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Mondlandung: Armstrong verschluckte ein "a"

An jenem schicksalhaften 21. Juli 1969, als Neil Armstrong die Landefähre von Apollo 11 verließ, um als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond zu setzen, wurden Millionen von Menschen rund um den Erdball Zeuge, wie er seinen Satz vermasselte: "One small step for man, one giant leap for mankind", funkte er nach Hause, anstelle von "… for a man …". Den berühmten Ausspruch machte er damit strenggenommen sinnlos, denn "man" ohne Artikel bedeutet im Englischen soviel wie "Menschheit" und steht damit in keinerlei Gegensatz zu "mankind".

Erster Mann auf dem Mond | Am 21. Juli 1969 setzte Neil Armstrong den ersten Fuß auf den Mond. Dieses ist eins der wenigen Fotos, die den Astronauten auf seiner Mission zeigen.
John Olsson, Chef des privaten "Forensic Linguistics Institute" im walisischen Llanfair Caereinion und der Mondlandungsexperte Christopher Riley wollen nun endgültig und zweifelsfrei nachgewiesen haben, dass Armstrong tatsächlich das "a" vergaß. Dabei konnten sie sich auf neu veröffentlichtes Tonmaterial stützen: Die Nasa hat die Aufzeichnungen des Funkverkehrs kürzlich in hoher Qualität digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Weil durch die Umstände der Mondlandung hinreichend klar war, worauf der Apollo-11-Kommandant mit seinem Ausspruch hinauswollte, hatten die meisten Ohrenzeugen der Übertragung den Fehler überhört. Er war aufgefallen, als die Aufzeichnungen wieder und wieder abgespult wurden. Nach anfänglichem Zögern, gestand sogar Armstrong selbst ein, den unbestimmten Artikel anscheinend vergessen zu haben.

Erst im Jahr 2006 wurde die Debatte wieder zum Leben erweckt, als der Computer-Experte und Amateurphonetiker Peter Shann Ford einen Rehabilitierungsversuch Armstrongs startete. Mittels simpler Frequenzanalysen wollte er damals aufgezeigt haben, dass in den rund 35 Millisekunden zwischen "for" und "man" durchaus ein "a" hineingepasst habe, das allerdings von statischem Rauschen überdeckt worden sei – eine Deutung, die Sprachwissenschaftler schnell mit dem Verweis auf die Pause zwischen "for" und "mankind" in Zweifel zogen: Diese unterscheidet sich nämlich nicht wesentlich von der kritischen Phase im Satz weiter vorne, und hier war nie ein eingeschobener Artikel geplant. Das bestätigten jetzt auch Olsson und Riley: Es sei völlig klar, dass es keinerlei Platz für ein unhörbares "a" gebe.

Fußabdruck | Dieser Fußabdruck stammt von einem der ersten Schritte auf dem Mond: Hinterlassen hat ihn allerdings nicht Neil Armstrong, sondern sein Kollege Buzz Aldrin.
Zur Untermauerung ihrer These analysierten sie mit bis dato unübertroffener Sorgfalt auch andere Armstrongsche Sprachproben: Weitere Funksprüche ("the surface is like a powder"), Interviews nach der Rückkehr der Kapsel, sogar Tonaufzeichnungen der Eltern des Kommandanten. Sie kamen zu dem Schluss, dass weder Armstrong an Ausspracheproblemen irgendwelcher Art leide, noch dass der Dialekt rund um seinen Heimatort Wapakoneta im US-Bundesstaat Ohio zum Verschleifen von Artikeln neige.

Schaut man sich die Frequenzanalyse des Funkspruchs allerdings sehr genau an, fallen in der entscheidenden Phase zwischen "for" und "man" mehrere kleine Signale auf, die an der entsprechenden Stelle weiter hinten nicht auftauchen: Völlig auszuschließen ist es daher nicht, dass der Astronaut eventuell doch mit einem feinen Zittern seiner Stimmbänder den Vokal hätte angedeutet haben können.

Mit soviel Haarspalterei wollen Olsson und Riley dann aber doch nicht in Verbindung gebracht werden. Im Gespräch mit der BBC bemühen sie sich, nicht als Spielverderber dazustehen: Durch Weglassen des "a" hätte der Satz überhaupt erst seinen eingängigen Rhythmus gewonnen, daraus beziehe er seine poetische Kraft. Es sei ein grandioses Beispiel für improvisierte Dichtkunst, mit der Armstrong die Bedeutung des Moments auf den Punkt gebracht habe.

Damit stechen sie allerdings in ein weiteres Wespennest, denn der berühmte Satz ist Gegenstand einer weiteren Kontroverse, bei der ebenfalls seit nun vierzig Jahren das letzte Wort nicht gesprochen ist: Dachte ihn sich Astronaut selbst aus, besprach er ihn mit seiner Frau oder hatte am Ende sogar ein unbekannter Nasa-Poet die Hände im Spiel?

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