicht so verwunderlich: Differentialgleichungen lösen ist dasselbe wie die Zukunft vorhersagen, und das tut eine Taylorreihe auch (wenn sie konvergiert).
Die typische Situation ist folgende: Wir kennen f nicht (f ist gesucht), und wir haben nur Informationen über f und einige seiner Ableitungen in einem Punkt (zum Beispiel x = 0). Was können wir daraus für f(x) für x > 0 schließen? Solange x klein ist, ist xn noch viel kleiner; für große n tut das n! im Nenner das Seinige, um das Restglied klein zu machen; wir machen also keinen großen Fehler, wenn wir das Restglied einfach vernachlässigen, und können f(x) aus den restlichen (berechenbaren) Termen ziemlich genau bestimmen — – - vorausgesetzt, der letzte Bestandteil des Restglieds, f (n + 1)(x*), hält sich in Grenzen. Den kennen wir nämlich meistens nicht, können ihn allenfalls abschätzen.
Also: Die Taylorreihe verschafft uns eine gewisse unscharfe Information über das Verhalten einer Funktion in der Nähe eines Punktes, in dem wir über sie Bescheid wissen. Wie unscharf, wissen wir im Prinzip auch, in der Praxis meistens nicht, weil wir die Funktion nicht kennen (und wenn wir sie kennen würden, müssten wir uns nicht mit der Taylorreihe rumquälen). Diese (unvermeidliche) Unklarheit vererbt sich auf die Aussagen, die wir später mit Hilfe der Taylorreihe herleiten.
| sin(x) = | ¥ å n = 0 |
(-1)n | x2n + 1 (2n + 1)! |
= x - | x3 3! |
+ | x5 5! |
- | x7 7! |
+ | x9 9! |
- ... |
| cos(x) = | ¥ å n = 0 |
(-1)n | x2n (2n)! |
= 1 - | x2 2! |
+ | x4 4! |
- | x6 6! |
+ | x8 8! |
- ... |
| ex = | ¥ å n = 0 |
xn n! |
= 1 + x + | x2 2! |
+ | x3 3! |
+ | x4 4! |
+ | x5 5! |
+ | x6 6! |
+ ... |
| ln(1 + x) = | ¥ å n = 1 |
(-1)n - 1 | xn n |
= x - | x2 2 |
+ | x3 3 |
- | x4 4 |
+ | x5 5 |
- | x6 6 |
+ ... , -1 < x £ 1 |
| arctan(x) = | ¥ å n = 1 |
(-1)n - 1 | x2n - 1 2n - 1 |
= x - | x3 3 |
+ | x5 5 |
- | x7 7 |
+ | x9 9 |
- ... , -1 £ x £ 1 |
Gegeben sei eine Funktion f(x), die in x0 £ x £ xn stetig sei. Man unterteilt das Intervall [x0, xn] in n Teilintervalle durch die Punkte x1, x2, x3, ... , xn - 1. In jedem dieser Teilintervalle sei ein Punkt x*j ausgewählt und f(x*j) sein Funktionswert. Man multipliziert nun jeweils diesen Funktionswert mit der Länge des Teilintervalls Dxk = xk - xk - 1 (die nicht konstant sein muss) und bildet die Summe:
| f(x*1)(x1 - x0) + f(x*2)(x2 - x1) + f(x*3)(x3 - x2) + ... + f(x*n)(xn - xn - 1) = | n å k = 1 |
f(x*k)Dxk. |
lim Dx®0 n®¥ |
n å k = 1 |
f(x*k)Dxk |
| ó õ |
b a |
f(x) dx |
| ó õ |
f(x) dx , |
| I(x) = | ó õ |
x a |
f(x) dx = F(x) - F(a). |
| ó õ |
xn dx = | xn + 1 n + 1 |
+ C |
| ó õ |
dx x |
= ln |x| + C |
| ó õ |
sin x dx = - cos x + C |
| ó õ |
cos x dx = sin x + C |
| ó õ |
ex dx = ex + C |
Zwei Freunde sitzen in der Kneipe und erregen sich über die mathematische Unbildung der Menschen - vor allem Alfred. Bruno hält dagegen, so schlimm sei es doch gar nicht, und gewisse mathematische Kenntnisse seien in der Allgemeinheit durchaus verbreitet. Als Alfred austreten muss, winkt Bruno die Kellnerin herbei: "Ich will meinem Freund einen Streich spielen. Ich werde Sie vor seinen Ohren fragen, wieviel ò x dx ist, und Sie antworten einfach x2/2." Kaum kommt Alfred vom Klo zurück, ruft Bruno, um seine Behauptung zu "beweisen", die Kellnerin herbei, fragt: "Wieviel ist ò x dx?", die Kellnerin antwortet "x2/2", dem Alfred klappt der Unterkiefer runter, da wendet sich die Kellnerin zum Gehen und sagt über die Schulter weg "plus C".
Nie die Integrationskonstante vergessen!
Die Produktregel der Differentiation lautet
| d(uv) dx |
= | du dx |
v + u | dv dx |
| (uv)¢ = u¢v + uv¢. |
| uv + C = | ó õ |
u¢v dx + | ó õ |
uv¢ dx |
| ó õ |
uv¢ dx = uv - | ó õ |
uv¢ dx. |
Man erhält bereits einige Näherungsformeln für bestimmte Integrale, wenn man statt des Grenzwerts eine der Größen berechnet, die gegen diesen Grenzwert konvergieren:
| ó õ |
b a |
f(x) dx | » | n å k = 1 |
f(xk)Dxk (Wert am rechten Rand des Teilintervalls) oder |
| ó õ |
b a |
f(x) dx | » | n å k = 1 |
f(xk - 1)Dxk (Wert am linken Rand) oder |
| ó õ |
b a |
f(x) dx | » | n å k = 1 |
f( | xk + xk - 1 2 |
)Dxk (Wert in der Intervallmitte) |
| ó õ |
b a |
f(x) dx » | n å k = 1 |
1 2 |
(f(xk) + f(xk - 1))Dxk. |
| æ ç è |
1 2 |
f(a) + | n - 1 å k = 1 |
f(xk) + | 1 2 |
f(b) | ö ÷ ø |
Dx. |
| ó õ |
b a |
f(x) dx » | Dx 3 |
(f(x0) + 4f(x1) + 2f(x2) + 4f(x3) + ... + 2f(xn - 2) + 4f(xn - 1) + f(xn)). |
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