"Dass sich Aliens als zweibeinige Primaten herausstellen, damit würde ich ebenfalls nicht rechnen. Ich glaube aber, dass [Shermer] die Wahrscheinlichkeit, die dagegen spricht, deutlich überschätzt. [Der Paläontologe von der University of Cambridge] Simon Conway Morris, dessen Kompetenz auf diesem Gebiet man keinesfalls unterschätzen sollte, hält bipede Primaten auf fernen Planeten für nicht unwahrscheinlich. Und Ed Wilson [ein Biologe an der Harvard University] hat sich zumindest einige Zeit lang mit Überlegungen beschäftigt, denen zufolge – wäre ihnen nicht die Katastrophe an der Kreide-Tertiär-Grenze dazwischen gekommen – aus Dinosauriern etwas Ähnliches hätte werden können wie es diese Zeichnung zeigt [eine Illustration des Paläontologen Dale A. Russell, die einen möglichen evolutionären Weg vom zweibeinigen Dinosaurier zu einem reptilienartigen Humanoiden skizziert]."
Wenn es im Wesen der Evolution liegen sollte, dass sich mit einer gewissen Unvermeidbarkeit ein intelligenter, Technologie nutzender, zweibeiniger Humanoid entwickelt, so antwortete ich Dawkins, wäre dies aber auch auf der Erde mehr als einmal geschehen. Zwar argumentiert Robert Wright in seinem 2001 erschienenen Buch "Nonzero: The Logic of Human Destiny", dass unsere Existenz das Auftreten anderer irdischer Lebensformen mit einer der unseren vergleichbaren Intelligenz verhindert. Den experimentellen Gegenbeweis – soweit dieser möglich ist – lieferten indessen die Neandertaler, die, von uns unbeeinflusst, Hunderttausende von Jahre lang in Europa lebten. Und dennoch keinen technologischen und kulturellen Fortschritt erreichten, der mit dem des modernen Menschen (der sie schließlich ersetzt hat) vergleichbar wäre.
Dawkins Rückantwort an mich erscheint mir sehr erhellend:
"Sie wechseln von einem Extrem ins andere. Im Video stellen Sie die Unwahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung als so immens hoch dar, dass Sie im gesamten Universum mit keiner zweiten humanoiden Lebensform rechnen. Und nun weisen Sie – zu Recht – darauf hin, dass wir im Fall einer gewissen Unvermeidbarkeit dieser Entwicklung davon ausgehen müssten, dass sich auch auf der Erde Humanoide mehr als einmal hätten entwickeln müssen! Ja, Humanoide sind ziemlich unwahrscheinlich, aber nicht notwendigerweise extrem unwahrscheinlich. Und sobald man zumindest von einer "gewissen Unvermeidbarkeit" sprechen kann, ist dies gleichbedeutend mit der Existenz von Millionen oder gar Milliarden humanoider Lebensformen im Universum – einfach deshalb, weil die Zahl der geeigneten Planeten so groß ist. Ich sehe meine Position irgendwo zwischen Ihren Extremen und vermute, dass Humanoide nicht so selten sind, dass die von Ihnen benutzten statistischen Superlative gerechtfertigt wären."
Ein guter Punkt. Aber von den 60 bis 80 Tierstämmen hat nur einer, die Chordaten, letztlich zu Intelligenz geführt, und nur die Vertebraten haben sie tatsächlich entwickelt. Und von allen Vertebraten haben nur Säugetiere Gehirne entwickelt, die groß genug waren, dass sie auch höhere Hirnfunktionen ermöglichten. Und von den 24 Ordnungen von Säugetieren besitzt nur eine – unsere, die der Primaten – technologische Intelligenz. Wie der 2005 verstorbene Harvard-Evolutionsbiologe Ernst Mayr sagte: "Nichts demonstriert die Unwahrscheinlichkeit, dass es zu höherer Intelligenz kommt, besser als die Millionen phyletischer Linien, denen dies nicht gelungen ist." Obwohl es auf der Erde möglicherweise zur Entstehung von rund 50 Milliarden Arten kam, so Mayr, "entwickelte doch nur eine von diesen die nötige Intelligenz, um eine Zivilisation zu begründen."
