Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Kritische Hinterfragung

    02.04.2015, Horst van Bremen, Lemgo
    Das Magazin "Der Spiegel" hat das Vorhaben der EU, das Human Brain Project mit einer Milliarde Euro zu fördern, in der Ausgabe 6/2013 als „Aufruf zur Verschwendung“ bezeichnet. Die Idee des Henry Markram, das menschliche Gehirn binnen zehn Jahren im Computer zu simulieren, wurde als völlig aussichtslos eingeschätzt. In der Ausgabe 12/2015 legt "Der Spiegel" nach und fordert: „Schluss mit dem Unfug von der Hirnsimulation.“ Markram hat ausgerechnet die Neurowissenschaftler gegen sich aufge-bracht und versucht nun, sein Hirnforschungsprojekt ohne Hirnforscher durchzuziehen.
    Nahezu zeitgleich hierzu veröffentlichte "Spektrum der Wissenschaft" in der Ausgabe 3/2015 einen Artikel zweier am Human Brain Project beteiligter Wissenschaftler. Dieser Artikel liefert ungewollt, aber eindrucksvoll die dem Spegel-Leser fehlende inhaltliche Argumentation gegen dieses Vorhaben nach. Eingangs geben die Forscher zu, dass es noch nicht einmal bei einem Fadenwurm gelungen ist, sein Verhalten aus dessen kümmerlicher Ausstattung mit 302 Neuronen herzuleiten. Es sei „noch viel aussichtsloser, beim Menschen aus neurobiologischen Prozessen auf Handlungen zu schließen“ [von Gedanken usw. ganz zu schweigen] – um dann genau das zu propagieren. Sie wollen die elektrische Aktivität von „Tausenden oder Millionen von Neuronen“ aufzeichnen und sich dann schrittweise zum menschlichen Gehirn hochhangeln.
    Interessant sind in diesem Artikel die teils versteckten Konjunktive, zum Beispiel: „Solche bahnbrechenden Methoden [gemeint sind diese Aufzeichnungstechniken, keine echten Methoden] verknüpfen dann vielleicht die einzelnen feuernden Neuronen mit Kognition: mit Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen und letztlich dem Bewusstsein selbst“. Mit „vielleicht“, „denkbar“, „vermutlich“, „könnten“, „dürften“ etc. wird argumentativ immer wieder das steile Kliff zwischen den vorgeschlagenen elementarsten Beobachtungen und dem höchst komplexen Forschungsobjekt verschleiert. Das ist intellektuell unredlich. Man kann es aber auch wie Hamlet kommentieren: „There is method in this madness.“

    Besonders schlimm wird es, wenn die Autoren behaupten, Wissenschaftler könnten auf Grund des Studiums neuronaler Netze „Krankheiten wie Alzheimerdemenz oder Autismus leichter diagnostizieren“ … und Mediziner könnten daraufhin „die spezifischen Veränderungen im Hirn nachvollziehen und versuchen, wieder eine normale Funktion herzustellen“. Das ist ganz klar Scharlatanerie, keine Wissenschaft mehr. Den Autoren fehlt offenbar völlig die Ehrfurcht vor ihrem Forschungsobjekt, dem komplexesten Gebilde im ganzen uns bekannten Universum.

