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Artikel Lexikon der Neurowissenschaft

Amygdala w [von griech. amygdale = Mandel], Mandelkern, Corpus amygdaloideum, E amygdala, amygdaloid body, an der medialen Spitze des Temporallappens unmittelbar vor dem Hippocampus gelegenes Kerngebiet, welches zum limbischen System gerechnet wird. Unter dem Aspekt der vergleichenden Neuroanatomie handelt es sich um einen früh entstandenen inneren Kern des Telencephalons, also ein Basalganglion. Sie wird deshalb analog zum Archipallium als Archistriatum bezeichnet. Die Amygdala besteht aus mehreren Untereinheiten, die man grob in die auch funktionell gut zu unterscheidenden corticomedialen und basolateralen Gruppen zusammenfassen kann. Der basolaterale Teil der Amygdala erhält Informationen aus sämtlichen Sinnessystemen, sowohl direkte aus dem Bulbus olfactorius (Riechkolben) und von den thalamischen Schaltkernen der übrigen Sinnesmodalitäten als auch indirekte aus dem entorhinalen Cortex. Der corticomediale Teil entsendet über die Stria terminalis und die basale Mandelkernstrahlung eine massive Afferenz in den Hypothalamus und beeinflußt so die Freisetzung von Streßhormonen und das vegetative Nervensystem. Deren Aktionen wirken als Gefühle wieder auf das Gehirn zurück. Die Amygdala ist also eine zentrale Verarbeitungsstation für externe Impulse und deren vegetative Auswirkungen; sie wird als diejenige Hirnstruktur betrachtet, die für die emotionale Einfärbung von Informationen zuständig ist. Tierexperimente haben ihre Rolle für die Konditionierung von Angstzuständen gezeigt. Beidseitige Zerstörung der Amygdala führt zum Verlust von Furcht und Aggression, gleichzeitig aber auch zu Reizgebundenheit und gesteigerter sexueller Aktivität (Klüver-Bucy-Syndrom). Die neuen bildgebenden Verfahren (PET, fMRI) haben gezeigt, daß die Amygdala an der Erkennung von Gesichtern beteiligt ist und eine hohe Aktivität aufweist, wenn diese Angst signalisieren. Demnach ist also die Amygdala verantwortlich für die Analyse des Gefährdungspotentials der auf das Individuum einwirkenden Außenreize ( siehe Zusatzinfo ). Emotionen.

Amygdala

Ein Affe, dessen beide Amygdalae operativ entfernt wurden, war unter Laborbedingungen ohne weiteres lebensfähig, als er jedoch wieder in Freiheit entlassen wurde, ist er nach bestem Vermögen anderen Affen ausgewichen, so als wäre er nicht mehr in der Lage, zwischen freundlichen und unfreundlichen Gesten seiner Artgenossen zu unterscheiden.

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  Anatomie und Physiologie

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