Im Jahr 1995 hatte die kalifornische Planetary Society – eine gemeinnützige Organisation, zu deren Gründern der Astronom Carl Sagan gehörte – eine Debatte zwischen Mayr und Sagan organisiert (Bioastronomy News, Vol. 7, No. 4, 1995 oder kostenfrei hier). Mayr wies im Lauf des Gesprächs darauf hin, dass Spezies, die auf technologischem Weg miteinander kommunizieren, "ebenso auf dem Land wie in den Meeren oder in der Luft leben könnten. Sie könnten eine uns unvorstellbare Biochemie und ebenso unvorstellbare Formen, Größen, Farben, Gliedmaßen und Meinungen besitzen. Wir erwarten nicht, dass sie notwendigerweise dem ganz speziellen Entwicklungspfad folgen, der zur Evolution von Menschen führte. Die Pfade hin zu intelligentem Leben mögen jeder für sich zwar unwahrscheinlich sein, in der Summe aber würde sich eine ganz erhebliche Zahl solcher Entwicklungswege ergeben.”
Die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo im Universum zur Entstehung von intelligentem Leben kommt, könnte also tatsächlich sehr groß sein. Dass es von humanoider Form ist, dafür stehen die Chancen indessen eher schlecht. Protagoras' "Der Mensch ist das Maß aller Dinge" führt uns, so meine Vermutung, gerade bei der Frage, ob wir uns in Außerirdischen wiederfinden könnten, schnurstracks in die Irre.
Der US-Amerikaner Michael Shermer ist Herausgeber der Zeitschrift Skeptic und Sachbuchautor.
Dieser Beitrag ist im Original im Scientific American erschienen.





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1. Intelligentes Leben gelingt selten
18.01.2010, Stefan TaubeSo wie auch die Raumschiffe der Aliens nicht beliebig aussehen können, weil sie den Gesetzen der Technik unterliegen, unterliegt auch deren Anatomie den Naturgesetzen.
Das intelligentes Leben so selten gelingt, liegt wohl eher daran, dass Intelligenz nicht unbedingt das beste evolutionäre Konzept ist (den Menschen gibt es noch nicht lange genug, um ihn als Erfolgsmodell zu bezeichnen) und weil Intelligenz neben sich keine andere Intelligenz duldet.
2. Zwangsläufig mehr Intelligenz
27.01.2010, Ralf Metzner, ShanghaiMit keiner solchen Auslese wird zwangsläufig mehr Intelligenz über lange Zeiträume erzwungen.
Trotzdem werden sich für komplexe Mehrzeller irgendwann intelligentere Verhaltensweisen zum Vorteil im Konkurrenzdruck der Selektion erweisen. Limitiert wird dies auf der anderen Seite durch "ineffizienten" Energiekonsum, also einen mit der höheren Intelligenz einhergehenden höheren Energieverbrauch des Denkapparates. Hier balanciert sich die "Gehirngrößse" also aus zwischen Vorteilen durch mehr Intelligenz und Nachteilen durch höheren Energieverbrauch. (Trivialerweise müssen Vögel also ein kleineres Hirn haben als zum Beispiel Hunde ...) Das jeweilige Optimum wird durch die jeweilige Nische bestimmt.
Dies gilt für den Planeten Erde wie für alle anderen Planeten im Universum.
Einen Vorteil "überschießender" Intelligenz, und damit eine langfristige Selektion Richtung mehr Intelligenz, kann es eigentlich nur geben, wenn Werkzeuggebrauch, Übertragung des "Know-Hows" auf Folgegenerationen usw. einen Selektionsvorteil bringen.
Damit sind wir beim "Aussehen der Aliens": Sie müssen in gewissem Masse soziale Wesen mit Kommunikationsfähigkeiten sein zum Tradieren des Know-Hows, sie müssen Werkzeuge entwickeln, und nutzen, und damit auch planvoll ihre eigene Umwelt (Nische) manipulieren können.
Damit liegt schon fest, dass sie entsprechende Sinnesorgane wie Augen, Ohren usw. haben müssen. Ob dies Insektenaugen oder Augen mit nur einer Linse oder gar andere Lösungen sind, ist damit nicht festgelegt.
Das Manipulieren von Werkzeugen erfordert Hände oder andere Greiforgane, Fortbewegung sollte ebenfalls über Beine funktionieren, nicht über Räder, weil dies biologisch quasi ausgeschlossen ist.
Jetzt ist noch die Frage, auf welchen Pfaden sich hier die Evolution sozusagen "einfräst" - schließlich schleppen sich evolvierende Wesen ja immer ihre Evolutionshistorie mit sich herum.
Im Wasser könnte es zu anderen Symmetrien kommen als "rechts/links" - siehe Tintenfische. Die Frage ist nur, wodurch der Selektionsdruck dann Richtung höhere Intelligenz erzeugt würde.