    Es verbietet sich aus Platzgründen, in einem Leserbrief dieses Machwerk einzeln auseinanderzunehmen. Nach über 45 Jahren Informatik weiß ich allerdings nicht, ob ich über die vorgeschlagene Anhäufung von vielen Petabyte gemessener Neuronenaktivitätsmuster lachen oder weinen soll. Wie aus diesen Datenmengen, vor denen unsereinen höchster Respekt befällt, auch nur der Hauch eines brauchbaren Auswertungsergebnisses hervorgezaubert werden soll, bleibt völlig rätselhaft. Es wäre vergleichsweise einfach, aus dem Geflacker von Leuchtdioden, die mit dem Prozessorkern eines sehr einfachen Rechners verbunden wären, die Struktur des Betriebssystems und die Programmierfehler in den dort laufenden Applikationen zu ermitteln. Jedem Informatiker ist aber klar, dass ein solcher Ansatz völlig hirnrissig und aussichtslos wäre. Um so mehr gilt das für die Prozesse im Gehirn, deren Komplexität um viele Größenordnungen über derjenigen liegt, die wir heutzutage programmierend bewältigen können.
    Ich sehe die derzeitigen Vorschläge, Gehirne zu simulieren oder sogar bioelektrisch aufzurüsten, aus den folgenden Gründen als unbrauchbar an:
    • Jede Simulation setzt voraus, dass das zu Simulierende vollständig verstanden wurde. Davon kann bei keinem Gehirn die Rede sein, ja nicht einmal beim Fadenwurm. Ist es nicht Simulation, so ist es bestenfalls Imitation wie bei den hochtrabend „neuronale Netzwerke“ genannten Imitaten – aber was lehrt uns die?
    • Die Simulation eines Gehirns in einem Rechner setzt voraus, dass es darin eine Software gibt, die sich von der Hardware abtrennen läßt. Wenn aber die Software die Hardware ist und umgekehrt, wie soll diese Trennung stattfinden?
    • Angenommen, diese Simulation sei dennoch möglich. Dann benötigt sie mindestens einen konsistenten Startpunkt, an dem alle simulierten Neuronen mit ihrer Aktivität einsetzen, um richtig zusammenzuarbeiten. Wie sollen diese Initialisierungsdaten ermittelt werden? Eigentlich müsste man bei der embryonalen Gehirnentstehung ansetzen, um sich über die Fötalphase, Kindheit und Jugend dem erwachsenen Gehirn zu nähern …
    • Die Simulation würde ein Gehirn erschaffen, das keinerlei Wahrnehmung seiner Umgebung besäße und dessen Körper am Hals querschnittsgelähmt wäre – es sei denn, es würden auch alle Sinne sowie die gesamte Aktivität im Rückenmark und in den peripheren Nerven zutreffend simuliert. Dennoch hätte die Simulation bis dahin nur einen Homunculus erschaffen, der unter dem Locked-in-Syndrom unendlich leiden würde.
    • Daher müsste dieses Gehirn in Interaktion mit einer simulierten Umwelt treten, also ein „reales“ Leben führen und seinen Tod antizipieren – der allerdings jederzeit durch die Beendigung der Simulation eintreten könnte. Die Angst davor, nachdem dieses Gehirn seine tatsächliche Nichtexistenz verstanden hat, würde alle Forschungen an seinen „Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen und letztlich dem Bewusstsein selbst“ zu Müll degradieren. Dies wäre die Situation eines zum Tod Verurteilten, der jederzeit hingerichtet werden kann. Was passiert, wenn die Simulation aus dem Ruder läuft? Wir betreten hier eindeutig das Gebiet der Sciencefiction.
    • Final ist keineswegs auszuschließen, dass die so gewonnenen „Erkenntnisse“ völlig wertlos wären, weil aus der simulierten Neuronenaktivität auf keinem denkbaren Weg auf diejenigen Vorgänge geschlossen werden kann, die uns zu Menschen machen.
    • Die naheliegendste technische Analogie zu einem menschlichen Gehirn scheint zu sein, dass es aus etwa 100 Milliarden einfacher, aber unterschiedlicher Prozessoren besteht, die in unbekannter Weise miteinander verschaltet sind, neue Verbindungen auf- und alte abbauen, sterben (ausfallen) und durch neue ersetzt werden, die sich in das Zusammenspiel perfekt selbst eingliedern. Der Versuch, solch ein Netzwerk auf einem System mit einer - bestenfalls – fünfstelligen Anzahl von Prozessoren zu simulieren, kann derzeit und in absehbarer Zukunft nicht gelingen. Dazu fehlen sämtliche Voraussetzungen.
    Von "Spektrum der Wissenschaft" erwarte ich, dass solchen Artikeln eine kritische Stimme beigesellt wird, die deren Schwächen aufdeckt und dazu anregt, über die richtige Allokation von Forschungsmitteln nachzudenken. Eine hinausgeworfene Milliarde – was könnte damit alles an wirklich Sinnvollem bewirkt werden? Ein Jammer!
  • Die Schlagzeile könnte natürlich auch lauten...

    02.04.2015, Erik G.
    "Vegane Ernährung ist am klimafreundlichsten" oder "70% der Ackerflächen dienen der Ernährung von Rindern". Richtig ist: Die generelle Reduktion des Fleischkonsums bringt dem Klima mittelfristig mehr als der Anspruch, die Zahl der Veganer zu erhöhen. Außerdem wäre interessant, inwiefern sich eine traditionelle vegane Kost in der Klimabilanz von jener unterscheidet, die auf die inzwischen zahlreich erhältlichen veganen Fleischersatzprodukte zurück greift.
  • Verdreht Studien mit irren Annahmen

    02.04.2015, T.Beer
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fleischesser auf weißes Fleisch umsteigt UND gleichzeitig mal eben alle Milchprodukte sein lässt, ist gleich null. Das ist ein utopischer Vergleich!!
    Ärgerlich ist, dass die Überschrift etwas völlig anderes suggeriert....
  • Holland oder Niederlande

    02.04.2015, Paul R. Woods
    Es sind nicht nur die Holländer, die wuchsen, auch die anderen Niederländer in den übrigen 10 Provinzen wurden größer.

    Zusätzliche Erklärungen ob Holland oder Niederlande:
    https://www.youtube.com/watch?v=eE_IUPInEuc
  • Sind sie nicht...!

