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Lexikon der Geographie |
Armut, allgemeine Bezeichnung für die absolute Armut und auch die relative Armut; Unterversorgung einer Einzelperson oder Personengruppe mit materiellen und immateriellen Ressourcen, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Armut ist ein Phänomen mit vielen Dimensionen, das in Form von Massenarmut als ein zentrales Problem der Entwicklungsländer begriffen wird. Armut in Entwicklungsländern basiert auf einem Zusammenwirken von exogenen (weltwirtschaftliche Positionierung, Kredit- oder Technologieabhängigkeit, Überschuldung u.a.) und endogenen Faktoren (Krieg, Regierungsführung ohne Kontrolle und Partizipation, nicht angemessene Entwicklungsprioritäten), die sich teilweise gegenseitig bedingen, und für jedes Land ein spezifisches komplexes Ursachengeflecht ergeben. In der entwicklungspolitischen Diskussion wird Armut unterschiedlich definiert. Die Armutsdefinitionen von Weltbank und UNDP kommen am häufigsten zur Anwendung. Die Armutsdefinition der Weltbank bezieht sich auf das monetäre Einkommen, das einer Person für die Deckung der Grundbedürfnisse zur Verfügung steht. Als arm gilt, wer eine bestimmte Einkommensgrenze unterschreitet bzw. ein gewisses Maß an Konsumausgaben nicht erreicht. Nach Definition des Entwicklungsprogramms der UNDP ist Armut zu verstehen als Vorenthaltung von Chancen und Wahlmöglichkeiten, die für eine menschliche Entwicklung grundlegend sind. Das Konzept der menschlichen Armut, das 1997 von UNDP vorgelegt wurde, beruht auf der Einsicht, dass allein mangelndes Einkommen nicht die Gesamtsumme menschlicher Entbehrungen darstellt. Menschliche Armut bedeutet demnach, kein langes, gesundes und kreatives Leben führen zu können, nicht über Wissen zu verfügen, keinen angemessenen Lebensstandard, keine Würde, keine Selbstachtung und keine Achtung durch andere zu haben. Dieser Armutsbegriff wird durch die Verwendung von sozialen Indikatoren (Sterbewahrscheinlichkeit unter 40 Jahren, Analphabetenquote, Zugang zu Trinkwasser und Gesundheitsdiensten, Kindersterblichkeitsrate), die in dem Human Poverty Index (HPI) zusammengefasst sind, messbar gemacht. Der HPI gibt Auskunft über den Anteil der Menschen in einer Gesellschaft, der von menschlicher Armut betroffen ist. Er weist auf Mangelerscheinungen hin, die nicht in Geldeinheiten abgebildet werden können. 1998 wurde der HPI für 85 Entwicklungsländer berechnet: Uruguay wies mit 3,9% die geringste menschliche Armut auf, in Niger war die Verbreitung menschlicher Armut mit 67,4% am größten. Die Industrieländer begegnen dem Armutsproblem in Entwicklungsländern im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit mit unterschiedlichen Konzepten der Armutsbekämpfung.
RMü
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