Genau dies ist auf dem Land eher möglich, und damit sind lateralsymmetrische Wesen wohl eher zu erwarten. Dass Sinnesorgane sich dann eher nahe am Denkorgan als weit weg ansiedeln, ist trivial: Reaktionszeiten sind nur so kurz zu halten.
Dass es ein zentrales Denkorgan geben sollte, und das höchstwahrscheinlich durch eine feste Hülle geschützt, ergibt sich durch ebengleiche Argumentation. Ob aber zwei Augen oder mehr an diesem "Kopf" angesiedelt sind, ist offen - es könnten auch vier sein.
Genauso ist die Zahl der Extremitäten nicht festgelegt: Zwei, vier, sechs oder gar acht wären möglich, wieviele davon Greifwerkzeuge sind, ist nicht determiniert.
Auch wäre es möglich, dass direkt am Kopf zusätzliche Greifwerkzeuge (Nahrungsaufnahme) "angewachsen" sind. So etwas sieht nicht sehr humanoid aus, könnte sich aber in einer anderen Selektionshistorie ergeben haben.
Auch könnte die Öffnung für Nahrungsaufnahme anderswo angesiedelt sein als am Kopf, wenngleich dies schon einem Selektionsoptimum zu entsprechen scheint: Spinnen, Insekten, Vögel, Säuger, selbst Tintenfische usw. haben hier sehr ähnliche Lösungen. Offenbar ist auch hier die "schnelle Reaktionszeit", d.h. die kurze Distanz zum Denkorgan, evolutiv von Vorteil.
Ach ja: Da das Denkorgan eine gewisse Mindestgröße für Intelligenz erfordert, müssen intelligente Wesen auch entsprechend groß sein. Damit würden Lungenatmer mit internem Skelett sehr bevorzugt gegenüber Lebewesen mit Exoskelett, die durch ihren Panzer atmen müssten und damit in ihrer Größe sehr eingeschränkt wären. Es kann solche Wesen geben, aber ihre Intelligenz ist limitiert. Oder anders gesagt: Viele Evolutionswege sind vielleicht sehr viel wahrscheinlicher, aber können am Ende eigentlich keine höhere Intelligenz hervorbringen. Und nur extrem wenige Pfade bieten eine Entwicklung zu höherer Intelligenz.
Man kann viele weitere solche Gedankenspiele machen, kommt aber einfach für andere intelligente Lebewesen im Universum auf rechts-links-symmetrische Gas-Atmer, mit x Beinen und y Greifextremitäten, einer bestimmten Mindestgröße, mit einem Kopf, an dem die meisten Sinnesorgane und wahrscheinlich auch die Nahrungsaufnahmeöffnung angesiedelt sind.
Humanoid ist dies zwar nicht zwangsweise, kommt uns aber schon vertraut vor. Mit der Minimierung der Extremitäten: x und y sind jeweils genau 2, sieht es dann schon sehr viel menschlicher aus (auch wenn dies eben nicht zwangsläufig so sein muss; x und/oder y könnte ja z.B. auch 4 sein). Bei aufrechtem Gang wäre der Kopf optimal eben "oben" und damit sieht alles schon viel menschenähnlicher aus.
Wenn diese Wesen grundsätzlich jedoch eine urwaldartige, dreidimensionale Welt besiedelten, muss ein Kopf "vorne/oben" nur dann sein, wenn eine ähnliche Entwicklungshistorie (aus dem Wasser ans Land) durchgemacht wurde wie auf diesem Planeten... Also könnte es sich trotz einiger Ähnlichkeiten schon um sehr, sehr anders aussehende Wesen handeln!
Und diese werden wir wohl kaum zu sehen bekommen, wahrscheinlich auch nicht unsere Nachfahren, in welche Richtung sich diese durch Evolution auch weiter verändert haben mögen...
3. Nur intelligentes Leben gelingt
28.01.2010, Stefan SchollUnd ein intelligenter Mensch sehnt sich sehr nach anderen intelligenten Menschen, damit sie/er mit ihnen kommunizieren und diskutieren kann und neue Sichtweisen aufgezeigt bekommt. Man darf gegenüber überlegenen Lebewesen aber auch skeptisch sein und sein eigenes Leben schützen.
Und um Ihre Behauptung ad absurdum zu führen: Wäre nicht Intelligenz ein Erfolgsrezept, würden wir alle nach Dummheit streben. Und das kann ich nur vereinzelt beobachten.