    02.04.2015, Michael
    ...Den Beweis, dass Holländer größer sind als Montenegriner oder Serben (Oder eines der Dinarischen-Völker) müssen sie noch liefern...Denn andere Statistiken zeigen nämlich genau das...!
    Die These, dass eine spätere Heirat diesen Trend begünstig wäre dann auch hinfällig...Auf dem Balkan wird früher geheiratet als in Holland...!
  • Wachtumshormone?

    02.04.2015, Jan
    Es wäre sicher interessant festzustellen, inwiefern Fleischkonsum von Hormon-behandelten Tieren (insb. USA/Europa) einen Einfluss auf das Wachstum des menschlichen Körpers nimmt.
    Warum wird dieses nicht als Ursache erwähnt. Es ist doch offensichtlich: wie nehmen die Medikamente mit denen wir unsere Tiere gefüttert haben zu uns, und - ja, sie haben das gleiche Resultat im menschlichen Körper - Wachstum! Gesund?
  • April

    02.04.2015, Herbert Will
    hat dieser Beitrag etwas damit zu tun, das morgen der 1. April ist?
  • echte Forscher?

    02.04.2015, OhWeia!
    Man muss nur wissen, wo man fragen/suchen muss.
    In der Textilindustrie gibt es genug Quellen für Baumwolle ohne optischen Aufheller. Wenn man - meinerseits unterstellt - nur bei weißen Fertigprodukten recherchiert, mag es dann schwierig werden. Aber Baumwolle wächst nicht per se mit optischem Aufheller ausgerüstet am Baum bzw. besser am Strauch und wird erst einige Produktionsprozesse später dann entsprechend dem späteren Einsatz weiterverarbeitet: mit oder ohne optische Aufheller
  • Immerhin war das Land mal "Wirtschaftslokomotive"

    01.04.2015, Kaelberer
    Denn vor der Industrialisierung gehörten die Handelsnationen Holland (und Belgien) zu den reichsten Ländern der Welt. Da das wohl auch die Ernährung verbessert haben dürfte ist der Rest dann wohl klar.
  • Ist doch klar ...

    01.04.2015, Carlo
    ... die Deiche werden immer höher, weil der Meeresspiegel steigt. Und die Niederländer müssen schon drübergucken können.
  • Die Intensivlandwirtschaft tötet

    01.04.2015, H. Müller
    Und daran ändern Greening- Programme auch nichts. Grünland, 4mal gemäht, bringt keine Blühpflanzen mehr hervor. Düngung mit Gülle, Stickstoff, unterdrückt die Leguminosen... Grüne Wüsten. *Beikrautunterdrückung* in anderen Ackerkulturen entzieht ebenso den Insekten Nahrungsvielfalt (erinnert sich noch wer an Kornblumen? Davon ernteten Imker früher Honig...)

    Die Pestizidproblematik wird im Artikel nur am Rande angeschnitten, dabei ist auch sie ursächlich für das abnehmen der Insektenpopulationen (in deren Folge auch die Singvögel probleme bekommen) und der Raps nimmt auch da eine herausragende Stellung ein, will sagen, die Cocktails, die dort verspritzt werden, schreien zum Himmel.

    Beim Leser soll wahrscheinlich hängenbleiben: *Klimawandel, möglich sind +5,8°C bis 2100*...

    So was kann nicht ernst gemeint sein.
  • Was an dieser Massentötung auch noch schlimm ist

    01.04.2015, NiLaterne
    In den tiefen des Meeres bilden Kadaver von Walen DAS Nahrungsreservoire. Durch die Massentötung der Wale haben wir somit das Leben dort unten bereits verändert, als wir noch dachten,da gäbe es nichts.
    Dieses aber hat gewiss auch die Nahrungskette im Meer bereits beeinflusst haben.
    Nur, wissen, was da genau durch das Töten geschehen ist werden Wissenschaftler wohl nicht herausbekommen.
  • Es muss nicht immer computerunterstützt sein.

    01.04.2015, J.Rott
    Bei vielen unserer heutigen Medikamenten möchte ich die Rohstoffe auch nicht unbedingt sehen. Es muss nicht immer ein Gegenmittel sein, das auf an bestimmtes Molekül am biologischen Gegner andockt. Die Alten wussten sich durchaus zu helfen. Man denke nur an Weihrauch. Dort geht es auch nicht um DEN bestimmten Wirkstoff.
  • Jaja, die Norges

    01.04.2015, J. Rott
    Ich glaube, dass man von norwegischen Verhältnissen auf die Allgemeinheit schließen kann. Dort wirken ganz andere soziale Zwänge. In einem Land, wo in der Zeitung veröffentlicht wird, wer wie viel Steuern zahlt, wirkt dadurch auch inneren Druck auf Unterstützungsmepfänger aus.
  • "...auch Wegwerfware wie Mullbinden oder eben Tampons."

    01.04.2015, AfterYou
    die tampons eben nicht, deshalb kommen sie ja hier zum einsatz.